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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Schützen; Schützenabzeichen; Schützenberger; Schützenfeste; Schützengesellschaften

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Schützen - Schützengesellschaften.

wie der Boden und auf der Unterseite hell gefärbt, so daß sie den über und unter ihnen fliegenden oder schwimmenden Räubern gleich schwer erkennbar sind. Einige Tiere bedecken den Rücken mit Schmutz, Algen, Meerschwämmen und Korallenpolypen etc., um sich unkenntlich zu machen (s. Maskieren). Manche Krebsarten, Kopffüßer, Fische, Amphibien und Reptilien (Chamäleon) vermögen durch Zusammenziehung oder Ausdehnung sternförmiger, mit flüssigen Pigmenten gefüllter Zellen, die dicht unter der durchscheinenden Haut liegen, sich ihrer jeweiligen Umgebung durch hellere oder dunklere Färbung ähnlich zu machen. Diese sogen. chromatische Funktion wird durch den auf die Augen wirkenden Helligkeitsreiz in Bewegung gesetzt, und derartige Fische färben sich nach einseitiger Blendung auf der entsprechenden (entgegengesetzten) Körperhälfte dauernd dunkel. Auch viele Schmetterlingspuppen und Kokons sollen nach neuern Untersuchungen die allgemeine Färbung ihrer Umgebung erhalten. Manche Tiere entfalten besondere Schreckzeichnungen, wie gewisse Nachtschmetterlinge mit lebhaft gezeichneten und gefärbten Unterflügeln, die bei Tage nur bei plötzlicher Aufstörung sichtbar werden und von andern als Ablenkungsfarben, welche die Bisse der Insektenfresser nach ungefährlichen Stellen ableiten, gedeutet werden. Andre, wie die Raupen des kleinen und großen Weinvogels, des Buchenspinners u. a., nehmen eine sogen. Schreckstellung an. Eine sehr merkwürdige, in vielen Tierklassen verbreitete Schutzeinrichtung besteht in dem automatischen Fahrenlassen gefährdeter Gliedmaßen (sogen. Selbstverstümmelung), wie der Beine bei Krebstieren und Spinnen, der Arme bei den Seesternen, des Schwanzes bei den Eidechsen und ganzer Leibesstücke bei den Holothurien, Seeschnecken und manchen Würmern. Diese Selbstverstümmelung kommt nur bei solchen Tieren vor, denen die abgestoßenen Teile durch sogen. Regeneration leicht wieder wachsen, und das Abwerfen erfolgt vielfach an einer ganz bestimmten Stelle durch eine vom Wissen und Wollen des Tiers unabhängige, durch allerlei Reize in Thätigkeit versetzte reflektorische Muskelspannung. Sehr merkwürdig sind ferner die Schutz- und Trutzbündnisse mit Tieren, die sich einer gefürchteten Schutzwaffe erfreuen und die gegen Verabreichung von Wohnung und Nahrung Pflanzen und Tieren als Schutzwachen dienen (s. Symbiose). Alle diese S. werden von der neuern Weltanschauung als Züchtungsergebnisse der natürlichen Auslese betrachtet, welche von gewissen Gattungen nur diejenigen Arten am Leben ließ, welche sich durch derartige Abänderungen der Gestalt, Färbung, Zeichnung, Lebensweise etc. behaupten konnten (s. Darwinismus, S. 566).

Schützen, militärisch s. v. w. Jäger (s. d.), früher Truppen mehrerer deutscher Kleinstaaten; jetzt führen nur noch ein Bataillon der preußischen Garde und das sächsische Regiment Nr. 108 den Namen S. Ferner spricht man von S. (Schützenlinien) als der Gesamtheit der in aufgelöster Ordnung kämpfenden Mannschaften der Infanterie; Schützengruppen sind die von einem Unteroffizier geführten Abteilungen einer Schützenlinie.

Schützenabzeichen, schmale schwarzweiße Bandborten auf der Ärmelpatte oder über dem Ärmelaufschlag, können den zwölf besten Schützen der Unteroffiziere eines Infanterie-, Jäger-, Schützen- oder Pionierbataillons, bei der Artillerie einem Unteroffizier pro Batterie und Kompanie verliehen werden.

Schützenberger, Paul, Chemiker, geb. 1827 zu Straßburg, studierte daselbst Medizin, promovierte 1851, wurde Assistent am chemischen Laboratorium des Conservatoire des arts et métiers, Professor an der höhern Schule in Mülhausen, Vizedirektor des Laboratoriums der Fakultät der Wissenschaften in Paris, Chef der chemischen Arbeiten am Collège de France und 1876 Professor der Chemie an demselben Institut. S. lieferte besonders Beiträge zur organischen Chemie und bearbeitete speziell die Alkaloide und die Farbstoffe. Er schrieb: "Chimie appliquée à la physiologie animale et au diagnostic médical" (Par. 1864); "Des matières colorantes" (1866, 2 Bde.; deutsch: "Die Farbstoffe", Berl. 1868, 2 Bde.); "Les fermentations" (1875; deutsch: "Die Gärungserscheinungen", Leipz. 1876); "Traité de chimie générale" (1879-87, 5 Bde.).

Schützenfeste, s. Schützengesellschaften.

Schützengesellschaften (Schützengilden), Vereine von Bürgern, welche Übung in der Handhabung der Waffen, namentlich des Schießgewehrs, bezwecken, der letzte Rest der alten Waffenfähigkeit, die einst dem deutschen Bürger wie als Recht so auch als Pflicht zustand und mit der Machtentwickelung der Städte aufs engste zusammenhing. Während die patrizischen Geschlechter Waffen und Rüstung der Ritter annahmen, wählten die übrigen, nach Zünften oder Stadtvierteln geordneten Bürger andre Waffen, vornehmlich Bogen und Armbrust (s. d.), und zur Übung in wirksamer Führung derselben bildeten sich Schützenvereine in der damals üblichen Form von Gilden. Dieselben hatten Schützenhäuser und Schießbahnen, eine durch Beiträge und Vermächtnisse gegründete und unterhaltene Vereinskasse und hielten jährlich Schützenfeste ab, welche für die Bürger bald dieselbe Bedeutung wie die Turniere für die Ritter gewannen. Die Glanzzeit dieser Feste fällt in das 15. und 16. Jahrh. und dauerte noch bis ins 18. hinein, sie dienten den Städten zur Schließung oder Befestigung von Bündnissen und erhielten dadurch auch eine politische Bedeutung. Jede Schützengesellschaft wählte aus ihrer Mitte einen Hauptmann und Schützenmeister, einen Kleinodienmeister und einen Pritschenmeister. Die beiden erstern wurden jährlich durchs Los bestimmt, zum Pritschenmeister gehörte Humor und Witz, der Schützenkönig verdankte seine Würde seiner Geschicklichkeit. Die meisten S. besaßen ein silbernes Bild ihres Schutzpatrons, des heil. Sebastian, an welchem die Pfeile zu Haltern der silbernen Schilde mit den Wappen der Könige, Schützen- und Kleinodienmeister dienten, und das der Kleinodienmeister nebst den Festpokale in Verwahrung hatte. Die Fahne blieb beim Hauptmann, und der Pritschenmeister, der seinen Namen von seiner Pritsche, einem klatschenden Kolben von Holz oder Messing, hatte, war der Lustigmacher der Gesellschaft, ahndete mit Pritschenschlägen die Ungebühr und Ungeschicklichkeit einzelner Schützen, verspottete Fehlschüsse und hielt die Zuschauer in Ordnung. Nach ihm hieß der letzte Schuß Pritschenschuß. Jede Gesellschaft hatte ihre Rechte und Freiheiten sowie ihre geschriebenen und von dem Magistrat oder Landesfürsten bestätigten Statuten, welche nicht nur das Verhalten beim Schießen, sondern auch das äußere und moralische Betragen der Schützen regelten. Von dem Glanz der niederländischen Schützenfeste im 15.-17. Jahrh. legen die großen Paradebilder von Rembrandt, Hals, Helst etc. lebendiges Zeugnis ab. Mit dem Aufhören ihres ursprünglichen Zwecks verloren die S. nach und nach ihre Bedeutung und sanken zu bloßen Vergnügungsgesellschaften