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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Schiller

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Schiller (Ausgaben seiner Werke, Briefwechsel, Biographien etc.).

dem Dichter auch in den Zeiten seines reifsten Schaffens. Dafür geben vor allem die unvergänglichen, kostbaren Gedichte jener Epoche: "Ideal und Leben", "Spaziergang", "Lied von der Glocke" u. a. entschiedenes Zeugnis. Aber immer weniger abstrakt löst S. die erhabene Aufgabe, die für ihn die Dichtkunst hatte; eine stets innigere Anschmiegung an die Wirklichkeit der Dinge begleitet seinen Weg vom "Wallenstein" zum "Tell" und "Demetrius". Und so bietet denn die ganze Entwickelung des Dichters das edle Schauspiel unermüdlichen redlichsten Ringens nach den höchsten Zielen seiner Kunst und um die höchsten Güter des Lebens. Dabei steigerte sich die eigentümliche Verbindung realer charakteristischer Darstellung und des subjektiven Pathos, in welcher der geheimste Reiz von Schillers Poesie lag und liegt. In diesem Sinn sowie in dem der idealen Überwindung aller äußern Hemmnisse erscheinen Schillers Dichtungen als Thaten, als gewaltige und unvergängliche Zeugnisse einer durchaus vornehmen, groß gestimmten und heroischen Natur.

Diese Seite des Schaffens und Wirkens, sozusagen die Heldenhaftigkeit seines geistigen Lebens ist es (abgesehen von der deutschen Vorliebe für didaktische Neigungen in der Poesie) gewesen, was S. seiner Nation zum liebsten und verehrtesten unter allen ihren Dichtern gemacht hat. Die lebendigste Kunde von dieser Liebe und Verehrung gab die Jubelfeier des 100jährigen Geburtstags Schillers 1859, die überall, wo Deutsche wohnen, festlich und mit Begeisterung begangen ward. Denkmäler in Erz und Stein erinnern an ihn in zahlreichen Orten. Am 8. Mai 1839 wurde die erste Schillerstatue (von Thorwaldsen) zu Stuttgart, 4. Sept. 1857 das Doppelstandbild Schillers und Goethes (von Rietschel) in Weimar enthüllt. Andre Statuen von ihm sind zu Mannheim (von K. Cauer, 1862), Mainz (von Scholl, 1862), München (von Widnmann, 1863), Frankfurt a. M. (von Dielmann, 1864), Hannover (von Engelhard), Hamburg (von Lippelt, 1864), Berlin (von Reinh. Begas, 1871), Wien (von Schilling, 1876), Marbach (von Rau, 1876), Ludwigsburg (von v. Hofer, 1883) etc. errichtet. Der vortrefflichen Kolossalbüste des Dichters von Dannecker haben wir schon oben gedacht; die besten Porträte Schillers sind die von Graff (1786) und von Ludovika Simanowitz (1793). Auch hat das dankbare Andenken an den Lieblingsdichter der Nation an mehreren Orten S.-Vereine hervorgerufen, und der 1859 in Dresden entstandene Verein zur Unterstützung verdienter und hilfsbedürftiger deutscher Schriftsteller trägt seinen Namen (s. Schiller-Stiftung).

Ausgaben. Schiller-Litteratur.

Die erste Gesamtausgabe von Schillers Werken besorgte sein Freund Körner (Stuttg. u. Tübing. 1812-15, 12 Bde.), die bis 1867, wo die Cottaschen Privilegien erloschen, in den verschiedensten Ausgaben wiederholt ward. Von den spätern Ausgaben sind als die vollständigsten und besten die historisch-kritischen von Gödeke u. a. (Stuttg. 1868-76, 15 Tle. in 17 Bdn.) und von Kurz (Hildburgh. 1868-1869, 9 Bde.; Textausgabe, 6 Bde.) sowie die von Boxberger (mit Einleitungen, 2. Aufl., Berl. 1882, 8 Bde.) hervorzuheben. Als Ergänzungen zu den frühern Ausgaben sind zu nennen: Boas, Nachträge zu Schillers sämtlichen Werken (Stuttg. 1838-40, 3 Bde.; neue Ausg. 1853); Hoffmeister, Nachlese zu Schillers sämtlichen Werken und Variantensammlung (das. 1840-41, 4 Bde.); "Schillers dramatischer Nachlaß" (Nürnb. 1842, 2 Bde.) sowie die "Beiträge zur Schillerlitteratur" von J. ^[Joachim] Meyer (Stuttg. 1858 u. 1860) und von A. v. Keller (Tübing. 1859-60). Vgl. auch Trömel, Schillerbibliothek (Leipz. 1865).

[Briefwechsel, biographische Litteratur etc.] Außerordentlich reich ist die biographische, kritische und exegetische Schillerlitteratur, für welche nächst den Werken des Dichters der nach und nach veröffentlichte Briefwechsel desselben die wichtigste Quelle bildete. Eine hervorragende Bedeutung haben die folgenden Briefsammlungen: "Schillers Briefe" (hrsg. von H. Döring, Altenb. 1846, 2 Bde.); "Schillers Briefe an den Freiherrn von Dalberg" (Karlsr. 1819); "Schillers Briefwechsel mit Körner" (Berl. 1847, 4 Bde.; 2. Aufl., Leipz. 1874); "Briefwechsel zwischen S. und W. v. Humboldt" (Stuttg. 1830, 2. Aufl. 1876); "Briefwechsel zwischen S. und Goethe" (das. 1828-29, 6 Bde.; 4. Aufl. 1881, 2 Bde.); "S. und Lotte" (Briefwechsel mit Charlotte und Karoline v. Wolzogen, das. 1856; 3. Aufl., bearbeitet von Fielitz, 1879); "Schillers Briefwechsel mit seiner Schwester Christophine und seinem Schwager Reinwald" (hrsg. von Maltzahn, Leipz. 1875); die "Briefwechsel" zwischen S. und (J. F. ^[Johann Friedrich]) Cotta (hrsg. von Vollmer, Stuttg. 1876), mit dem Herzog Friedrich Christian von Schleswig-Holstein (hrsg. von Max Müller, Berl. 1876); die von Gödeke herausgegebenen "Geschäftsbriefe" (Leipz. 1875); die "Briefe an Schiller" (hrsg. von Urlichs, Stuttg. 1877). Hierher gehört auch die Publikation von Schillers Tochter, der Frau v. Gleichen-Rußwurm: "Schillers Kalender vom 18. Juli 1795-1805" (Stuttg. 1865). - An biographischen Schriften führt Gödeke in seiner nur bis 1859 geführten bibliographischen Übersicht ("Grundriß", Bd. 2) bereits nicht weniger als 83 an. Die bekanntesten Darstellungen von des Dichters Leben sind von Karoline v. Wolzogen (Stuttg. 1830, 2 Bde.; 5. Aufl. 1876), Carlyle (Lond. 1825; deutsch, Stuttg. 1883), Hoffmeister ("Schillers Leben, Geistesentwickelung und Werke im Zusammenhang", das. 1838-42, 5 Bde.; neu bearbeitet und ergänzt von H. Viehoff, das. 1875), Schwab (das. 1840, 3. Ausg. 1859), Schäfer (Leipz. 1852), Bulwer ("Schillers Leben u. Werke", deutsch von Kletke, Berl. 1848), Palleske (das. 1858, 2 Bde.; 12. Aufl., Stuttg. 1886), Scherr (Leipz. 1859, 4. Aufl. 1865), Düntzer (das. 1881), Hepp (das. 1885). Umfassendere Biographien wurden begonnen von Weltrich (Stuttg. 1885) und O. Brahm (Berl. 1888). Von den zahlreichen, einzelnen Partien seines Lebens gewidmeten Schriften führen wir an: Boas, Schillers Jugendjahre (hrsg. von Maltzahn, Hannov. 1856, 2 Bde.); (A. Streicher) Schillers Flucht von Stuttgart und Aufenthalt in Mannheim 1782-85 (Stuttg. 1843); Saupe, S. und sein väterliches Haus (Leipz. 1851); Emilie v. Gleichen, Schillers Beziehungen zu Eltern, Geschwistern und der Familie v. Wolzogen (Stuttg. 1859); Egger, S. in Marbach (Wien 1868); Schloßberger, Archivalische Nachlese zur Schillerlitteratur (Stuttg. 1877); Brosin, Schillers Verhältnis zum Publikum seiner Zeit (Leipz. 1875); Derselbe, Schillers Vater (das. 1879); "Elis. Doroth. S." (anonym, das. 1879); Speidel und Wittmann, Bilder aus der Schillerzeit (Stuttg. 1885).

Aus der kritisch-ästhetischen Litteratur über S. machen wir ferner folgende Schriften als die vorzüglichsten namhaft: Hemsen, Schillers Ansichten über Schönheit und Kunst im Zusammenhange gewürdigt (Götting. 1854); Julian Schmidt, S. und seine Zeitgenossen (Leipz. 1859); Kuhn, Schillers geistiger Entwickelungsgang (3. Aufl., Berl. 1868); Deecke, Über Schillers Auffassung des Künstler-^[folgende Seite]