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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Selichot - Selk.

"selbst gemachter Mann", d. h. einer, der sich durch eigne Kraft aus niedriger Stellung emporgearbeitet hat.

Selichot (hebr.), Name für die von den Israeliten an den Bußtagen zu sprechenden Gebete um "Vergebung" der Sünden. Selichottage, die Vorbereitungstage für das jüdische Neujahrsfest.

Selig., bei naturwissenschaftl. Namen Abkürzung für Seliger, starb 1812 als Pfarrer in Wölfelsdorf in der Grafschaft Glatz (Bryolog).

Seligenstadt, Stadt in der hess. Provinz Starkenburg, Kreis Offenbach, am Main und an der Linie Frankfurt-Eberbach der Hessischen Ludwigsbahn, hat eine ehemalige Benediktinerabtei, in deren schöner restaurierter kath. Kirche (828-830 gegründet) das Grab Einhards (s. d.) und seiner Gemahlin Imma gezeigt wird, eine evang. Kirche, eine neue Synagoge, Ruinen einer alten Pfalz der Hohenstaufen (des sogen. roten Schlosses), ein Realprogymnasium, ein Amtsgericht, ein Forstamt, eine Oberförsterei, Zigarren- und Sagofabrikation, eine Braunkohlengrube und (1885) 3663 meist kath. Einwohner. Vgl. Hell, S. und seine Merkwürdigkeiten (Seligenstadt 1879).

Seligenthal, Dorf im preuß. Regierungsbezirk Kassel, Kreis Schmalkalden, an der Schmalkalde, im Thüringer Wald, hat eine evang. Kirche, Eisen- und Stahlwarenfabrikation, Holzdreherei, Glockengießerei, Spritzenbau, Orgelbauerei, eine Sägemühle, eine Eisensteingrube und (1885) 1202 Einw.

Seliger (Sseliger), See an der Grenze der russ. Gouvernements Twer und Nowgorod, von dreieckiger Form, hat 260 qkm (4,7 QM.) Flächenraum und enthält 160 Inseln, von denen die Insel Shitny ein Kloster trägt. Die Höhen des Wolchonskischen Waldes reichen an mehreren Stellen bis an den See, dessen Abfluß Selicharowka in die Wolga fällt, weshalb man den See als den Quellsee derselben bezeichnet. An seiner Südspitze liegt die Stadt Ostaschkow.

Seligkeit (v. altd. sâlîc, gut, hochbeglückt), dem Sprachgebrauch nach ein Zustand der höchsten individuellen Befriedigung und Erhebung, im kirchlichen Sprachgebrauch der allen Übeln entrückte Zustand derer, die nach dem Tod in die Gemeinschaft mit Gott aufgenommen werden.

Seligmacher, s. Heilsarmee.

Seligpreisungen, s. Makarismen.

Seligsprechung, s. Beatifikation.

Selim, Name dreier osman. Sultane: 1) S. I., mit dem Beinamen Jauz, "der Tapfere", geb. 1467, stieß 25. April 1512 mit Hilfe der Janitscharen seinen bejahrten Vater Bajesid II., welcher bald darauf an Gift starb, vom Thron, schaffte sodann noch fünf Neffen und zwei Brüder aus dem Weg und führte eine kräftige Regierung. Als fanatischer Mohammedaner hätte er gern alle Ungläubigen aus seinem Reich ausgerottet; wenigstens ließ er 40,000 Schiiten ermorden, wodurch er einen Krieg mit Persien herbeiführte. Er besiegte 1514 bei Tschaldiran den Schah von Persien, eroberte Kurdistan und Mesopotamien, 1516 Syrien, 1517 Ägypten, wo er die Macht der Mamelucken brach, und unterwarf Mekka der Pforte, worauf er, als Schirmherr der heiligen Orte anerkannt, den Kalifentitel annahm, schuf in den eroberten Ländern zweckmäßige Reformen, begründete die osmanische Seemacht und hielt den Übermut der Janitscharen mit kräftiger Hand nieder. Im Begriff, den Johanniterorden auf Rhodus mit Heeresmacht zu überziehen, starb er 22. Sept. 1521 in Tschorli zwischen Konstantinopel und Adrianopel. Er war auch ein Freund der Dichter und Gelehrten. Ihm folgte sein Sohn Soliman II.

2) S. II., mit dem Beinamen Mest ("Säufer"), Enkel des vorigen, Sohn Solimans II., geb. 1524, gelangte nach seines Vaters Tod, 6. Sept. 1566, zur Herrschaft und war der erste Sultan, welcher, sich den Freuden seines Harems überlassend, dem Großwesir den Oberbefehl des Heers und die Zügel der Herrschaft überließ. Unter seiner Regierung wurde 1571 die Insel Cypern und 1573 Tunis von den Türken erobert, dagegen die Flotte bei Lepanto (7. Okt. 1571) besiegt. Er starb 12. Dez. 1574 und hatte seinen Sohn Murad II. zum Nachfolger.

3) S. III., der Sohn Mustafas III., geb. 24. Dez. 1761, stellte sich die Reform des osmanischen Reichs zur Lebensaufgabe; doch nahmen, nachdem er 7. April 1789 seinem Bruder Abd ul Hamid in der Regierung gefolgt war, auswärtige Händel und Empörungen im Innern seines Reichs seine Thätigkeit völlig in Anspruch. 1792 mußte er mit Rußland den nachteiligen Frieden von Jassy abschließen, und durch den Einfall Bonapartes in Ägypten (1798) wurde er in einen Krieg mit Frankreich verwickelt. Erst nach dem Abschluß des Friedens mit Frankreich (25. Juni 1802) konnte er an die Realisierung seiner Reformpläne denken. Er brachte unter dem Beirat des französischen Generals Sebastiani das Heer auf den europäischen Kriegsfuß, erregte aber hierdurch sowie durch andre Maßregeln neue Unzufriedenheit, namentlich bei den Janitscharen, die 29. Mai 1807, 15,000 Mann stark, in die Vorstadt Pera eindrangen und auch das Volk der Hauptstadt zur Empörung mit fortrissen. Umsonst versuchte S. durch Nachgiebigkeit die Gemüter zu versöhnen; er ward abgesetzt, und 31. Mai bestieg sein Neffe Mustafa IV., der Sohn Abd ul Hamids, den Thron. S. ward in einem Kiosk des Serails gefangen gesetzt und, als 28. Juli 1808 sein Anhänger Mustafa Bairaktar behufs seiner Wiedereinsetzung in Konstantinopel eindrang, auf Befehl Mustafas ermordet. Bairaktar stieß hierauf Mustafa vom Thron und erhob dessen Bruder Mahmud II. auf denselben. Vgl. Asim Tarichi, A history of Abd ul Hamid and S. III. (Konstant. 1867, 2 Bde.).

Selinus (Selinunt), antike Stadt im südwestlichen Sizilien, von Doriern aus Megara Hybläa um 628 v. Chr. am Flusse S. gegründet, gelangte bald zu großer Blüte, ward aber 409 von den Karthagern erobert und größtenteils zerstört, jedoch noch in demselben Jahr zum Teil wiederhergestellt, so daß es unter karthagischer Herrschaft fortbestand, bis es 249 von den Karthagern ganz vernichtet und der Rest der Einwohner nach Lilybäon verpflanzt ward. Überreste der Stadt haben sich auf zwei Hügeln, deren westlicher die Burg trug, bei Castelvetrano erhalten; sie bestehen vornehmlich in sechs großen dorischen Peripteraltempeln, welche beinahe ganz in Trümmern liegen, aber gleichwohl zu den wichtigsten Denkmälern des Altertums gehören, weil sie Vertreter der ältesten Periode des dorischen Baustils sind, deren Eigentümlichkeiten gedrungene Verhältnisse und derbe Behandlung der Einzelheiten sind. Ebenso gehören die Metopen des einen dieser Tempel (des mittlern Burgtempels) mit Reliefs aus der Herakles- und Perseusmythe (jetzt im Museum zu Palermo) zu den ältesten erhaltenen Denkmälern der griechischen Plastik (s. Bildhauerkunst, S. 937). Vgl. Hittorf und Zanth, Architecture antique de la Sicile (Par. 1870); Benndorf, Die Metopen von S. (Berl. 1873).

Selishindianer (spr. ssihlisch-), s. Flatheads.

Selk, ägypt. Göttin, eine Form der Isis, deren Attribut der Skorpion ist.