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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Schanzpfähle - Scharf.

1 m Höhe und 0,6 m Durchmesser, ähnlich den Sappenkörben (s. Sappe); sie dienen der Fußartillerie zum Bau von Batterien (s. d.).

Schanzpfähle, s. Palissaden.

Schanzzeug, Werkzeuge zur Ausführung von Erdarbeiten: Spaten oder Schippe, Axt, Säge, Maßstäbe, Stampfen etc., wird von den Pionieren und der Feldartillerie auf den Fahrzeugen (Geschützen) mitgeführt, von der Infanterie und Kavallerie (nur Spaten mit kurzem Stiel [Linnemannscher] und Beile) in Lederfutteralen getragen.

Schapel (Schappil, Schappelin), Name eines im 12. Jahrh. in Deutschland aufgekommenen reifenförmigen Kopfschmuckes der Männer wie der Frauen aus Metall oder gesteiftem Zeug oder aus kranzartig geflochtenen Blumen. Die metallenen S. bestanden in vergoldeten oder auch goldenen, glatten und gewundenen Reifen, welche mit blumenförmigen Rosetten oder kronenförmigen Zinken verziert und mit Edelsteinen und Perlen besetzt waren. Bis in den Anfang des 16. Jahrh. im Gebrauch.

Schaper, Fritz, Bildhauer, geb. 1841 zu Alsleben an der Saale, wurde Steinmetz in Halle, ging dann an die Akademie zu Berlin und arbeitete von 1860 bis 1867 im Atelier des Professors A. Wolff. Von einer Reise zur Pariser Weltausstellung nach Berlin zurückgekehrt, arbeitete er im eignen Atelier, in welchem unter anderm ein Modell zu einer Konkurrenz um ein Uhland-Denkmal für Tübingen entstand, welches ihm den ersten Preis, aber nicht die Ausführung einbrachte. 1872 beteiligte er sich an der Konkurrenz um das Goethe-Denkmal für Berlin, wurde zur engern Konkurrenz zugezogen und mit der Ausführung des Denkmals betraut, welches 1879 enthüllt wurde (s. Tafel "Bildhauerkunst X", Fig. 8). Während er hier monumentale Wirkung mit höchster Anmut und Eleganz verband, brachte er in den Bronzestatuen Bismarcks und Moltkes für Köln (1879 und 1881) ebenso glücklich Heldengröße und geistige Bedeutung zum Ausdruck. Von seinen übrigen Werken sind hervorzuheben: ein Landsknecht für den Siegesbrunnen in Halle, das Lessing-Denkmal für Hamburg (Bronzeguß, 1882), das Gauß-Denkmal für Braunschweig, Hebe und Amor tränken die Tauben der Venus (1886, Marmorgruppe) u. eine Victoria für die Herrscherhalle des Berliner Zeughauses. S. hat auch zahlreiche Büsten geschaffen. Er ist Professor an der Kunstakademie u. Ritter des Ordens pour le mérite.

Schaperkrüge, nach dem von ca. 1640 bis 1670 in Nürnberg thätigen Glas- und Fayencemaler Johann Schaper aus Harburg benannte Krüge aus weißer Fayence, welche mit schwarzen, miniaturartig ausgeführten Malereien (biblischen Darstellungen, Landschaften, Genrebildern, Schlachten etc.) verziert sind; selten und von den Sammlern sehr gesucht. Die Schapergläser sind meist monochrom (bräunlich oder schwarz) bemalte Trink- und Prunkgefäße.

Schapka, der schwarze, niedrige, cylinderartige Filzhut der großrussischen Bauern, mit breitem Rand, verziert mit Bändern oder Pfauenfedern.

Schappe, s. v. w. Löffelbohrer, s. Erdbohrer, S. 739.

Schapur, pers. König, s. Sapor.

Schar (Pflugschar), s. Pflug, S. 973.

Schara, linker Nebenfluß des Niemen in Rußland, steht durch den Oginskischen Kanal (im Gouvernement Minsk) mit der Jassiolda in Verbindung und mündet bei Mosty, südöstlich von Grodno.

Scharade (franz. charade), Wort- und Silbenrätsel, d. h. Rätsel, bei welchem der Name oder das Wort, das man zu erraten aufgibt, in seine einzelnen Silben zerteilt, diese nach einzelnen Merkmalen charakterisiert und zuletzt in Eins zusammengefaßt werden. Die S. ist also ein zusammengesetztes Rätsel; sie enthält in den einzelnen, als selbständige Wörter genommenen Silben mehrere Rätsel, welche in gegenseitiger Beziehung stehen und sich sinnreich zusammenschließen müssen. Dazu eignen sich besonders die Sprachen, welche, wie die griechische, französische und deutsche, reich an zusammengesetzten Wörtern sind. Eine Sammlung von Scharaden lieferte Th. Hell unter dem Titel: "Agrionien" (Leipz. 1811-12). Lebende Scharaden sind solche, welche in geselligen Zirkeln durch Handlung dargestellt werden, indem man die einzelnen Silben, wie sie aufeinander folgen, durch kleine pantomimische, auch wohl dramatische Darstellungen personifiziert und zuletzt das Ganze ebenso gibt, woraus die Gesellschaft zu raten hat, was das dargestellte Wort sei.

Scharawaden, die zum Schutz gegen Kälte und Schmutz früher gebräuchlichen Überhosen der Kavallerie, namentlich unter Friedrich d. Gr., in Österreich noch bis 1859.

Scharbe, s. v. w. Kormoran.

Scharbeutz (Augustusbad), Seebad im oldenburg. Fürstentum Lübeck, an der Neustädter Bucht, in reizender Lage an ausgedehnten Buchenwaldungen.

Scharbock, s. v. w. Skorbut.

Scharbockkraut, s. Ficaria.

Schardagh, ein von NO. nach SW. ziehendes Gebirge in der Türkei, zwischen Prisrend und Skoplja, an welchem der Wardar und viele Zuflüsse des Drin entspringen; der alte Skardos. Die höchste Spitze ist der Ljubatrin am Nordostende, 3050 m.

Schärding, Stadt im Erzherzogtum Österreich ob der Enns, am Inn und an den Staatsbahnlinien Neumarkt-Passau und Steinach-S., hat ein neues Rathaus, Bierbrauerei, Zündhölzchenfabrik, Granitsteinbrüche, (1880) 3585 Einw. und ist Sitz einer Bezirkshauptmannschaft und eines Bezirksgerichts. In der Nähe Brunnenthal mit kalter, salinisch-eisenhaltiger Quelle und Badeanstalt und das ehemalige Augustinerchorherrenstift Suben (gegenwärtig Männerstrafanstalt).

Scharen, sich, s. Gang, S. 890.

Schären (Skären, Scheeren), Gesamtbezeichnung der zahllosen Klippen und Inseln an den Küsten Finnlands und Schwedens; daher Schärenflotte, die zur Deckung des Eingangs in die S. dienende, aus kleinern Ruder- und Dampfschiffen bestehende Flotte. Vgl. Finnischer Meerbusen.

Scharf, George, engl. Maler und Kunstschriftsteller, geb. 16. Dez. 1820 zu London von deutschen Eltern, trat 1838 in die Royal Academy und lieferte als Erstlingsarbeit eine Sammlung von Radierungen unter dem Titel: "Scenic effects", die als Illustrationen zu den 1838 und 1839 von Macready veranstalteten Neuaufführungen Shakespearescher und andrer klassischer Stücke dienen sollten. 1840 machte er eine Reise durch Italien und begleitete Sir Fellows nach Kleinasien, das er 1843 noch einmal als Zeichner mit der von der Regierung dahin abgeschickten Expedition besuchte. Eine große Anzahl seiner auf lykische Landschaften und lykische Skulptur bezüglichen Skizzen sind im Britischen Museum ausgestellt. Auch veröffentlichte er mit Fellows das Buch "Lycia, Caria, Lydia, illustrated and described" (1847, Bd. 1). Nach seiner Rückkehr widmete er sich hauptsächlich der Ölmalerei sowie der Bücherillustration: Macaulays "Lays of ancient Rome", Layards "Niniveh", Keats "Poems" u. a. Daneben