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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Seyffarth; Seyffert; Seyfried; Seym; Seymour

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Seyffarth - Seymour.

terei (Berl. 1874); "Fr. Wilh. v. S., General der Kavallerie etc." (anonym, Kassel 1881).

Seyffarth, Gustav, Archäolog, geb. 13. Juli 1796 zu Übigau in der Provinz Sachsen, studierte zu Leipzig Philologie und Theologie, habilitierte sich 1823 daselbst und wurde 1825 außerordentlicher Professor der Philosophie und 1829 Professor der Archäologie. Auf einer dreijährigen Reise (1826-29) nach Süddeutschland, Italien, Frankreich, England und Holland sammelte er mehr als 10,000 Abdrücke, Abgüsse, Durchzeichnungen und Abschriften ägyptischer Monumente und koptischer Manuskripte. 1856 wanderte er nach Amerika aus, wo er alsbald als Professor der Kirchengeschichte und Archäologie am Concordia College in St. Louis angestellt wurde. Seit 1859 privatisierte er in New York und starb 17. Nov. 1885 Daselbst. S. widmete sich vor allem der Entzifferung der hieroglyphischen Schrift der alten Ägypter; aber seine Bemühungen auf diesem Gebiet waren wenig erfolgreich, da er sich hartnäckig der Erkenntnis verschloß, daß der allein richtige Schlüssel der Hieroglyphik der durch Champollion gefundene ist. Von seinen Werken nennen wir: "Rudimenta hieroglyphices" (Leipz. 1826); "Systema astronomiae aegyptiacae" (das. 1826-33, 5 Hefte); "Unser Alphabet, ein Abbild des Tierkreises" (das. 1834); "Alphabeta genuina Aegyptiorum et Asianorum" (das. 1840); "Die Grundsätze der Mythologie und der alten Religionsgeschichte" (das. 1843); "Chronologia sacra; Untersuchungen über das Geburtsjahr Christi" (das. 1846); "Grammatica aegyptiaca" (Gotha 1855). Auch lieferte er eine Übersetzung von "Theologischen Schriften der Ägypter" (Gotha 1855). Ein Zeugnis seines Fleißes ist sein "Koptisches Wörterbuch" in 4 Foliobänden (ungedruckt in der Universitätsbibliothek zu Leipzig). Vgl. Knortz, Gustav S. (New York 1886).

Seyffert, Moritz, Schulmann und Philolog, geb. 19. März 1809 zu Wittenberg, studierte 1826-30 in Halle, besonders unter Reisig, wurde Michaelis 1830 Kollaborator am Gymnasium zu Nordhausen, 1831 Adjunkt an der lateinischen Hauptschule zu Halle und bald darauf Oberlehrer am dortigen Pädagogium. 1839 als Konrektor an das Stadtgymnasium zu Brandenburg versetzt, wurde er 1843 Professor und kam Ostern 1846 als solcher an das Joachimsthalsche Gymnasium zu Berlin. Seit 1871 in Ruhestand versetzt, starb er 8. Nov. 1872 in Potsdam. S. hat durch seine weitverbreiteten Schulbücher nach mehreren Seiten reformierend auf den Gymnasialunterricht eingewirkt. Insbesondere hat er sich um den Betrieb der lateinischen Grammatik und Stilistik hohe Verdienste erworben. Ellendts lateinische Grammatik, die er zum erstenmal in der 4. Auflage (Berl. 1855) besorgte, hat er allmählich ganz umgearbeitet (32. Aufl., von seinem Sohn M. A. Seyffert und W. Fries, das. 1888). Auch für den griechischen Unterricht hat S. treffliche Hilfsbücher geliefert. Das Studium der Dichter förderte er durch eine methodische Anleitung zur lateinischen Versifikation: "Palaestra Musarum" (Halle 1834-35, 2 Bde.; 1. Bd., 9. Aufl. 1882), und "Lesestücke aus griechischen und lateinischen Schriftstellern" (Leipz. 1853, 7. Aufl. 1884). Sonst verdanken wir ihm die "Epistola critica ad C. Halmium de Ciceronis pro Sulla et pro Sestio orationibus" (Leipz. 1848) sowie die Ausgaben von Cäsars "Commentarii de bello gallico" (Halle 1836, 3. Aufl. 1879), Ciceros "Tuskulanen" (Leipz. 1864), Sophokles' "Antigone" (Berl. 1865), "Aiax" (das. 1866) und "Philoktetes" (das. 1867). Vgl. Kießling, M. L. S. ("Zeitschrift für das deutsche Gymnasialwesen" 1872).

Seyfried, Ignaz, Ritter von, Komponist, geb. 15. Aug. 1776 zu Wien, studierte anfangs Rechtswissenschaft, wandte sich dann aber der Musik zu. Nachdem er sich schon früher unter Mozarts und Kotzeluchs Leitung zum Klavierspieler und unter Albrechtsbergers Anweisung auch in der Komposition ausgebildet hatte, ward er 1797 Kapellmeister am Theater an der Wien, zog sich 1828 ins Privatleben zurück und starb 26. Aug. 1841 in Wien. S. schrieb zahlreiche Kompositionen für die Bühne, Kammer und Kirche, die alle von seiner musikalischen Tüchtigkeit Zeugnis ablegen. Auch als musikalischer Schriftsteller leistete er Anerkennenswertes durch die Herausgabe von Albrechtsbergers musiktheoretischen Werken (Wien 1826, 3 Bde.) und Beethovens "Studien im Generalbaß und Kontrapunkt" (Hamb. 1853). - Sein Bruder Joseph, Ritter von S., geb. 1779 zu Wien, begründete 1811 daselbst die Zeitung "Der Wanderer", die er bis 1843 redigierte, wirkte auch als Theaterdichter und hat zahlreiche Operntexte übersetzt und bearbeitet; er starb 28. Juni 1849 in Wien.

Seym (Sejm), der poln. Reichstag, s. Polen, S. 172.

Seymour (spr. ssihmör), engl. Familie, soll von den Genossen der Eroberung Wilhelms von der Normandie abstammen und tritt in der Geschichte zuerst auf mit Sir John S., zu Anfang des 16. Jahrh. Sheriff von Somerset und Dorset, durch seine Tochter Jane S. 1536 Schwiegervater König Heinrichs VIII. Sein ältester Sohn, Edward, ward Herzog von Somerset (s. d.); dessen Bruder Sir Thomas S. wurde 1547 Baron S. und Großadmiral, heiratete nach Heinrichs VIII. Tode dessen Witwe Katharina Parr, zettelte später aber eine Verschwörung gegen seinen Bruder an, strebte nach der Hand der Prinzessin Elisabeth und wurde 10. März 1549 hingerichtet. Ein andrer Zweig des Geschlechts erhielt 1703 den Titel Lord Conway; von ihm stammt Henry S.-Conway, welcher 1761 die englischen Truppen unter dem Prinzen Ferdinand von Braunschweig befehligte, 1765 Staatssekretär wurde und als Feldmarschall 1795 starb. Sein Bruder Francis wurde 1750 zum Grafen und 1793 zum Marquis von Hertford ernannt; er starb 14. Juni 1794. Diesem Zweige gehören an: Francis Charles S.-Conway, dritter Marquis von Hertford, geb. 11. März 1777, Günstling König Georgs IV., gest. 1. März 1842; Richard S.-Conway, geb. 22. Febr. 1800, vierter Marquis von Hertford, gest. 24. Aug. 1870, der sich durch Kunstsinn auszeichnete, und dessen Vetter, der jetzige und fünfte Marquis von Hertford, Francis Hugh George S., geb. 11. Febr. 1812. Des letztern Vater war der berühmte Admiral Sir George Frederick S., geb. 17. Sept. 1787, der schon mit zehn Jahren in die Marine eintrat. Er ward 1804 Leutnant, 1806 bei San Domingo verwundet, zeichnete sich 1807 bis 1809 sehr aus, war 1830-37 Master of the robes Wilhelms III., ward 1841 Konter-, 1850 Vize- und 1866 Admiral und starb 20. Jan. 1870. Ein andres Glied dieses Zweigs der Familie S. ist der Diplomat Sir George Hamilton S., geb. 1797. Dieser ward 1817 britischer Gesandtschaftsattaché im Haag, 1819 Privatsekretär Lord Castlereaghs, arbeitete dann bis 1829 bei den Legationen in Frankfurt, Stuttgart, Berlin und Konstantinopel, wurde 1830 Gesandter in Florenz und 1835 in Brüssel. 1846 ging er als Gesandter nach Lissabon, 1851 nach Petersburg, wo er bis zur orientalischen Krise im Februar 1854 blieb, 1855 nach Wien, wo er 1. Febr. 1856 das Wiener Protokoll mit unterzeichnete, im April 1858 aber abberufen ward. Er starb 2. Febr. 1880.