Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Simplum; Simpson; Simpsonsche Regel; Simri; Simrock

987

Simplum - Simrock.

anläßlich der Gotthardverhandlungen zugesichert worden. Vgl. Wolf, Brig und der S. (Zürich 1885).

Simplum (lat.), das Einfache einer Summe, insbesondere einer Abgabe (einfacher Steuersatz).

Simpson, 1) James, brit. General, geb. 1791 in Schottland, begann seine militärische Laufbahn 1811 unter Wellington in Spanien und Belgien und wurde 1815 bei Quatrebras gefährlich verwundet. 1838 ward er als Oberst nach Indien gesandt und zeichnete sich unter General Charles Napier namentlich 1845 im Feldzug gegen die Belutschen aus. 1846 nach England zurückgekehrt, erhielt er den Posten eines Kommandanten von Chatham und rückte 1851 zum Generalmajor auf. Später ward er Deputy-Adjutantgeneral der Armee. Anfang 1855 ward er dem Oberbefehlshaber in der Krim, Lord Raglan, als Generalquartiermeister an die Seite gestellt und bemühte sich nach Kräften, den in der Armee eingerissenen Übelständen zu steuern. Nach Raglans Tod, 28. Juni 1855, ward er zum Generalleutnant und Oberkommandanten der Armee befördert, bewies aber, namentlich bei dem Sturm auf Sebastopol 8. Sept. 1855, seine Unfähigkeit für diesen Posten so deutlich, daß er schon 15. Okt. seine Entlassung unter Beförderung zum General zugleich mit dem Großkreuz des Bathordens erhielt. S. trat aber darauf in den Ruhestand und starb im April 1868.

2) James Young, Mediziner, geb. 7. Juni 1811 zu Bathgate in Linlithgowshire, studierte zu Edinburg, ward Assistent des Professors Thomson, 1840 Professor der Geburtshilfe in Edinburg und starb 6. Mai 1870. Er war ebenso gesucht und beliebt als Lehrer wie als praktischer Arzt, förderte die Geburtshilfe und die Lehre von den Frauenkrankheiten und führte 1847 das Chloroform als Anästhetikum in den Arzneischatz ein. Er schrieb: "Essays on anaesthesia" (Edinb. 1849); "Obstetric memoirs contributions" (Lond. 1856, 2 Bde.); "Acupressure, a new method of arresting surgical haemorrhage" (Edinb. 1864); "Gynaecological works" (Lond. 1871, 2 Bde.); "Clinical lectures on diseases of women" (Edinb. 1872). Vgl. Gusserow, Zur Erinnerung an S. (Berl. 1871); Duns, Memoir of Sir J. Y. S. (1873).

Simpsonsche Regel, nach dem engl. Mathematiker Simpson benannte Formel zur Berechnung von ebenen Flächen und Körperinhalten. Sind y_{0}, y_{1}, y_{2} drei parallele Querschnitte der Fläche oder des Körpers, und ist δ der Abstand zwischen dem ersten und zweiten und ebenso zwischen dem zweiten und dritten, so ist das Volumen zwischen dem ersten und dritten gleich 1/3 δ(y_{0}+4y_{1}+y_{2}) und zwar genau, wenn die Größe eines beliebigen Querschnitts y, der von einem festen Punkt 0 um x absteht, durch die Formel y=a+bx+cx²+dx³ gegeben ist, die den dritten Grad nicht übersteigt.

Simri (Simra), Getreidemaß, s. Simmer.

Simrock, Karl Joseph, Dichter und Germanist, geb. 28. Aug. 1802 zu Bonn, studierte auf der Universität daselbst Rechtswissenschaft und hörte daneben A. W. v. Schlegels Vorlesungen über deutsche Litteratur und Sprache. Seit 1822 setzte er in Berlin, namentlich unter Lachmann, seine Studien fort; 1826 trat er als Referendar beim Kammergericht in den Staatsdienst ein. Praktische Arbeiten und poetische Beschäftigung gingen von nun an Hand in Hand. Außer vielen Beiträgen zu Zeitschriften und Almanachen lieferte er in dieser Zeit namentlich seine Übersetzung des "Nibelungenlieds" (Berl. 1827; 40. Aufl., Stuttg. 1880), der die Übersetzung des "Armen Heinrich" von Hartmann von Aue (Berl. 1830; 2. Aufl., Heilbr. 1875) und eine kleine Sammlung von Romanzen folgte. Da er die Julirevolution in einem Gedicht: "Die drei Farben", mit Begeisterung begrüßt hatte, erhielt er durch Kabinettsorder des Königs seine Entlassung aus dem Staatsdienst. Er blieb noch zwei Jahre in Berlin und ließ sich dann 1832 in Bonn nieder, wo er sich litterarischen Arbeiten widmete, später sich auch an der Universität habilitierte und 1850 zum ordentlichen Professor der altdeutschen Litteratur ernannt wurde. S. starb in Bonn 18. Juli 1876. Seine Hauptthätigkeit, zu der ihn poetische Anlagen und tiefreichende gelehrte Bildung gleichmäßig befähigten, galt der Übertragung alt- und mittelhochdeutscher Dichtungen in die neuhochdeutsche Sprache. Den schon oben angeführten Übersetzungen schlossen sich an: "Zwanzig Lieder von den Nibelungen, nach Lachmanns Andeutungen wiederhergestellt" (Bonn 1840); die "Gedichte Walthers von der Vogelweide" (Berl. 1833, 2 Bde.; 7. Aufl., Leipz. 1883); "Parcival und Titurel" von Wolfram von Eschenbach (Stuttg. 1842, 6. Aufl. 1883); "Reineke Fuchs" (Frankf. 1845, 2. Aufl. 1847); "Der gute Gerhard von Köln" von Rudolf von Ems (das. 1847, 2. Aufl. 1864); "Die Edda" (Stuttg. 1851, 9. Aufl. 1889); "Tristan und Isolde" von Gottfried von Straßburg (Leipz. 1855, 2 Bde.; 2., mit Fortsetzung und Schluß vermehrte Aufl. 1875); "Heliand" (Elberf. 1856, 3. Aufl., Berl. 1882); "Beowulf" (Stuttg. 1859); "Der Wartburgkrieg" (das. 1858); "Lieder der Minnesinger" (Elberf. 1857); "Freidanks Bescheidenheit" (Stuttg. 1867); "Loher und Maller", Ritterroman (das. 1868); Sebastian Brants "Narrenschiff" (Berl. 1872) u. a. Doch auch auf andern Gebieten der Litteratur versuchte sich S. mit Glück. So vereinigte er sich mit Echtermeyer u. Henschel zur Abfassung des Werkes: "Quellen des Shakespeare in Novellen, Märchen und Sagen" (Berl. 1831, 3 Tle.; 2. Aufl., Bonn 1870, 2 Bde.), dem sich die "Italienischen Novellen" (Berl. 1832; 2. Aufl., Heilbr. 1877) anschlossen. Ferner gab er auf Grund der ältesten Ausgaben eine Bearbeitung der "Deutschen Volksbücher" (Berl. 1839-43; dann Frankf. 1844-1867, 13 Bde.; neue Ausg., Basel 1886 ff.; Auswahl in 2 Bdn. 1869) heraus und stellte das alte "Puppenspiel vom Doktor Faust" in seiner ursprünglichen Gestalt her (das. 1846; neue Ausg., zugleich mit dem Volksbuch, das. 1875). Zu seiner Hauptaufgabe machte er die Neubearbeitung alles dessen, was in den verschiedensten Quellen von der alten Heldensage unsers Volkes übriggeblieben ist, teils durch Übertragung, teils durch Ergänzung mittels eigner Dichtung. So entstand sein "Heldenbuch" (Stuttg. 1843-49, 6 Bde.), welches zunächst das Epos "Gudrun" (14. Aufl. 1888) und das "Nibelungenlied" enthält, dann das "Kleine Heldenbuch" (4. Aufl. 1883, mit den Dichtungen: "Walther und Hildegunde", "Alphart", "Der hörnerne Siegfried", "Der Rosengarten", "Das Hildebrandslied", "Ortnit" und "Hug- und Wolfdietrich"), endlich das den Sagenkreis Dietrichs von Bern umfassende "Amelungenlied", zu welchem das bereits 1835 erschienene Gedicht "Wieland der Schmied" (3. Aufl., Stuttg. 1851) die Einleitung bildet. Der Stoff zum "Amelungenlied" war in der "Wilkinasage" gegeben, Anordnung und Ausführung aber ist ganz Simrocks Werk. Von Shakespeares Dramen übersetzte er "Macbeth" (Bonn 1842) und eine Anzahl andrer für die sogen. Dingelstedtsche Shakespeare-Ausgabe (Hildburgh. 1866-70); ferner "Shakespeares Gedichte" (Stuttg. 1867) und aus dem Schwedischen Tegnérs "Frithjofssage" (4. Aufl., das. 1883). Viele