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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Scharffeuerfarben; Scharfrichter; Scharfschützen; Scharfsinn; Schari; Scharkiëh; Scharlach

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Scharffeuerfarben - Scharlach.

schrieb er eine "History of the characteristics of Greek art" (als Einleitung zu Wordsworths "Greece", 3. Aufl. 1859), "On the principal portraits of Shakespeare" (1864), wertvolle Kataloge von Londoner Kunstsammlungen, Ausstellungsberichte u. a. 1875 wurde er zum Konservator an der National Portrait Gallery in London ernannt.

Scharffeuerfarben, s. Thonwaren.

Scharfrichter (Nachrichter), die seit dem Ende des Mittelalters übliche Bezeichnung von Personen, welche die durch Richterspruch verhängte Todesstrafe der Enthauptung von Amts wegen zu vollstrecken haben. Nach dem ältesten germanischen Rechtsgebrauch stand der das Urteil findenden Gemeinde oder dem Kläger mit seinem Anhang die Strafvollstreckung zu. Dann fiel dieselbe in der Regel den Fron- oder Gerichtsboten zu; an manchen Orten aber bestand der seltsame Gebrauch, daß der jüngste Schöffe, selbst mitunter der jüngste Ehemann oder gar der nächste Anverwandte des Verurteilten die Hinrichtung vollziehen mußte. Nachdem es aber Brauch geworden, die Exekution besondern Individuen zu übertragen, machte man einen Unterschied zwischen S. und Henker, indem man jenem die Vollstreckung der Enthauptung, als nicht entehrender Todesstrafe, den Henkern aber, die gewöhnlich in den Diensten des Scharfrichters standen und ihr Amt unter dessen Aufsicht ausübten, die für entehrend geltenden Arten der Todesstrafe, wie Hängen, Rädern, Vierteilen, Verbrennen etc., sowie die Folterung zuwies. Wiewohl nun nach den Reichsgesetzen den S. niemals Unehrlichkeit oder Anrüchigkeit treffen sollte, trug er doch in der öffentlichen Meinung gleich den Henkern und Abdeckern einen Makel an sich, von welchem das Scharfrichtergewerbe, das sich regelmäßig von dem Vater auf den Sohn fortzuerben pflegt, noch jetzt nicht ganz frei ist. Das Meisterstück des Scharfrichters besteht in der kunstgerechten Enthauptung eines Verurteilten. Das Scharfrichterschwert war mit einer geraden, breiten, zweischneidigen Klinge versehen, welche vorn breiter als am Griff war, den man mit zwei Händen fassen konnte. In neuerer Zeit werden die Enthauptungen mit dem Beil und zwar meistens mit dem Fallbeil vollzogen (s. Guillotine). Vgl. Beneke, Von unehrlichen Leuten (Hamb. 1863).

Scharfschützen, früherer Name der Büchsenschützen in den Heeren. Vgl. Schützen und Jäger.

Scharfsinn, im Gegensatz zum Witz (s. d.) das Vermögen, scheinbar Ähnliches als entgegengesetzt, wie dieser, scheinbar Entgegengesetztes als ähnlich aufzuzeigen.

Schari, großer Strom in Zentralafrika, von dessen unterstem Lauf wir bisher allein genauere Kenntnis haben. Seine Quellflüsse (Aukadebbe, Bahr el Abiad, Bahr el Asrak, Bahr Kuti, Bahr el Ardhe) entspringen auf dem unter dem 23.° östl. L. nordsüdlich von Dar Fur nach Dar Banda sich hinziehenden Höhenrücken, welcher die Wasserscheide gegen den Nil bildet. Diese Flüsse haben nordwestliche Richtung und umschließen, nachdem sie sich in Bagirmi vereinigt, eine mächtige Insel in zwei Hauptarmen, deren südlicherm aus Adamáua der Logone zugeht, und die sich nach ihrer abermaligen Vereinigung sogleich wieder in zahlreiche Arme spalten und, ein umfangreiches Delta bildend, in den Tsadsee sich ergießen. Den untern Lauf erforschte Nachtigal 1872, über den obern machte sein Diener Angaben.

Scharkiëh, Mudirieh (Provinz) in Unterägypten, im östlichsten Teil des Nildeltas, 2344 qkm (43 QM.) groß mit (1882) 464,655 Einw.; Hauptstadt ist Zakazik.

Scharlach (franz. Écarlate), sehr lebhaftes Rot mit einem Stich ins Gelbe.

Scharlach (Scharlachfieber, Scarlatina), fieberhafte ansteckende Krankheit, deren Name von dem auffallenden roten Hautausschlag hergenommen ist (vgl. Tafel "Hautkrankheiten", Fig. 7). Das Krankheitsgift ist noch völlig unbekannt. Die Inkubationszeit des Scharlachfiebers, d. h. die Zeit, welche zwischen der Ansteckung und dem Ausbruch der Krankheit vergeht, scheint etwa acht Tage zu betragen. Personen, welche das Scharlachfieber einmal überstanden haben, werden nur äußerst selten zum zweitenmal von derselben Krankheit ergriffen. Bei herrschenden Scharlachepidemien bleiben die Säuglinge häufig verschont; Kinder, welche das zweite Lebensjahr überschritten haben, sind für die Ansteckung am meisten empfänglich. Indes werden auch erwachsene Menschen häufig genug vom Scharlachfieber befallen, wenn sie dasselbe nicht als Kinder überstanden haben. Vorzugsweise, jedoch nicht ausschließlich kommen die Scharlachepidemien im Herbst und Frühjahr in sehr wechselnder Bösartigkeit vor. Die Organe, welche beim Scharlachfieber am augenfälligsten erkranken, sind die äußere Haut, die Rachenschleimhaut und die Nieren. Der Scharlachausschlag auf der Haut beginnt mit dem Auftreten zahlreicher kleiner, dicht bei einander stehender geröteter Punkte, welche alsbald zusammenfließen und eine gleichmäßig gerötete Fläche bilden. Die Haut ist dabei gleichmäßig angeschwollen, oft glänzend und geglättet. Bei den regulären Scharlachfällen ist auch konstant eine Entzündung der Rachenschleimhaut zugegen, und in bösartigen Epidemien nimmt die Halsaffektion nicht selten die Form der diphtheritischen Entzündung an. Damit verbinden sich dann zuweilen Entzündungen der Nase, der Ohrspeicheldrüsen, der Lymphdrüsen und des Bindegewebes am Hals, welche meist in Vereiterung oder selbst in Brand übergehen. Ganz konstant ist mit dem Scharlachfieber eine Erkrankung der Nieren verbunden, welche sich durch den Abgang von Eiweiß mit dem Harn und durch Abstoßung der Nierenepithelien zu erkennen gibt. In seltenen Fällen treten andre Erkrankungen, besonders Entzündungen der Gelenke, der serösen Häute, des innern Ohrs, hinzu. Die reinsten Scharlachfälle, bei welchen neben dem entzündlichen Fieber nur der Hautausschlag, die Rachenentzündung und die Blutüberfüllung der Nieren bestehen, pflegt man als einfaches, normales oder gutartiges Scharlachfieber zu bezeichnen; aber auch dieses stellt immer eine schwere Erkrankung dar. Im Inkubationsstadium ist bei den meisten Individuen das Wohlbefinden völlig ungetrübt. Einzelne Kranke klagen jetzt schon über Mattigkeit, Abgeschlagenheit und über ein unbestimmtes Krankheitsgefühl. Das Stadium der Vorläufer (meist 1-2 Tage) beginnt mit wiederholtem Frösteln, seltener mit einem einmaligen Schüttelfrost. Der Kranke bekommt nun das Gefühl brennender Hitze, Brechneigung oder wirkliches Erbrechen, heftigen Kopfschmerz, das Gefühl großer Erschlaffung, eine allgemeine Schmerzhaftigkeit der Glieder. Der Durst ist gesteigert, der Schlaf gestört. Der Puls macht oft jetzt schon 120-130 Schläge in der Minute, und die Körpertemperatur hat eine Höhe von 39° C. und darüber. Gleichzeitig klagen die Kranken über ein Gefühl von Trockenheit und Brennen im Hals und über Schmerzen, welche durch Schlingbewegungen vermehrt werden. Die Schleimhaut der Mandeln und des weichen Gaumens zeigt sich dunkel gerötet und geschwollen. Manche Kranke sind sehr aufgeregt oder delirieren,