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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Sejanus - Sektion.

deutenden Zuwachs, und eine weite Strecke unterhalb des Vereinigungspunktes lassen sich noch beide Farben deutlich wahrnehmen.

Sejānus, Lucius Älius, der allmächtige Günstling des röm. Kaisers Tiberius, welcher als Befehlshaber der Prätorianer (praefectus praetorio), teils auf das unbeschränkte Vertrauen des Kaisers, teils auf die Prätorianer gestützt, die er 23 n. Chr. in einem ständigen Lager in der Stadt vereinigte, eine Zeitlang fast ausschließlich die Geschicke Roms lenkte. Er ließ, um sich den Weg zum Thron zu bahnen, 23 den Sohn des Kaisers, Drusus, durch dessen von ihm verführte Gemahlin Livia vergiften und räumte auch des Germanicus Gemahlin Agrippina wie dessen Söhne Nero und Drusus aus dem Weg. Um sich seines Einflusses auf den Kaiser desto mehr zu versichern, hatte er ihn 26 bewogen, sich auf die Insel Capreä (Capri) zurückzuziehen; gleichwohl erhielt derselbe von einer durch S. angezettelten Verschwörung Kenntnis und ließ ihn daher 31 nebst seiner ganzen Familie und einer großen Anzahl andrer, welche der Mitschuld bezichtigt wurden, hinrichten. Vgl. Jülg, Vita Lucii Aelii Sejani (Innsbr. 1882).

Sejm, der poln. Reichstag, s. Polen, S. 172.

Séjour (franz., spr. ssēchuhr), Aufenthalt.

Séjour (spr. ssēchuhr), Victor, franz. Dramatiker, geb. 1816 zu Paris, mulattischer Abkunft, wandte sich nach einzelnen lyrischen Versuchen der Bühne zu, welche er seit 1844 mit einer Anzahl von Stücken großen Stils in Versen und Prosa versorgte. Ihr Charakter ist ein hochromantischer und verlangt szenischen Aufwand. Hervorzuheben sind: "La chute de Séjan" (1849), "Richard III" (1852), "L'argent du diable" (1854), "Les noces vénitiennes" (1855), "Le fils de la nuit", ein Kassenstück der Boulevardbühnen (1857), "André Gérard" (1857), "Les grands vassaux" (1859), "Les mystères du Temple" (1861), "Les fils de Charles-Quint" (1864), "La Madone des roses" (1868) u. a. S. starb 20. Sept. 1874.

Sejunktion (lat.), Absonderung, Trennung.

Sekante (lat.), in der Geometrie eine gerade Linie, welche eine krumme Linie in zwei oder mehr Punkten schneidet; in der Trigonometrie (s. d.) der reciproke Wert des Kosinus. Sekantenkoeffizienten, s. Eulersche Zahlen.

Sekel (Siclus, hebr. Schekel), althebr. Gewicht, besonders für edle Metalle, auch als eine Art von Rechnungsmünze dienend, aber seinem Wert nach schwer zu bestimmen, als Münze erst von dem jüdischen Fürsten Simon seit 143 v. Chr. ausgeprägt, im Gewicht von etwa 13,7 g. Das Gepräge der S. ist: Becher und Lilienzweig, die Umschrift in althebräischer Schrift bedeutet: "S. Israels, Jahr 1 (oder 2 bis 5)" und "Jerusalem die heilige" (s. Tafel "Münzen des Altertums", Fig. 10). Auch halbe S. prägte Simon. Die spätern Makkabäer prägten nur Kupfer, der mächtige Rebell Simon (Bar-Kochba), unter Hadrian, prägte wieder große und kleine Silbermünzen ohne Wertbezeichnung mit mannigfachen Typen: Tempel, Zweigbündel (Lulab) und Frucht (Ethrog), Traube, Gefäß, Palmzweig etc. Alle angeblich jüdischen Münzen mit Quadratschrift sind moderne Machwerke. Vgl. Cavedoni, Biblische Numismatik (Hannover 1855), die Untersuchungen von de Saulcy, Madden ("Coins of the Jews", Lond. 1881), Merzbacher u. a., die übrigens in den chronologischen Bestimmungen vielfach voneinander abweichen.

Sekkatūr (ital., von secco, "trocken"), langweilige Unterhaltung; Belästigung, Plackerei; sekkieren, auftrocknen; langweilen; beschwerlich fallen.

Sekondeleutnant (franz., amtliche Schreibweise Second-Lieutenant), s. Leutnant.

Sekrēt (lat.), Geheimsiegel; geheime, streng vertrauliche Mitteilung, geheimes Gemach; in der Botanik und Physiologie s. v. w. Absonderung (s. d. und Drüsen).

Sekretär (mittellat.), Geheimschreiber, dann überhaupt Schreiber oder Schriftführer; auch s. v. w. Schreibschrank oder Schreibtisch. Sekretariat, das Amt eines Sekretärs.

Sekretär, Vogel, s. v. w. Stelzengeier.

Sekretarĭum (lat.), ein geheimer, abgesonderter Ort; in den Kirchen Ort, wo die Bischöfe sich mit den Geistlichen über Dienstverrichtungen besprachen, die Kostbarkeiten der Kirche lagen etc.

Sekretion (lat.), in der Botanik und Physiologie s. v. w. Absonderung (s. d.); in der Geologie Bezeichnung für Mineralanhäufungen, die sich durch Infiltration in schon vorhandenen Spalten oder Blasenräumen bilden (s. Mandelstein).

Sekrētschläuche, s. Harzschläuche.

Sekt (im 16. Jahrh. Sek, vom span. vino seco), Trockenbeerwein, aus Trauben bereitet, welche man nach der Reife so lange hängen läßt, bis Sonne und Luft den Wassergehalt der Beeren etwa auf die Hälfte vermindert haben. Man rechnet dahin den Jeres, Peralta, Malagawein und den Kanariensekt, Weine, die sich durch hohen Zucker- u. Alkoholgehalt auszeichnen. In Norddeutschland jetzt auch s. v. w. Champagner.

Sekte (lat.), s. v. w. Partei, ursprünglich von den philosophischen Schulen gebraucht, im gegenwärtigen Sprachgebrauch vorzugsweise eine religiöse Partei, welche sich wegen abweichender Meinungen von der herrschenden Kirche trennt. Die Anhänger einer S. heißen Sektierer; daher Sektiererei, das Bestreben, Trennung in Sachen der Religion hervorzurufen. Die meisten und interessantesten Sekten weist die russische Kirche (s. d.) auf. In Deutschland ist vor allem Württemberg das Land der Sekten. Über die Sekten Englands und Nordamerikas s. die betr. Artikel: Baptisten, Darbysten, Heilsarmee, Independenten, Irvingianer, Methodisten, Mormonen, Quäker, Rapp, Schwenkfeld, Shakers, Swedenborg, Unitarier etc. Vgl. Palmer, Die Gemeinschaften und Sekten Württembergs (Stuttg. 1877); Blunt, Dictionary of sects, heresies etc. (neue Ausg., Lond. 1886); Dresbach, Die protestantischen Sekten der Gegenwart (Barm. 1887).

Sektion (lat.), Abteilung, Unterabteilung für einen bestimmten Zweck bei Behörden, Versammlungen, daher Sektionschef in Österreich der Direktor einer Ministerialabteilung; auch bei Sammlungen, Karten etc.; militärisch besonders Abteilung eines Zugs, z. B. im deutschen Heer 4-6 Rotten stark, Marschformation der Fußtruppen.

Sektion (lat. Leichenöffnung), die kunstgerechte anatomische Untersuchung eines Verstorbenen, sei es zur Feststellung der unmittelbaren Todesursache für Zwecke der Justiz (gerichtliche S.) oder aus wissenschaftlichen Motiven zur sichern Feststellung des Gesamtleidens eines Kranken. Die S. ist in den meisten Hospitälern obligatorisch, und es sind zu diesem Zweck eigne Ärzte, Prosektoren, angestellt; auch in der Privatpraxis wird bereits vielfach sowohl im Interesse der Hinterbliebenen als auch der behandelnden Ärzte die S. ausgeführt. Die öffentliche Gesundheitspflege arbeitet zur Zeit daran, die Untersuchung des Kadavers in allen Fällen obligatorisch zu machen. Da die meisten wichtigen Erkrankungen ihren Sitz in den innern Organen haben, so handelt