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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Sardinien; Sardinische Monarchie

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Sardinien - Sardinische Monarchie.

des S. Pompejus, erobert und gegen die Triumvirn behauptet. Später übergab Menas die Insel Oktavian. Tiberius versetzte 4000 Juden und Ägypter hierher, und Nero benutzte S. als Verbannungsort. Im 5. Jahrh. bemächtigten sich die Vandalen der Insel und verpflanzten mehrere tausend Numidier dahin. Der Herrschaft der Vandalen machte der römische Feldherr Marcellinus ein Ende, und nach dem Sturz des Vandalenreichs in Afrika (534) kam S. unter die Herrschaft der byzantinischen Kaiser und gehörte zur Präfektur Afrika. 720 besetzten die Sarazenen die Insel, wurden zwar bald wieder vertrieben, eroberten sie aber gegen Ende des 9. Jahrh. vollständig. Nachdem 1004 der Papst Johann XVIII. die christlichen Mächte zur Eroberung Sardiniens aufgerufen und es im voraus demjenigen als Eigentum verliehen hatte, welcher die Sarazenen vertreiben würde, ging 1005 Pisa, wohin zahlreiche Sarden nach der sarazenischen Eroberung geflüchtet waren, ans Werk der Eroberung, siegte aber völlig erst 1007. Bereits 1015 kehrten zwar die Sarazenen wieder und schlugen die Pisaner. Die Genuesen verbündeten sich jedoch sodann mit diesen, und 1022 war die Insel wieder im Besitz der Pisaner. Die nun folgende tyrannische Regierung der pisanischen Richter sowie die Eifersucht der Pisaner und Genuesen, welche sich um die Oberherrschaft der Insel stritten, machten letztere zum Schauplatz blutiger Fehden. 1164 erhob Kaiser Friedrich I. S. zum Königreich, indem er einen angesehenen Sarden, Boruson, einen Günstling der Genuesen, zum König krönte, der sich aber nicht lange behauptete. 1190 eroberte mit Hilfe der Pisaner der Markgraf Wilhelm von Massa die Provinzen Cagliari und Arborea und gelangte trotz einer 1194 von den Genuesen erlittenen Niederlage allmählich in den Besitz der ganzen Insel. Seine Tochter Benedicta (gest. 1224) ward aber von Ubaldo Visconti verdrängt, der sich nun der Insel größtenteils bemächtigte. Er starb 1238. Seine Witwe Adelasia heiratete den natürlichen Sohn des Kaisers Friedrich II., Enzio, den sein Vater zum König von S. machte. Als derselbe 1249 in die Gefangenschaft der Bologneser geraten war, machten sich die Pisaner wieder zu Herren von S. Der zwischen Pisa und Genua bis 1299 dauernde Krieg endigte damit, daß den Genuesen von den Pisanern Sassari abgetreten wurde. Inzwischen hatte der Papst Bonifacius VIII. 1296 den König Jakob II. von Aragonien, welcher Sizilien an den König Karl von Neapel abtreten sollte, mit Corsica und S. belehnt. Nach mehreren Niederlagen huldigten endlich die Pisaner dem König von Aragonien als Herrn von S., nur die Herrschaft über Cagliari und Castro blieb ihnen gegen einen jährlichen Tribut. S. gehörte von jetzt an lange Zeit zu Aragonien. Im Frieden von Utrecht fiel S. an Österreich, welches aber 1720 Savoyen zwang, S. gegen Sizilien umzutauschen. Seitdem machte S. mit Savoyen und Piemont die sardinische Monarchie aus. Doch spielte es als armes Land, obschon es die Ehre genoß, dem neuen Königreich seinen Namen zu geben, Piemont gegenüber immer die untergeordnete Rolle. Erst in neuester Zeit ward der Forderung der geistigen und materiellen Wohlfahrt der Insel mehr Aufmerksamkeit gewidmet. Im März 1799 flüchtete der König nach S., auf dessen Besitz er bald beschränkt wurde, und konnte erst nach Napoleons I. Fall 1814 in seine Staaten zurückkehren. S. Sardinische Monarchie. Vgl. Hörschelmann, Geschichte, Geographie und Statistik der Insel S. (Berl. 1828); Lamarmora, Voyage en Sardaigne 1819-25; description statistique, physique et politique (2. Aufl., Par. 1837-1857, 5 Bde.; Bd. 4 u. 5 auch als "Itinéraire", Tur. 1860, 2 Bde.); Neigebaur, Die Insel S. (Leipz. 1853); Boullier, L'île de Sardaigne (Par. 1865); Maltzan, Reise auf der Insel S. (Leipz. 1869); Roissard de Bellet, La Sardaigne à vol d'oiseau en 1882 (Par. 1884); Tennant, Sardinia and its resources (Lond. 1885); de Vico, Historia general de la isla et reyno de Cerdeña (Barcel. 1839, 2 Bde.); Manno, Storia di Sardegna (bis 1773, Tur. 1825, 4 Bde.); Derselbe, Storia moderna di Sardegna 1773-99 (Flor. 1858); Rickenbach, Die Insel S. vor der Herrschaft der Römer (Brünn 1882).

Sardinische Monarchie, bis 1860 Bezeichnung eines Königreichs in Italien, das einesteils die Insel Sardinien, andernteils bedeutende Gebiete des oberitalischen Festlandes, nämlich das Herzogtum Savoyen, das Fürstentum Piemont, die Herzogtümer Aosta und Montferrat, die Grafschaft Nizza und das Herzogtum Genua, umfaßte. Der Flächengehalt betrug 76,000 qkm (1377,31 QM.) mit (1857) 5,167,542 Einw. Vom jetzigen Königreich Italien begreift das Gebiet außer der Insel die Provinzen Alessandria, Cuneo, Genua, Novara, Turin und den größten Teil von Pavia, während Savoyen und Nizza an Frankreich abgetreten sind. Residenz war Turin. Über Geographie und Statistik des Königreichs sind die Hauptwerke von Bartolomeis (Tur. 1840-47, 3 Bde.), Casalis ("Dizionario geografico-storico etc.", das. 1843-51, 21 Bde.) und Stefani ("Dizionario", das. 1855).

[Geschichte.] Nachdem der Herzog Viktor Amadeus II. von Savoyen den Königstitel angenommen und 24. Aug. 1720 die ihm von Spanien streitig gemachte Insel Sizilien gegen die Insel Sardinien ausgetauscht, bildeten Sardinien (s. d.) und Savoyen (s. d.) die s. M., welche von der neuerworbenen Insel den Namen, von Piemont, dem Hauptland, jedoch die Hauptstadt erhielt. 1730 trat der König die Regierung an seinen Sohn Karl Emanuel I. (III.) ab. Als er sich kaum ein Jahr später der Krone wieder bemächtigen wollte, ward er verhaftet und starb 1732 im Gefängnis. 1733 übernahm Karl Emanuel I. den Oberbefehl über die vereinigten französischen und sardinischen Truppen, schlug die Österreicher im polnischen Erbfolgekrieg 19. Sept. 1734 bei Guastalla und 29. Sept. bei Parma und nahm Mailand. In dem Wiener Frieden erhielt er 1738 von Mailand Novara und Tortona. Im österreichischen Erbfolgekrieg (1741-48) verbündete er sich in der Hoffnung, Mailand ganz zu bekommen, mit Frankreich; allein da dieses das fragliche Gebiet Spanien zuwenden wollte, trat er 1743 dem Vertrag von Turin und Worms bei und stellte gegen englische Subsidien für Österreich ein Heer von 45,000 Mann auf, wofür ihm dieses die Grafschaft Anghiera mit Vigevano, die Herrschaft Bobbio und Piacenza und einen Teil des Fürstentums Pavia abtrat. Ein spanisches Heer unter dem Infanten Don Philipp, welches bereits Chambéry erobert hatte, schlug der König im Bund mit den Österreichern 3. Febr. 1743 bei Campo Santo. Zwei neue feindliche Heere, welche ihn aus seinen Verschanzungen bei Villafranca geworfen, konnte er aber nicht überwältigen; Piacenza, Alessandria, Valenza und Tortona gingen 1745 verloren, und 27. Sept. wurde er bei Bassignana geschlagen. Dagegen nahm er 8. März 1746 Asti und mehrere andre Städte und siegte 16. Juni bei Sant' Antonio. Savoyen wurde nun schnell von den Feinden gereinigt und sogar in