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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Schmieden

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Schmieden (Geschichtliches).

gensalz, 7,6 Kolophonium und für Stahl auf Stahl: 41,5 Borsäure, 35 trocknes Kochsalz, 15,5 Blutlaugensalz, 8 entwässertes kohlensaures Natron. Bisweilen schweißt man auch durch Druck unter Anwendung der hydraulischen Presse oder zweier Walzen. Die Längenfugen an Dampfkesseln werden auch durch eine Schweißmaschine zusammengeschweißt, deren Hauptbestandteil ein hammerartiger, durch Druck wirkender Stempel ist. Ohne Benutzung des Hammers, durch ruhigen Druck schmiedet man kleinere Gegenstände, z. B. Schraubenmuttern, in Schmiedemaschinen, welche aus einem festen Untergesenk und einem regelmäßig auf- und niedergehenden Obergesenk bestehen. Der Arbeiter hat hier nur dem Gesenk immer geeignetes Rohmaterial zuzuführen. Zum S. größerer Stücke, z. B. der Lokomotivkreuzköpfe, sind hydraulische Pressen (Schmiedepressen) in Anwendung, welche nach gleichem Prinzip wirken. Eine vom gewöhnlichen S. völlig abweichende Arbeit bildet das Kesselschmieden, bei welchem nach dem Vorzeichnen und Beschneiden der Bleche, dem Ausbohren oder Ausstoßen der Nietlöcher die auf der Blechbiegemaschine gebogenen Bleche zusammengenietet und die Nietfugen behufs der Dichtung verstemmt werden. Vgl. Schmelzer, Einrichtung und Betrieb der Schmieden (Leipz. 1888).

Geschichte der Schmiedekunst.

(Hierzu die Tafel "Schmiedekunst".)

Die Verarbeitung des Eisens wird schon in den ältesten Schriftquellen, wie in der Genesis und im Homer, erwähnt, und der Mythus bezeichnet Tubalkain (den Hephästos oder Vulkan der Hebräer) als den Erfinder des Schmiedens. Doch finden wir bei zahlreichen alten Völkern, welche es im Guß und in der Ziselierung der Bronze zu bedeutender Fertigkeit gebracht hatten, keinerlei Eisenarbeiten, und Assyrer, Ägypter und Römer scheinen das Eisen nur da angewandt zu haben, wo Bronze nicht hinreichende Festigkeit gewährte: man findet Lanzenspitzen, Schwertklingen, Beile, seltener Schlüssel (s. Tafel, Fig. 1). Wurde in der christlichen Zeit die Benutzung des Eisens häufiger, so blieb es doch lange Zeit noch in der untergeordneten Stellung eines lediglich nützlichen, von der Kunst unberührten Materials. Die Kreuzfahrer lernten im Orient die Methode des Damaszierens, des Zusammenschweißens von Metallschichten verschiedener Härte, die sich an der geschliffenen Oberfläche durch verschiedene Färbung kenntlich machen und ein gewässertes Muster darstellen, sowie das Einlegen von Gold und Silber in Eisen und Bronze (Tauschieren) kennen. Doch kam die künstlerische Entwickelung der Schmiede- und Schlosserarbeit erst durch den Einfluß der gotischen Baukunst in Gang. Sie bewegte sich naturgemäß innerhalb des konstruktiven Systems und der Stilformen der Gotik. Die Kirch- und Hausthüren, aus Brettern zusammengefügt, wurden durch Eisenbänder gehalten, welche, von der Angel wie von einer Wurzel ausgehend, sich verzweigten und in Blättern oder Blumen endigten (Fig. 2 u. 9). Das Schloß wurde nach außen hin durch das Schlüsselschild (s. Schloß, S. 539, u. Fig. 4, 17, 24 der Tafel) oder durch einen größern kunstvollen Beschlag (Fig. 6, 18) charakterisiert. Dazu gesellte sich der Thürklopfer (s. d. und Fig. 3, 25), welcher namentlich in Italien eine reiche plastische Ausbildung erfuhr. Verglaste oder nicht ausgefüllte Öffnungen über den Thüren, Fenster, auch Altane, dann Vorräume, Chöre, Kapellen etc. wurden durch Gitter abgeschlossen. Die Stiegen erhielten eiserne Geländer, Türme, Wimpergen, Giebel eiserne Bekrönungen und Windfahnen. Ferner gaben Kronleuchter, Wandarme, Brunnenhäuser, Schränke, Truhen u. dgl. den Handwerkern, namentlich in Deutschland, Gelegenheit, ihre Kunstfertigkeit zu beweisen. Das Eisen wurde in die zierlichsten Formen geschnitten, auch mit eingeschlagenem Linienornament oder aufgetriebenen Buckeln geschmückt, Beschlagarbeit gern durchbrochen und mit rot oder blau gefärbtem Papier unterlegt, feinere durch Verzinnen, gröbere durch roten Anstrich gegen das Rosten geschützt. Die Renaissance brachte ihre Formensprache auch auf diesem Gebiet zur Herrschaft, welches gleichzeitig eine Erweiterung durch die Einführung der Plattenharnische erfuhr. Die Plattner von Augsburg, Mailand u. a. O. belebten die großen Flächen der Harnische mittels Tauschierung oder durch Ätzung, welche die Zeichnung glänzend stehen läßt, den Grund schwarz färbt; dieselben Verzierungsweisen übertrugen sich auf Waffen und auf Mobiliar, namentlich Truhen, Kassetten, kunstreiche Schlösser, welche nicht bloß auf der äußern, sondern auch auf der innern Seite durch Ätzung verziert wurden. Die monumentalen Werke des 15. und 16. Jahrh. zeigen den ganzen Phantasiereichtum jener Periode und die absolute Beherrschung des Stoffes, die beide in übertreibender Weise auch die Barockzeit charakterisieren, welche in einer überreichen Ornamentation das Metall bisweilen zu Leistungen zwingt, die dessen Wesen widersprechen (Fig. 5, 8, 10, 14, 15 u. 22). Meisterwerke der Kunst im kleinen sind die Schlüssel mit durchbrochener Arbeit (Fig. 7, 13, 16 u. 20).

Der eigentliche Boden für die künstlerische Eisenarbeit blieb Deutschland, doch breitete sich dieselbe über alle Länder des Nordens aus; weniger Neigung für dieselbe zeigte Italien, wo außer den berühmten Fackelhaltern und Laternen des Palazzo Strozzi in Florenz von Niccolò Grosso (15. Jahrh., Fig. 19) und den zierlichen Kaminständern, Dreifüßen u. dgl. venezianischer Arbeit und aus dem 17. Jahrh. wenig Hervorragendes gemacht worden ist. Der gänzliche Verfall der Schmiede- und Schlosserkunst begann mit der Zeit des ersten Napoleonischen Kaiserreichs und zeigte sich in dem Verkleiden und Übertünchen des Eisenwerks an Thüren, Möbeln etc. wie im Überhandnehmen der Gußarbeit. Aus der Blütezeit der Schmiedekunst sind noch folgende Werke hervorzuheben: die romanischen Thürbeschläge von Notre Dame zu Paris (Ende des 12. Jahrh., Boiscornut zugeschrieben), der Brunnen vor dem Dom zu Antwerpen (1470, dem Maler Quintin Massys zugeschrieben), der Kronleuchter der Kirche zu Vreden in Westfalen (1489 von Gert Bulsinck daselbst), der eiserne Stuhl, welchen die Stadt Augsburg dem Kaiser Rudolf II. verehrte, jetzt in England (1574 von Thomas Rückers in Augsburg), das Gitter des Schönen Brunnens in Nürnberg (1586 von Paul Köhn daselbst), in Eisen geschnittene Figuren in den Museen zu München, Berlin, Kopenhagen etc. von Gottfr. Leygebe (1630-83), die Gitter der Schlösser Belvedere in Wien und Schloßhof bei Preßburg, die Gitter der Place Royale zu Nancy (1760 von Lamour daselbst) und des Schlosses zu Würzburg.

Wie dem Niedergang der Schmiedekunst von Frankreich Vorschub geleistet worden ist, so hat auch dort seit dem Beginn der 60er Jahre der Aufschwung begonnen. Insbesondere hatte der Architekt Pfnorr die Aufmerksamkeit der Werkstätten für Eisenkonstruktion auf die Muster der Gotik, der Renaissance und des 17. Jahrh. gelenkt. Die Portale der Cours d'honneur vor den französischen Hotels, die Gitter der