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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Schottland

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Schottland (Geschichte 1390-1560).

Regierung Krieg mit England. Sein Nachfolger war sein Sohn Robert III., welcher, schwach an Körper und von friedlicher Gesinnung, die Sorge für die Regierung seinem jüngern Bruder, dem spätern Herzog von Albany, überließ. Weil dieser den Kronprinzen, den Herzog von Rothsay, welcher einen schlechten Lebenswandel führte, gefangen gesetzt und wahrscheinlich in der Gefangenschaft umgebracht hatte (1402), schickte der König 1405 seinen jüngern Sohn, Jakob, der Sicherheit halber nach Frankreich. Allein derselbe fiel unterwegs in die Hände der Engländer, welche ihn in Gewahrsam nahmen. Der Gram über das Unglück seiner Kinder brachte Robert III. 1406 ins Grab. Albany übernahm nun die Regentschaft für den gefangenen Jakob I., that jedoch nichts für die Freilassung desselben, sondern schien vielmehr mit England in geheimem Einverständnis zu sein. Nach seinem Tod 1419 übernahm sein schwacher Sohn Murdac die Regierung, und dieser wirkte 1424 die Befreiung des legitimen Königs aus. Jakob I. (1424 bis 1437) war ein gebildeter und charakterfester Mann, der in den verwilderten Hochlanden die Ordnung herstellte, die Verwaltung nach englischem Muster ordnete, viele während der vergangenen Wirren von den Großen usurpierte Krongüter wieder an sich brachte und durch sorgsame Pflege der 1410 gegründeten Universität Aberdeen wissenschaftlicher Bildung Bahn zu brechen sowie durch weise Gesetze und Begünstigung der Städte die gewerbliche Thätigkeit zu heben suchte. Gleichwohl räumten ihn Verschworne, welche durch Entziehung von Krongütern beleidigt worden waren, 21. Febr. 1437 aus dem Weg. Sein Sohn Jakob II. (1437-60) zählte erst sechs Jahre, daher führten statt seiner Sir Alexander Livingston und der Kanzler William Crichton die Regierung. Dieselben vernachlässigten die Verwaltung des Landes, indem sie einander befehdeten. Erst durch die anschwellende Macht des Hauses Douglas (s. d.), das mächtiger war als die Könige selbst, wurden sie zur Eintracht gezwungen, und es gelang nun die Vernichtung der übermächtigen Vasallen. Jakob II. kam 1460 bei der Belagerung des seit der Schlacht von Nevil's Croß in den Händen der Engländer befindlichen Schlosses Roxburgh um. Da sein Sohn Jakob III. (1460-88) erst acht Jahre alt war, gewannen die übermütigen Großen im Land wieder freies Spiel, und auch nachdem der König großjährig geworden war, dauerten die Kämpfe mit ihnen, deren Führung zeitweise die Brüder Jakobs, der Graf von Mar und der Herzog von Albany, übernahmen, welch letzterer sich sogar zum König aufwarf, fort; in diesen Kämpfen wurde Jakob 18. Juni 1488 bei Stirling geschlagen und auf der Flucht ermordet. Sein Sohn und Nachfolger Jakob IV. (1488-1513) liebte Glanz und ritterlichen Prunk und gewann den Adel durch Nachgiebigkeit und Freigebigkeit wieder für sich. 1496 begann er Krieg mit England, indem er dem Prätendenten Perkin Warbeck seine Unterstützung angedeihen ließ, schloß aber 1499 zu Stirling Frieden und vermählte sich 1503 mit Heinrichs VII. Tochter Margarete. Trotzdem entzweite er sich nach seines Schwagers Heinrich VIII. Thronbesteigung mit diesem, verband sich 1513 mit Frankreich, fiel in Northumberland ein, wurde aber in der Schlacht bei Flodden 9. Sept. 1513 mit der Blüte seines Adels erschlagen. Für seinen zweijährigen Sohn Jakob V. (1513-42) führte dessen Mutter Margarete die Regentschaft. Sie machte mit England Frieden, vermählte sich 1514 mit Douglas, Grafen von Angus, und übergab ihm die Verwaltung des Reichs. Diese Heirat bewirkte einen Aufstand des auf Angus eifersüchtigen Adels, infolgedessen der Herzog Johann von Albany, Neffe Jakobs III., aus Frankreich, wo er in der Verbannung lebte, zurückberufen und zum Regenten erhoben wurde, während Margarete nach England fliehen mußte. Indes auch Albany vermochte sich nicht zu behaupten; neue und heftige innere Kämpfe folgten und erreichten erst 1528 ihr Ende, als Jakob V. selbst die Regierung übernahm und die Macht der jüngern Linie der Douglas, deren Haupt Angus war, völlig brach. Nach seiner Thronbesteigung ließ es Jakob V. seine angelegentlichste Sorge sein, den Adel zu zügeln; als die Reformation in S., wo der Klerus sehr reich, aber auch roh und übermütig war, bei dem Adel und der Bürgerschaft mehr und mehr Anhang fand, trat er ihr nicht feindlich gegenüber, ohne sich indes derselben offen anzuschließen. Nach dem Tod seiner ersten Gattin, einer Tochter Franz' I. von Frankreich, vermählte sich Jakob 1537 mit Maria von Guise, einer nahen Anverwandten des französischen Königshauses. Sehr bald kam es infolge dieser Verbindung zwischen England und S. zu offenen Feindseligkeiten. Ein Einfall nach England, den Jakob 1542 unternahm, schlug infolge der schmählichen Flucht seines Heers bei Solway Moss fehl; Jakob fiel deshalb in Tiefsinn und starb noch in demselben Jahr.

Jakob V. hinterließ das Reich in einem Zustand großer Verwirrung seiner kaum gebornen Tochter Maria Stuart; die Regentschaft führte Jakob Hamilton, Graf von Arran, neben welchem der Kardinal David Beaton bis zu seiner Ermordung 1546 großen Einfluß auf die Regierung ausübte. Arran ließ sich anfangs von Heinrich VIII. dafür gewinnen, die junge Königin an den Prinzen von Wales zu verheiraten; als Heinrich aber Maria Stuart in seine Hände nach England geliefert haben wollte, wurde der Plan rückgängig, und der Reichsverweser trat auf die Seite der England feindseligen Partei. Infolgedessen brach ein Krieg mit England aus, in welchem der Regent 1544 bei Ancram-Moor einen Sieg errang. Nach Heinrichs VIII. Tod nahm der englische Reichsverweser Somerset seine Pläne wieder auf, überzog S. mit Krieg und schlug 10. Sept. 1547 die Schotten bei Pinkey. Doch wußte die Königin-Mutter, Maria von Guise, seinen Plan zu vereiteln, indem sie ihre Tochter erst in festen Plätzen verborgen hielt, dann nach Frankreich brachte, wo sie mit dem ältesten Sohn Heinrichs II., dem nachmaligen König Franz II., verlobt und 1558 vermählt ward. Nachdem Arran 1554 die Regentschaft niedergelegt hatte, trat die Königin-Mutter an seine Stelle. Diese glaubte hinlängliche Macht zu besitzen, um gegen den durch die feurigen Predigten des calvinischen Reformator John Knox (s. d.) weitverbreiteten Protestantismus einzuschreiten. Mit Hilfe des Grafen Arran und des Erzbischofs von St. Andrews brachte sie die Ketzergesetze wieder zur Geltung und setzte ein Glaubensgericht zur Bestrafung der abgefallenen Geistlichen ein. Der protestantische Adel, dadurch verletzt und durch die Verurteilung der reformierten Prediger von Perth noch mehr erbittert, griff 1559 zu den Waffen, und es kam zu einem längern Kampf mit den Lords, welche die Regentin nicht länger anerkannten und von Elisabeth von England unterstützt wurden, während französische Hilfstruppen das Heer der Regentin verstärkten. Während dieser Unruhen starb Maria von Guise 14. Juni 1560. Die Königin und ihr Gemahl schickten darauf Kommissare zum Zweck gütlicher Verhandlungen nach S., und die streitenden Teile