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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Sardona - Sargassum.

Sardona, ausgedehnte Hochgebirgsgruppe der Glarner Alpen, um den Saurenstock (3056 m) auf der Grenze der Kantone Glarus, St. Gallen und Graubünden gelagert. Seine Flügelposten sind zunächst der Vorab (3225 m), der Ringelspitz (3249 m) und die Grauen Hörner (2847 m), deren Haupt Piz Sol 15. Aug. 1864 zum erstenmal erstiegen ward. Weiterhin wird der Gebirgscharakter mehr voralpin, wie im Spitzmeilen (2505 m) und im Mürtschenstock (2442 m) oder (durch die tief eingeschnittene Paßlücke des Kunkels fast abgetrennt) im Calanda (2808 m). Der letztere enthält Goldadern in der "goldenen Sonne", ist jedoch wichtiger durch seine Thonschiefer. Die Gefahr, welche seine Felsstürze dem am Südfuß gelagerten Graubündner Dorf Felsberg gebracht, hat zur Gründung der sicherern Nachbaransiedelung Neu-Felsberg geführt.

Sardonisches Lachen (Sardonius risus, Sardoniasis), krampfhaftes, mit heftig wechselnden Gesichtsverzerrungen verbundenes Lachen ohne äußern Anlaß. Der Ausdruck findet sich schon bei Homer (Odyssee, 20, 302) und soll von einem auf Sardinien wachsenden Kraut (bei Vergil Sardoa herba) hergenommen sein, dessen Genuß den Mund wie zum Lachen verzieht. Allgemeiner bezeichnet derselbe auch ein gezwungenes oder höhnisches Lachen.

Sardonyx, s. Chalcedon.

Sardou (spr. ssarduh), Victorien, franz. Bühnendichter, geb. 7. Sept. 1831 zu Paris, trieb erst medizinische Studien, fühlte sich aber bald zur Litteratur hingezogen und machte, während er sich mit Lektionen kümmerlich ernährte, seinen ersten Versuch als Theaterdichter mit "La taverne des étudiants" (1854), welche auf dem Odéon total durchfiel. Durch seine Verheiratung mit der Schauspielerin Brécourt trat er in Beziehungen zu der berühmten Déjazet, die sein Talent erkannte und sich von ihm in "Monsieur Garat" und "Les prés Saint-Gervais" (1860) zwei Paraderollen schreiben ließ, die sich dauernd auf dem Repertoire erhalten haben. Den Beifall eines gewähltern Publikums errang er dann zuerst im Gymnase mit dem Lustspiel "Les pattes de mouche" (1861; in Deutschland unter dem Namen: "Der letzte Brief" bekannt), das bereits alle großen Vorzüge und kleinen Schwächen des Verfassers offenbart. Mit Scribe teilt S. die erstaunliche Fertigkeit der Mache und die Oberflächlichkeit der Empfindung; dagegen überragt er ihn in dem Witz des Dialogs und in der Kunst, den Zeitgenossen ihre Fehler abzusehen und, wenn auch nicht in durchgearbeiteten Charakteren, so doch in lustigen und prägnanten Typen vorzuhalten. Diese Kunst bewährte er in einer langen Reihe von Stücken, die fast ebensoviel Bühnenerfolge waren, und von denen wir als die bedeutendsten anführen: "Piccolino", "Nos intimes" und "Les Ganaches" (1861), letzteres eine etwas liebedienerische Satire auf die "alten Parteien"; "La papillonne" (1862 von dem Parterre des Théâtre-Français wegen seiner Schlüpfrigkeit zurückgewiesen und 1880 im Gymnase als vergleichsweise sehr harmlos applaudiert); "Les diables noirs" (1863), das Zauberstück "Don Quichotte" und die Posse "Les pommes du voisin" (1864); "Les vieux garçons" und "La famille Benoîton", eine scharfe Verhöhnung der Sitten des zweiten Kaiserreichs (1865); "Nos bons villageois", worin die falsche Gemütlichkeit des Landlebens gegeißelt wird, und "Maison neuve", gegen die Haußmannsche Stadtverschönerung gerichtet (1866); "Séraphine", ein Bild weiblicher Scheinheiligkeit (1868); "Fernande" (1870); "Rabagas", ein dramatisches Pamphlet, für dessen Helden politische Parvenüs aller Parteien, namentlich aber Emile Ollivier und Gambetta, Modell sitzen mußten, daher die Aufführungen im Vaudeville regelmäßig zu Demonstrationen Anlaß gaben (1872); "L'oncle Sam", ein etwas schiefes nordamerikanisches Familien- und Charakterbild, und "Les Merveilleuses", eine Sittenstudie aus der Zeit des Direktoriums (1873); "Ferréol" (1875); "Dora" (1877); "Les bourgeois de Pont-Arcis" (1878); endlich "Daniel Rochat", der den freilich sehr äußerlich aufgefaßten Kampf zwischen Freigeisterei und Rechtgläubigkeit zum Vorwurf hat (1880); "Divorçons", eine Verspottung der Ehescheidung (1881); "Odette" (1882); die im modernen Rußland spielende "Fédora" (1883) und "Théodora" (1884), worin eine Episode aus der Regierungszeit Kaiser Justinians und seiner entarteten, aus dem Zirkus stammenden Gemahlin Theodora behandelt wird; das Ausstattungsstück "Le Crocodile" (1886) und das Schauerdrama "La Tosca" (1887), dessen Titelrolle Sarah Bernhardt auf den Leib geschrieben war. Außerdem sind noch zwei Dramen von etwas höherm Flug zu nennen: "Patrie" (1869), ein großartig angelegtes Gemälde aus der Zeit der Befreiung der Niederlande und "La haine" (1874), ein Nachtstück aus den Kämpfen der italienischen Adelsgeschlechter im Mittelalter, von denen jedoch nur das erstere einen äußern Erfolg hatte. Auch hat er eine Anzahl Operntexte sowie einige Novellen (z. B. "La perte noire") verfaßt. S. ist seit 1877 Mitglied der Akademie und bewohnt in der Ortschaft Marty, deren Maire er ist, einen fürstlichen Landsitz. Vgl. Gottschall, Porträts und Studien, Bd. 4 (Leipz. 1871); Montégut in der "Revue des Deux Mondes" (1877); Lindau in der "Gegenwart" (1876, Nr. 4 u. 5); Albert Wolff, Victorien S. et l'oncle Sam (Par. 1874).

Sardoum mare, bei den Alten der westlich von Sardinien gelegene Teil des Mittelmeers.

Sardschu, Fluß, s. Gogra.

Sarefschan, s. Serefschan.

Sarépta, russischer Senf (vgl. Sarepta 2).

Sarépta, 1) (phönik. Zarpat) Stadt in Phönikien, zwischen Sidon und Tyros an der Küste, aus der Geschichte des Propheten Elias bekannt, in den Kreuzzügen fester Platz und Bischofsitz; jetzt Sarfend. - 2) Deutsche Kolonie im russ. Gouvernement Saratow, an der Wolga, mit deutschen und russischen Schulen, Acker- und Weinbau (berühmter Senf), Industrie in Schnupftabak, Brennereien, Brauereien, lebhaftem Handel und (1880) 5647 Einw. S. wurde 1765 von Herrnhutern gegründet und erhielt von Katharina II. bedeutende Privilegien, die aber 1877 teilweise aufgehoben wurden. Vgl. Glitsch, Geschichte der Brüdergemeinde S. (Niesky 1865).

Sarg, s. Sarkophag und Totenbestattung.

Sargans, Landstädtchen im schweizer. Kanton St. Gallen, einst Dynastensitz, dann bis 1798 das Haupt der gemeinen Herrschaft gleiches Namens, ist Knotenpunkt der Rheinthal- und Walenseelinie (Chur-S.-Rorschach und Chur-S.-Zürich) und hat (1880) 942 Einw. Über S. erhebt sich der Gonzen (s. d.).

Sargassomeer, s. Sargassum.

Sargassum Ag. (Beerentang), Algengattung aus der Familie der Tange (Fukaceen) mit cylindrischem, fadenförmigem, sehr langem Thallus, welcher Blätter, gestielte Luftblasen und auf besondern Stielen traubenförmige Fruchtstände trägt. Die über 100 Arten finden sich meist in den wärmern Meeren auf Felsen oder frei schwimmend. S. bacciferum Ag.