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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Schurlemurle - Schußspule.

Schurlemurle, s. Markise.

Schürmann, Anna Maria von, gelehrte Schwärmerin, geb. 5. Nov. 1607 zu Köln, sprach und schrieb sieben Sprachen und hatte selbst im Hebräischen und Chaldäischen ungewöhnliche Kenntnisse. Auch war sie in der Malerei, Holzschneiderei und Kupferstechkunst erfahren und eine Virtuosin in der Musik. Erst 1666 lernte sie Labadie (s. d.) kennen, dem sie als treue Anhängerin bis nach Altona folgte; sie starb, kurz nach Vollendung ihrer "Eukleria", 4. Mai 1678 in Wieuwerd. Ihr Leben beschrieben Schotel (Herzogenbusch 1853, 2 Tle.) und Tschackert (Gotha 1876).

Schurwald (Schlichterwald), waldiger Höhenzug in Württemberg, zwischen Rems- und Filsthal östlich von Kannstatt, erreicht im Kappelberg 468 m Höhe.

Schurz, Karl, amerikan. Staatsmann, geb. 2. März 1829 zu Liblar bei Köln, studierte seit 1847 in Bonn Philologie und Geschichte, schloß sich hier eng an Kinkel an, nahm im Frühling 1849 an dem Sturm auf das Siegburger Zeughaus teil und begab sich dann nach Baden in die Reihe der Aufständischen. In Rastatt gefangen genommen, floh er in die Schweiz, begab sich aber im Sommer 1850 heimlich nach Berlin und befreite im November Kinkel aus seinem Gefängnis in Spandau. Hierauf ging er 1852 nach Amerika, wo er sich anfangs in Philadelphia, 1855 zu Watertown im Staat Wisconsin niederließ. Er war bald einer der einflußreichsten Führer der in raschem Emporkommen begriffenen republikanischen Partei und trug zu deren Sieg bei den Wahlen von 1860 sehr viel bei; daher ernannte ihn Lincoln bei seinem Amtsantritt zum Gesandten in Spanien. S. kehrte jedoch schon Anfang 1862 nach Amerika zurück, um in das Unionsheer einzutreten. Unter Sigels Führung diente er als General und zeichnete sich in der zweiten Schlacht bei Bull-Run, bei Chancellorsville, bei Gettysburg und in verschiedenen andern Treffen aus. Später kämpfte er unter Hooker in Tennessee und führte bis zum Ende des Kriegs eine Division. Hierauf gründete er zu Detroit in Michigan ein neues republikanisches Blatt, die "Detroit Post". 1867 ließ er sich in St. Louis nieder, wo er Miteigentümer und Redakteur der "Westlichen Post" wurde. 1868 von Missouri zum Senator gewählt, gehörte er nebst Sumner zu den unabhängigen Mitgliedern der republikanischen Partei und trat namentlich mit großem Mut gegen die überhandnehmende Korruption unter Grants Präsidentschaft auf. 1875 versuchte er, aus den reinen und gemäßigten Elementen der Demokraten und Republikaner eine neue, die sogen. Reformpartei (Mugwungs) zu bilden, gab aber den Versuch noch vor der neuen Präsidentenwahl 1876 auf. Als Minister des Innern (1877-81) bewährte S. seine Tüchtigkeit und seine redliche Gesinnung sowohl durch die rasche Beendigung der Wirren in den Südstaaten als durch eine kluge, geschickte Lösung der Indianerfrage. Er ist jetzt Vertreter der Hamburg-Amerikanischen Paketfahrt-Aktiengesellschaft in New York. Zwölf seiner vornehmsten politischen Reden in englischer Sprache hat er herausgegeben unter dem Titel: "Speeches of Carl S." (Philad. 1865); auch schrieb er das "Life of Henry Clay" (Bost. 1885, 2 Bde.).

Schürze, in der Jägersprache die langen herabhängenden Haare an dem weiblichen Gliede des Elch-, Rot-, Dam- und Rehwildes.

Schuscha, Kreisstadt im russ. Gouvernement Jelissawetpol in Kaukasien, 1179 m ü. M., am Kagar-Tschai, mit einer Festung auf hohem Felsen und (1881) 39,000 Einw., welche starken Pferdehandel und Weberei von groben Seidenstoffen und schönen, starken Teppichen betreiben. Die Citadelle (Penahabad) war früher Sitz der Regierung des Chanats Karabagh.

Schuschter (bei Plinius Sostra), sehr verfallene Stadt in der pers. Provinz Chusistan, am Austritt des Karun aus den Bergen, hat eine hoch gelegene Burg (Salafîl), 27 Moscheen (darunter die imposante Masdsched i Dschuma'a) und 15-20,000 Einw. Die Umgegend ist sehr fruchtbar und von gesundem Klima. In den Sandsteinbergen im N. haben sich viele "Dachme" (Terrassen zur Aussetzung von Leichen) der Gebern erhalten. Der Handel ist sehr unbedeutend.

Schusélka, Franz, namhafter Publizist, geb. 15. Aug. 1811 zu Budweis in Böhmen, studierte zu Wien die Rechte, arbeitete erst als Praktikant bei dem dortigen Kriminalsenat, wurde Privatlehrer und 1839 Journalist. Infolge eines Konflikts mit der Zensur siedelte er nach Weimar und von da nach Jena über, wo er mehrere politische Broschüren, z. B.: "Deutsche Worte eines Österreichers" (1841), "Ist Österreich deutsch?" (Leipz. 1843), "Österreich und Ungarn" (das. 1843), veröffentlichte. Im November 1845 trat er zur deutschkatholischen Gemeinde über, deren Sache er in der Schrift "Die neue Kirche und die alte Politik" (2. Aufl., Leipz. 1846) verteidigte. Wegen seines Werkes "Der Jesuitenkrieg gegen Österreich und Deutschland" (Leipz. 1845) von der österreichischen Regierung mit neuer polizeilicher Verfolgung bedroht, wandte er sich im Februar 1846 nach Hamburg und schrieb hier unter anderm "Österreichische Vor- und Rückschritte" (Hamb. 1847). Die Märzbewegung von 1848 führte ihn nach Wien zurück und begeisterte ihn zu der Schrift "Österreich über alles, wenn es nur will". Von der Aula wurde er ins Vorparlament, zu Frankfurt in den Fünfzigerausschuß und von Klosterneuburg in das deutsche Parlament gewählt, wo er sich zur Linken hielt, aber 17. Aug. seinen Austritt erklärte, um in den österreichischen Reichstag eintreten zu können. Nach dem Einrücken der Russen in Ungarn veröffentlichte er die Broschüre "Deutsch oder Russisch?" (2. Aufl., Wien 1849). 1850 ward er aus Wien auf sein Landhaus zu Gainfarm verwiesen, wo er zwei Jahre zurückgezogen lebte und zur evangelischen Kirche übertrat. Später begab er sich nach Dresden. 1861 ward er ins Abgeordnetenhaus des österreichischen Reichsrats gewählt, dem er bis 1867 angehörte. 1862 gründete er die "Reform", eine liberale politische Zeitschrift. Er starb 2. Sept. 1886 in Heiligenkreuz bei Baden (Österreich). Seit 1849 war er mit der Schauspielerin Ida S.-Brüning (geborne Wohlbrück), geb. 15. Jan. 1818 zu Königsberg, vermählt.

Schüsselflechte, s. v. w. Lecanora und Parmelia.

Schüsseln, die Ohren des Rot-, Dam- u. Elchwildes.

Schussen, Fluß im württemberg. Donaukreis, entspringt bei Schussenried, fließt nach Süden, nimmt die Steinach, die Wolfegger Ach und die Schwarzach auf und mündet in den Bodensee; 50 km lang.

Schussenried, Flecken im württemberg. Donaukreis, Oberamt Waldsee, an der Schussen u. der Linie Bretten-Friedrichshafen der Württembergischen Staatsbahn, hat eine evangelische und eine kath. Kirche, ein Schloß (ehemalige Prämonstratenserabtei) mit Staatsirrenanstalt, ein großes königliches Hüttenwerk (Wilhelmshütte), Torfgräberei, Streu- und Mullfabrikation und (1885) 2651 Einw. In der Nähe der Federsee mit großen Pfahlbauten. Vgl. Frank, Die Pfahlbaustation S. (Lindau 1877).

Schusserbaum, s. Gymnocladus.

Schußfaden, s. v. w. Einschuß, s. Weben.

Schußfraktur, s. Schußwunden.

Schußspule, in der Weberei die das Schußgarn