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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Sarai; Saraisk; Sarajevo

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Sarai - Sarajevo.

sind der Salon de Santa Engracia und der Paseo del Monte Torrero.

S. hieß im Altertum Salduba und war eine Stadt des Stammes der Ilergeten. Augustus legte hier 27 v. Chr. eine Militärkolonie an, welche er Caesarea Augusta (gewöhnlicher Caesaraugusta, woraus der heutige Name entstand) nannte und zur Bezirkshauptstadt machte. 255 kommt der erste christliche Bischof von S. vor. 712 wurde die Stadt von den Mauren erobert; 1118 kam sie durch Alfons I. wieder unter christliche Herrschaft. 1317 wurde das Bistum zum Erzbistum erhoben. Wie ganz Aragonien, nahm auch S. im spanischen Erbfolgekrieg Partei wider Philipp V. für König Karl III. von Österreich, mußte sich aber 1707 jenem unterwerfen. Hier 20. Aug. 1710 Schlacht zwischen Karl und Philipp V., worin letzterer geschlagen ward. Berühmtheit erlangte S. besonders durch den Mut, mit welchem die Bewohner unter José Palafox den Feldherren Napoleons I. in zwei Belagerungen, vom Juni bis August 1808 und vom 21. Dez. 1808 bis 21. Febr. 1809, den tapfersten Widerstand leisteten. Als die Franzosen im Mai 1808 sich der spanischen Hauptstadt bemächtigt hatten, wurde in S. Palafox zum Generalkapitän ernannt. Nachdem der französische General Lefebvre 14. und 23. Juni die Truppen Palafox' geschlagen hatte, ward die Stadt eingeschlossen, und 3. Aug. nahm das Bombardement seinen Anfang. Schon 4. Aug. drangen die Franzosen in das Kloster Santa Engracia ein; doch gelang ihnen vom 4.-13. Aug. nur die Einnahme von vier Häusern, und der General Verdier, der an Lefebvres Stelle getreten war, hob infolge der Flucht des Königs Joseph aus Madrid und des Rückzugs des französischen Heers auf Vittoria in der Nacht vom 15. Aug. die Belagerung auf. Doch schon im Dezember d. J. nahm die zweite Belagerung ihren Anfang. Die Stadt war inzwischen von neuem befestigt und ihre Besatzung auf 30,000 Mann gebracht worden. Das ebenso starke Belagerungsheer, von Moncey und Mortier geführt, erschien 19. Dez. vor derselben. Am 9. Jan. 1809 begann die Beschießung, und 26. Jan. drang der Feind durch drei Breschen ein: doch konnte er sich nur in den Wallöffnungen und einigen eingeschlossenen Häusern behaupten. So hoch auch die Not in der Stadt stieg, verwarf Palafox dennoch jede Aufforderung zur Kapitulation. Unterdessen dauerte der Häuserkrieg Tag und Nacht fort, und erst 7. Febr. konnte der Feind seinen Angriff gegen den Mittelpunkt der Stadt richten. Der Kampf entbrannte hier unter und über der Erde. Zugleich raffte die Pest einen großen Teil der Verteidiger hinweg. Endlich gelang es den Franzosen unter Lannes 18. Febr., sich der eingeschlossenen Vorstadt auf dem linken Ufer des Ebro zu bemächtigen, was den Fall der Stadt entschied. Die Unterhandlungen führten 20. Febr. zu einem für die Stadt ehrenvollen Vertrag. Ramon Valdidares hat diese Verteidigung in einer Epopöe: "Iberiade" (2. Aufl. 1826), besungen. Im Karlistenkrieg stand die Stadt auf seiten der Christinos, und alle Versuche, sie durch Handstreich zu nehmen, wurden vereitelt.

Sarai, Hauptstadt des mittelalterlichen Reichs Kiptschak (s. d.), im 13. Jahrh. von Batu am linken Ufer der Achtuba (östlichster Wolgaarm) gegründet und 1480 vom russischen Feldherrn Nosdrowatyi zerstört. Ihr weites Trümmerfeld findet sich bei der heutigen Kreisstadt Zarew im Gouvernement Astrachan.

Saraisk, Kreisstadt im russ. Gouvernement Rjäsan, an der Ossetr (zur Oka), durch Zweigbahn mit der Linie Moskau-Rjäsan verbunden, hat einen alten Kreml (Festung), 9 Kirchen, bedeutenden Viehhandel und (1885) 5918 Einw. Bemerkenswert ist in der Nähe der Verkündigungskirche der 25 m hohe und 65 m im Umfang messende Grabhügel, in dem 300 Arsamasser begraben liegen, welche 1608 der von den Polen belagerten Stadt zu Hilfe geeilt waren.

Sarajevo (türk. Bosna-Seraj), Hauptstadt Bosniens und Station der Bosnabahn, an der Mündung der Miljaćka in die Bosna, liegt (540 m ü. M.) malerisch in einer von den Bergen Grdolj und Trebevicz eingeschlossenen, gegen W. offenen Mulde, ist teilweise befestigt und eine der schönsten und reichsten türkischen Städte. Der in der Ebene gelegene christliche Stadtteil besteht aus einer dichten Häusermasse mit geraden Straßen, wogegen die mohammedanischen Bezirke an der Berglehne mit ihren steilen, krummen Gassen und zwischen Gärten zerstreuten Häusergruppen ein treues Bild orientalischer Bauart bieten. S. hat 4 katholische und 2 griechisch-oriental. Kirchen, 2 kath. Klöster, 106 Moscheen (darunter sind die "Kaisermoschee" und die Begova Deschamia die größten), 6 mohammedan. Klöster und 3 Synagogen. Nennenswerte Gebäude sind: die alte Feste (mit 12 Türmen auf vorspringendem Felsen), der ehemalige Konak des Gouverneurs (jetzt Generalkommando), das Palais der Landesregierung (der größte Bau in S.) mit bosnischem Museum, das Bahndirektionsgebäude, Militärkasino und zahlreiche Neubauten von Privatleuten. S., früher die Zentralstation der türkischen Karawanen und eine sehr bedeutende Handelsstadt mit über 100,000 Seelen, hat (1885) 26,268 Einw. (15,787 Mohammedaner, 4431 Griechisch-Orientalische, 3326 Katholiken und 2618 Juden), lebhaften Handel und eine große Tabaksfabrik und erzeugt insbesondere wollene Tücher, Leder, Eisen- und Kupfergeräte, Feuerwaffen, Messerschmiedarbeiten, Säbel (welche sehr geschätzt werden) etc. Das öffentliche Leben konzentriert sich in der aus 40-50 bunt durcheinander laufenden Gassen und Gäßchen bestehenden Čarśia (Markt mit Werkstätten und Gewölben), wo jedes Handwerk seine eigne Gasse besitzt. S. ist Sitz der Landesregierung, des Generalkommandos, eines katholischen Erzbischofs, eines griechisch-orientalischen Metropoliten, des Reis ül Ulema sowie eines deutschen Berufskonsuls, hat ein Obergymnasium, einen Aushilfslehrer-Bildungskurs, ein Militär-Knabenpensionat, 55 Volksschulen, mehrere Kasernen, ein Militär- und ein Lagerspital, ein Theater, einen Stadtpark und einen Tramway. Mitten in der Hochebene von S. liegt das Bad Ilidsche mit einem Säuerling und schon seit Römerzeiten bekannten schwefelwasserhaltigen Quellen (39-45°), die den sie umgebenden Kalkstein (Triaskalk) in Gips verwandeln. - S. wurde 1263 von einem ungarischen General, Cotroman, als Bosnavár (Verhbosna) gegründet. Auf den Trümmern dieser und der Stadt Kotor hat man 1465 die jetzige erbaut und nach dem Palast (Seraj) benannt, den sich der prachtliebende Chosrew Beg hier bauen ließ. Durch furchtbare Brände wurde es 1480, 1644, 1656 und 1687 fast ganz vernichtet, 8. und 9. Aug. 1879 äscherte der letzte Brand 1479 Häuser ein. Seitdem wurden nach dem neuen Regulierungsplan durchweg massive Steinbauten ausgeführt. S. war von jeher der Hauptsitz des bosnischen Adels und seit 1850 auch der Sitz der bosnischen Walis (Statthalter), welche früher in Travnik residierten. Am 19. Aug. 1878 wurde es von den Österreichern unter Feldzeugmeister Baron Philippovich eingenommen und zur Landeshauptstadt erhoben.