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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Sauerstoffäther - Säugetiere.

oder Säurenanhydride oder indifferente Körper sind. Die Verbindung eines Körpers mit S. (Oxydation, Verbrennung) verläuft oft schnell unter bedeutender Temperaturerhöhung, Erglühen, Flammenbildung, oft langsam ohne bemerkbare Temperaturerhöhung (langsame Verbrennung). Diese letztern Vorgänge spielen in der Natur eine große Rolle. Die Verwesung, das Rosten des Eisens, die Verwitterung mancher Gesteine, der tierische Stoffwechsel sind derartige langsame Verbrennungsprozesse, welche zuletzt dieselben Produkte liefern wie die unter Feuererscheinung verlaufende schnelle Oxydation. Bisweilen kann bei langsamer Verbrennung doch eine allmähliche Temperatursteigerung eintreten und einen so hohen Grad erreichen, daß plötzlich Entzündung eintritt und die Oxydation nun unter Flammenbildung schnell verläuft. Hierauf beruht die Selbstentzündung schwefelkiesreicher Kohlen, mit Öl getränkter Putzlappen, großer Heuhaufen etc. In reinem S. verlaufen alle Verbrennungserscheinungen sehr viel lebhafter als in der Luft; ein glimmender Holzspan bricht in reinem S. in Flamme aus, und eine glühende Uhrfeder brennt darin mit lebhaftem Funkensprühen. Leitet man S. in eine Flamme, so verkleinert sich dieselbe und entwickelt nun eine ungemein hohe Temperatur. Gewisse Metalle, wie Platin, verdichten besonders im fein verteilten Zustand auf ihrer Oberfläche so viel S., daß, wenn man ein brennbares Gas darauf strömen läßt, eine energische Oxydation eingeleitet wird, bei welcher sich die Temperatur bis zum Erglühen des Metalls und bis zur Entzündung des Gases steigern kann. S. ist von höchster Bedeutung im Haushalt der Natur: die Existenz der Tierwelt ist an die Gegenwart von S. gebunden, bei Mangel an S. tritt sofort Erstickung ein (daher der Name Lebensluft). Aber während die Tiere S. einatmen und ihn zur Oxydation organischer Substanz verwenden, deren Produkte, Kohlensäure und Wasser, sie ausscheiden, nehmen die Pflanzen Kohlensäure und Wasser auf, reduzieren sie im Sonnenlicht, bilden organische Substanz daraus und atmen überschüssigen S. aus. Abgestorbene organische Stoffe werden durch S. oxydiert (verwesen) und in den Kreislauf der Elemente zurückgeführt. Beim Einatmen von reinem S. entsteht ein Gefühl von Leichtsein, die physische Leistungsfähigkeit scheint erhöht, die Respiration wird leichter und freier, die Pulsfrequenz und das Wärmegefühl gesteigert, der Appetit nimmt zu. Man hat deshalb mehrfach und mit einigem Erfolg versucht, S. als Heilmittel zu verwenden. Die technische Benutzung des Sauerstoffs ist durch nicht hinreichend billige Darstellungsmethoden erschwert. Doch hat man ihn zum Schmelzen des Platins mittels Knallgases, zum Löten des Bleis mit Knallgas, zu Drummondschem Licht und auch in andrer Weise zur Beleuchtung angewandt. Der S. wurde 1774 ziemlich gleichzeitig von Priestley und Scheele entdeckt. Diese Entdeckung gab Lavoisier den Schlüssel zu einer richtigen Theorie der Verbrennungserscheinungen, und da die Produkte der Verbrennung in S. häufig saurer Natur sind, so nannte er das Element Säureerzeuger (Oxygene). Von der Entdeckung des Sauerstoffs datiert die Begründung der neuen Chemie. Eine Modifikation des Sauerstoffs ist das Ozon (s. d.). Vgl. Meißner, Untersuchungen über den S. (Hannov. 1863; Neue Untersuchungen, Götting. 1869); Philipps, Der S., Vorkommen, Darstellung und Benutzung zu Beleuchtungszwecken (Berl. 1871); Pictet, Mémoire sur la liquéfaction de l'oxygène (Neuchât. 1877).

Sauerstoffäther, s. v. w. Aldehyd.

Sauerstoffsalze, s. Salze, S. 245.

Sauerstoffsäuren, s. Säuren.

Sauerteig, s. Brot, S. 468.

Sauerwasser, verdünnte Säure zum Abbeizen von Metallgegenständen; auch s. v. w. Säuerling, s. Mineralwässer, S. 652.

Sauerwurm, s. Wickler.

Saufang, eine fest umzäunte Fläche im Wald, mit einer Vorrichtung (Stellung), in welcher die Sauen sich fangen. Ein vollständiger S. besteht aus dem Fang, dem Beigarten und dem Hetzplatz, die durch Palissadenzäune, in welchen Fallthüren angebracht sind, eingefriedigt und voneinander getrennt werden. Der Fangplatz muß mit wenig, der Beigarten dagegen mit dichtem Buschwerk bewachsen und der Hetzplatz möglichst holzfrei sein. Für den Fang legt man eine Laufkirre durch Ausstreuen von Eicheln, Kartoffeln etc. bis zur Fallthür des Fangplatzes an und richtet auf letzterm einen größern Kirrplatz her, damit die Sauen, wenn sie der erstern folgen, durch die Thür auf den letztern gelockt werden. Die Thür fällt herab, sobald die eingewechselten Sauen die über den Kirrplatz gespannte Druckleine berühren; man postiert aber auch auf einer Kanzel in der Nähe der Fallthür einen Wärter, welcher die Fallthür herabläßt, wenn die Sauen auf den Fangplatz gelangt sind. Die gefangenen Sauen werden durch die in dem Zwischenzaun angebrachten Fallthüren in den Beigarten gebracht und können dort gefüttert und gehalten werden, bis eine hinreichende Zahl vorhanden ist, um darauf Jagd zu machen, zu welcher sie auf den Hetzplatz getrieben werden.

Sauf-conduit (franz., spr. ssohf-kongdüih), s. v. w. Salvus conductus, sicheres Geleit, Geleitsbrief.

Saufeder, scharfes, spitz zulaufendes, zweischneidiges Eisen an einem dicken Stiel, wird benutzt, um Sauen abzufangen oder auflaufen zu lassen.

Saufenchel, s. Peucedanum.

Säuferkrankheit, s. Trunksucht.

Säuferleber, s. Leberkrankheiten, S. 598.

Säuferwahnsinn, s. v. w. Delirium tremens.

Saufinder, s. Hund, S. 801.

Saugadern, s. Lymphgefäße.

Saugarten, umfriedigter Waldteil, in welchem für die Jagd Wildschweine gehalten werden. Der S. muß verhältnismäßig groß sein, damit die Tiere nicht zu zahm werden. Saugatter, der Zaun um einen S. oder letzterer selbst.

Säugen des Kindes, s. Stillen des Kindes.

Säugetiere (Mammalia), die höchste Klasse der Wirbeltiere, behaarte Warmblüter, welche lebendige Junge gebären (Ausnahme: Kloakentiere, s. d.) und eine Zeitlang mittels der vom Muttertier abgesonderten Milch ernähren. Von den Vögeln und Reptilien unterscheiden sie sich wesentlich durch den Besitz zweier Hinterhauptshöcker anstatt eines einzigen und stimmen hierin mit den Amphibien überein (s. Wirbeltiere). Sie leben meist auf dem Land und bewegen sich auf ihm gewöhnlich mittels ihrer vier Füße, die nur selten zu Greiforganen umgewandelt sind, fort. Nur den Walen fehlen die Hintergliedmaßen (s. unten). Die Haut der S. besteht aus einer bindegewebigen, Gefäße und Nerven, auch Pigmente führenden Lederhaut und einer zelligen Oberhaut, welche sich in eine weiche, pigmenthaltige untere und in eine mehr oder minder verhornte, an manchen Stellen schwielig verdickte obere Schicht sondern läßt (s. Haut). Die in ihr wuchernden Haare (s. d.) fehlen keinem Säugetier gänzlich, sind aber z. B. bei den Walen