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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Seymour - Sforza.

Seymour (spr. ssihmör), 1) Sir Michael, brit. Admiral, geb. 3. Dez. 1802, trat 1813 in die englische Marine, diente seit 1841 als Kapitän teils im Mittelländischen Meer, teils in Nordamerika und Westindien, ward 1850 zum Hafeninspektor in Sheerneß und 1851 zum Direktor der Marineinstitute in Devonport ernannt und im Februar 1854 dem Admiral Sir Charles Napier als Stabschef für die Ostseeexpedition beigegeben, auf welcher er bei Kronstadt verwundet und zum Konteradmiral befördert wurde. 1856 erhielt er den Oberbefehl über die Flottenstation in Ostindien und China, und 1863-66 führte er das Kommando der britischen Militärstation Portsmouth. 1876 wurde er zum Vizeadmiral ernannt. Von 1859 bis 1863 saß er für Devonport im Parlament.

2) Horatio, amerikan. Politiker, geb. 31. Mai 1810 zu Pompey im Staat New York, besuchte das Geneva College, dann die Universität und begann, 20 Jahre alt, die Praxis als Advokat in Utica. 1841 bis 1850 Mitglied der dortigen Legislatur, ward er 1852 zum Gouverneur von New York gewählt und bekleidete 1862 dies Amt zum zweitenmal. Obwohl zur demokratischen Partei gehörig und mit Lincolns hartnäckiger Kriegspolitik nicht einverstanden, erfüllte er doch in der Stellung von Milizen seine Pflicht. 1868 stellte ihn die demokratische Partei als Präsidentschaftskandidaten gegen Grant auf, er erlangte aber nicht die Majorität und zog sich ganz vom politischen Leben zurück. Er starb 12. Febr. 1886 auf seinem Landsitz bei Utica. Vgl. Croly, S. and Blair (New York 1868).

3) Frederick Beauchamp, brit. Admiral, s. Alcester.

Seyne, La (spr. ssähn), Stadt im franz. Departement Var, im Grunde der Reede von Toulon, 5 km von dieser Stadt gelegen, an der Eisenbahn Marseille-Toulon, hat eine großartige Schiffswerfte, welche über 2000 Arbeiter beschäftigt, einen Hafen, Fischfang und (1886) 8360 Einw.

Seyny, Kreisstadt im polnisch-russ. Gouvernement Suwalki, nordwestlich von Grodno, hat ein berühmtes Dominikanerkloster mit Wallfahrtskirche, ein Gymnasium, Leder- und Tuchfabrikation und (1885) 4969 Einw. Im Kreis eine Eisenfabrik.

Seyon (spr. ssä-ióng), jurassischer Zufluß des Neuenburger Sees, durchfließt zunächst das Val de Ruz, dessen französische und überwiegend protestantische Bewohner von Ackerbau, Alpenwirtschaft und Uhrmacherei leben und in 15 Gemeinden 9085 Seelen zählen (volkreichste Gemeinde Dombresson, mit 1139 Einw., wo die von Louis Borel mit 800,000 Frank dotierte staatliche Rettungsanstalt besteht). Sodann bricht er sich bei Vallengin (655 m) den Weg in die Schlucht, welche ihn in starkem Fall zum Seeufer (433 m) hinunterführt. S. Neuchâtel.

Seyssel (spr. ssäßell), Stadt im franz. Departement Ain, Arrondissement Belley, am Rhône und an der Eisenbahn Genf-Mâcon, hat berühmte Asphaltgruben und (1881) 1178 Einw. Über den Rhône führt eine Hängebrücke nach der zum Departement Obersavoyen gehörigen Gemeinde S. mit 1493 Einw.

Sézanne (spr. ssesann), Stadt im franz. Departement Marne, Arrondissement Epernay, am Auges und an der Eisenbahn Oiry-Romilly, hat Fabrikation von Tuch, Ackerbauwerkzeugen, Porzellan und optischen Gläsern, Weinbau und (1881) 4856 Einw. S. war ehemals sehr fest, wurde 1423 von den Engländern und 1566 von den Protestanten erobert. Hier 25. März 1814 Gefangennehmung eines französischen Korps unter Macdonald durch die Russen.

Sèze (spr. ssähs'), Raimond de, s. Desèze.

Sezernieren (lat.), ausscheiden.

Sezession (lat.), Absonderung, Trennung (s. Secessio).

Sezessionisten, Name von Parteien, die sich von einem Ganzen trennen; so wurden die Anhänger der Südstaaten in Nordamerika genannt, welche sich 1861 von der Union trennten und sich selbst Konföderierte nannten; ferner die Mitglieder der nationalliberalen Partei, die 29. Okt. 1880 aus derselben ausschieden, sich als "liberale Vereinigung" konstituierten und sich 5. März 1884 mit der Fortschrittspartei zur "deutschen freisinnigen Partei" (s. d.) vereinigten.

Sezieren (lat.), anatomisch zerlegen, s. Sektion.

Sezze, Stadt in der ital. Provinz Rom, Kreis Velletri, unweit der Pontinischen Sümpfe, Bischofsitz, hat eine gotische Kathedrale, ein Seminar, Ruinen eines großen Saturntempels, eines Amphitheaters und andrer Altertümer des antiken Setia, einer altlatinischen, später den Volskern gehörigen Stadt, die 383 v. Chr. römische Kolonie ward, u. (1881) 6114 Einw.

Sf., Abkürzung von Sforzato (s. d.).

Sfakia, Hafenstadt der gleichnamigen Hochgebirgslandschaft auf der Südküste der türk. Insel Kreta, hat Weinbau, Handel und 1200 Einw.

Sfaks, die zweitgrößte Stadt der unter französischem Protektorat stehenden Regentschaft Tunis, am Golf von Gabes, ist von Bastionen und starken Mauern umgeben, hat eine große Citadelle und 30,000 Einw., worunter viele Franzosen, Italiener, Malteser, welche, wie die Juden, einen eignen Stadtteil bewohnen. In den Gärten um die Stadt zieht man viele Südfrüchte; die Weberei von baumwollenen, wollenen und seidenen Stoffen und der Handel mit Öl, Wolle, Schwämmen, Datteln, Feigen, Rosinen, Halfa u. a. sind lebhaft. S. ist Station der Compagnie Generale Transatlantique und Sitz eines deutschen Konsuls. Die Stadt wurde 1881 von den Franzosen nach zweitägigem Bombardement durch eine Flottenabteilung eingenommen.

Sfakteria, Insel, s. Sphakteria.

Sforza, berühmtes ital. Geschlecht, welches Mailand im 15. und 16. Jahrh. sechs Herzöge gab. Sein Stammvater Muzio d'Attandolo, geb. 10. Juni 1369 als Sohn eines Landmanns zu Cotignola in der Romagna, schwang sich durch Tapferkeit, Mut und Klugheit zu einem der berühmtesten Condottieri seiner Zeit empor, diente mit seinem ihm treu ergebenen Haufen Bewaffneter zuletzt dem König von Neapel und galt bereits unter der Regierung der Königin Johanna II. als eine Stütze des Throns. Er fand 4. Jan. 1424 beim Übergang über den Fluß Pescara den Tod. Den Namen S. ("Erzwinger") erhielt er von dem Grafen Alberigo von Barbiano, dem Stifter des italienischen Condottieriwesens. Sein natürlicher Sohn Francesco S., geb. 25. Juli 1401, diente in der Condotta seines Vaters und übernahm nach dem Tode des letztern deren Führung. Er stand nacheinander im Dienst von Mailand, Venedig und Florenz, ward Schwiegersohn des Herzogs Filippo Maria Visconti von Mailand, des letzten Sprößlings dieses Hauses, und erlangte nach dessen Tod (1447) durch die Gunst des Volkes 1450 die Herrschaft über Mailand. Er sicherte sich den Thron durch weise Regierungsmaßregeln und vergrößerte sein Herzogtum 1464 durch Eroberung Genuas; er starb 8. März 1466 in Mailand, das Herzogtum seinem ältesten Sohn, Galeazzo Maria S., geb. 24. Jan. 1444, hinterlassend, der, ein ausschweifender, grausamer Mann, 26. Dez. 1476 durch Verschworne fiel. Da dessen Sohn Giovanni Galeazzo S. erst einige