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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Samenbehälter - Samenkäfer.

den oder durch Werfen mit der Schaufel von ihren Anhängseln befreit, die der Nadelhölzer nicht eher, als bis die Hüllen in 25° R. Sonnen- oder Ofenwärme sich geöffnet haben. Die Samen halten sich am längsten, wenn sie in ihren Hüllen aufbewahrt werden, soweit deren Zustand es gestattet, oder in verschlossenen Gläsern, Töpfen, feinkörnige mit trocknem Sand vermischt, od. dgl. Der Aufbewahrungsort muß trocken und kühl sein; Kälte schadet dem reifen Samen nicht, wohl aber starke Wärme. Die Samen von Wasserpflanzen müssen in Wasser aufbewahrt werden. Vgl. Schulze, Gärtnerische Samenkunde (Berl. 1883); Jäger und Benary, Die Erziehung der Pflanzen aus Samen (Leipz. 1887).

Samenbehälter (Receptaculum seminis), s. Geschlechtsorgane.

Samenbläschen, s. Samenleiter.

Samenblätter, s. Kotyledonen.

Samenbruch, eine Krankheit der Weinbeeren, wobei an einzelnen Beeren einer Traube die Samenkerne frei über die Oberfläche der Beere hervortreten, welche gewöhnlich kleiner bleibt, aber übrigens ausreifen kann, beginnt mit einer lokalen Verwundung und Absterben der Epidermis und des darunterliegenden Gewebes, was von Sonnenbrand, Hagelschlag u. vielleicht noch andern Umständen bewirkt werden kann.

Samendarre (Samenklenganstalt), Vorrichtung, um die Fichten- und Kiefernzapfen zu entkörnen und die Samenkörner von Schuppen und Flügeln zu befreien. Darren heißt das Entsamen der Zapfen durch Wärme, Ausklengen das Entsamen überhaupt, sei es durch Wärme oder durch mechanische Hilfsmittel. Sonnendarren bestehen meist nur aus einem transportabeln Kasten, in den eine Drahthorde schräg eingesetzt wird, so daß die Sonnenstrahlen dieselbe senkrecht treffen. Die Zapfen werden auf der Horde ausgelegt, häufig durcheinander gerührt und gewendet. Die ausfallenden Samenkörner sammeln sich in dem Kasten. Die Sonnendarren, die älteste Form der Klenganstalten, liefern sehr keimfähigen Samen, sind aber von der Witterung abhängig, und selten wird aller Same gewonnen. In den Feuerdarren werden die Zapfen auf Horden in Darrräumen einer bis etwa 25-30° R. bei Fichten, 35-45° R. bei Kiefern erwärmten, möglichst trocknen Luft, welche durch Röhren zugeführt wird, so lange ausgesetzt, bis alle Zapfen aufgesprungen sind. Die Samenkörner fallen in einen vertieften, kühlen Raum. Statt der Horden, welche häufig gerüttelt werden müssen, verwendet man auch drehbare Trommeln von Drahtgeflecht. Das Entflügeln der Samenkörner (Entfernen der anhaftenden kleinen häutigen Flügel) geschieht am besten in Säcken durch Beklopfen mit Stöcken, die Reinigung des Samens auf Windfegen und durch Sieben. Diese Feuerdarren beeinträchtigen oft durch zu hohe Temperatur die Keimfähigkeit des Samens. Im übrigen sind sie in großen Forsthaushalten ganz unentbehrlich. Die Dampfdarren werden durch Wasserdampf aus einem außerhalb des Klenggebäudes befindlichen Dampfkessel mittels Röhren, welche in zahlreichen Hin- und Wiedergängen dicht unter den Horden hinziehen, geheizt. Sie sind weniger feuergefährlich, gestatten genaue Regulierung der zuströmenden Wärme und lassen daher die Überhitzung des Samens sicherer vermeiden als die Feuerdarren. Der Lärchensame kann nicht ausgedarrt, sondern muß auf mechanischem Weg durch Zerstoßen, Zerreiben etc. der Zapfen gewonnen werden. Man bedient sich hierzu kleiner, in Metallcylindern rotierender Zahnräder, welche die Zapfen zermahlen und so die Samenkörner frei machen. Vgl. Walla, Die Samendarren und Klenganstalten (Berl. 1874).

Samendeckel (Operculum), polster- oder deckelförmige Bildung mancher Samenschalen, welche den Mündungsteil der heranwachsenden Samenknospe verschließt. Bisweilen ist ein doppelter S. vorhanden, wie bei Sparganium. Der S. erleichtert bei sehr hartschaligen Samen die Keimung, da er von dem anwachsenden Keimling leichter emporgehoben wird als die steinartige übrige Umhüllung des Samens.

Samendüngung, s. Einbeizen.

Sameneiweiß, bei den Pflanzen, s. Same, S. 254.

Samenfluß, s. Pollutionen und Tripper.

Samenhandel, in der Hauptsache sich mit Gartensämerei befassend, beschäftigt sich auch mit den Wald- und landwirtschaftlichen Samen. Der gärtnerische S. ist teils der Absatz der eignen Produktion, teils Groß- und Zwischenhandel. Die forstlichen Samen werden von besondern Samenhändlern geliefert, welche namentlich in Thüringen und am Mittelmain (Gegend des Spessart) wohnen. Die landwirtschaftlichen Samen, hauptsächlich Futterkräuter, aber auch neue Getreidesorten, liefern Landwirte an die Großhändler, Grassaat aber auch die forstlichen Samenhändler aus Franken, Darmstadt und Thüringen, den größten Handel in Kleesamen treibt Preußisch-Schlesien. Der meiste Raigrassame kommt aus Schottland. Nordamerika liefert viel Holzsamen, England und Frankreich sowie in Deutschland hauptsächlich Ulm, Erfurt, Quedlinburg viele Gemüse. Der größte Handel mit Blumensamen hat sich in Erfurt und Quedlinburg vereinigt; doch ist er auch anderwärts, z. B. in Arnstadt, Aschersleben, nicht unbeträchtlich. Samen, welche bei uns nicht vollkommen oder unsicher reifen, bezieht man jetzt allgemein aus Südfrankreich, seltener aus Italien (Neapel). Bei der kurzen Dauer mancher Samen und der Überfüllung durch Sorten fehlt dem S. noch sehr die solide Grundlage (vgl. Samenkontroll-Stationen).

Samenkäfer (Bruchidae Leach), Käferfamilie aus der Gruppe der Kryptopentameren, kleine Käfer von kurzer, gedrungener Gestalt, mit schnauzenförmig verlängertem, hinten zu einem dicken Hals verengertem, abwärts gerichtetem Kopf, seitlich hervortretenden, großen, hufeisenförmigen Augen und langen, derben, zuweilen gezahnten oder gekämmten, elfgliederigen Fühlern. Die Larven sind denen der Rüsselkäfer ähnlich. Die sehr zahlreichen Arten finden sich über alle Erdteile verbreitet, sind besonders in Südamerika und Europa vertreten, leben als Larven in Samenkörnern, vorzugsweise von Leguminosen, und richten zum Teil erheblichen Schaden an. Der Erbsenkäfer (Bruchus pisi L.), 5 mm lang, oval, schwarz, oberseits dicht punktiert, heller und dunkler anliegend braun behaart, mit weißen Flecken, von denen einige auf der hintern Hälfte der punktiert gefurchten Flügeldecken eine Querbinde bilden, an den vier ersten Fühlergliedern sowie an Schienen und Tarsen der vordern Beine rotgelb, erscheint im April, legt seine Eier an die jungen Erbsenhülsen, von wo die Larven sich in die Samen einfressen. Sie entwickeln sich einzeln in den heranwachsenden Erbsen, in welchen sie sich auch verpuppen und der Käfer vor dem Winter auskriecht, um indes erst im Frühjahr den Samen zu verlassen. Hier und da hat massenhaftes Auftreten des Käfers zum Aufgeben des Erbsenbaues geführt; als Vertilgungsmittel empfiehlt sich Darren der Erbsen bei 50°. Die Larve des sehr ähnlichen Bohnenkäfers (B. rufimanus Schönh.) lebt in Pferde- ^[ERGÄNZUNGSSTRICH!]