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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Sinésen; Sinéstra, Val; Sinfin; Sinfonie; Singapur; Singen; Singende Flamme; Singer; Singhalesen; Singhalesisch

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Sinesen - Singhalesisch.

Sinésen, s. v. w. Chinesen.

Sinéstra, Val, linksseitiges Nebenthal des Unter-Engadin im schweizer. Kanton Graubünden, bei dem Dorf Remüs zum Inn geöffnet, hat in neuester Zeit durch seine arsenhaltigen Eisensäuerlinge Ruf erlangt. Die Quellen, etwa zwölf an der Zahl, u. von 9° C., liegen ca. 1500 m ü. M. in einer von der Brancla durchrauschten Schlucht, 6 km von Sins, enthalten außer Arsen und Eisen auch Borsäure, Lithium, Jod und Brom in ansehnlicher Menge. Bisher nur von Umwohnern in primitivster Weise benutzt, sollen sie gefaßt und mit Badeeinrichtungen versehen werden.

Sinfin, Pflanzenart, s. Medicago.

Sinfonie (ital.), s. Symphonie.

Singapur (Singapore, Singhapura, "Löwenstadt"), brit. Insel an der Südspitze der hinterindischen Halbinsel Malakka und von dieser durch einen schmalen Meereskanal getrennt, zur Kolonie Straits Settlements gehörig, mit einem Areal von 580 qkm (10½ QM.) und (1881) 172,993 Einw., wovon 139,208 männlichen u. nur 33,785 weiblichen Geschlechts. Der Nationalität nach unterschied man 1283 Europäer, 86,766 Chinesen, 22,114 Malaien, 10,475 Tamulen, 5681 Javaner und 3091 Eurasier. Die Insel besteht aus niedrigen Hügelreihen und sumpfigen Flächen; die höchste Erhebung ist der Bukir Timah (157 m) im Zentrum. Das Land ist sehr fruchtbar und bringt nach Entfernung der ursprünglichen dichten Wälder Reis, Katechu, Betelpfeffer u. a. hervor. Das Klima ist feucht, doch nicht ungesund; mittlere Temperatur in der heißen Jahreszeit 27,1°, in der kühlen 25,9° C. Die Insel wurde zuerst 1160 v. Chr. von Hinterindien aus bevölkert, war aber, als Sir Stamford Raffles dieselbe 1819 für England in Besitz nahm, nur von 20 malaiischen Fischerfamilien bewohnt und eine Zufluchtsstätte für Seeräuber. Sie wurde 1824 von der Britisch-Ostindischen Kompanie dem Sultan von Dschohor für 60,000 Doll. und eine Jahresrente von 24,000 Doll. abgekauft und ging 1867 in den Besitz der britischen Krone über.

Die gleichnamige Stadt liegt an der Südküste unter 1° 17' nördl. Br. und 103° 50' östl. L. v. Gr. und wird durch ein Flüßchen in zwei Hälften geteilt, von denen die westliche, vornehmlich von Europäern bewohnte das Haus des Gouverneurs, die Regierungsgebäude, großartige Warenlager, Docks, Schiffswerften enthält; aber auch der asiatische Teil ist regelmäßig angelegt. Die Stadt zählt 110,000 Einw., wovon vier Fünftel Chinesen sind. Seit ihrer Gründung (1819), wo sie zum Freihafen erklärt wurde, hat sich S. zu dem bedeutendsten Handelsmittelpunkt zwischen Indien und China emporgehoben. S. ist Hauptknotenpunkt für alle Dampferlinien, welche Europa mit dem östlichen Asien verbinden. Es gingen 1887: 3467 Schiffe mit 2,642,195 Ton. ein und 3393 Schiffe mit 2,564,592 T. aus. Der Handel ist zum großen Teil in den Händen chinesischer Kaufleute, welche auch den Verkauf von Opium und Spirituosen von der Regierung gepachtet haben. S. ist Stapelplatz für Hinterindien, das von hier aus mit europäischen Waren versorgt wird; die Einfuhr betrug 1887: 92,116,736 Doll., die Ausfuhr (Gambir, Zinn, Sago, Pfeffer, Guttapercha, Muskatnüsse, Katechu u. a.) 75,066,330 Doll. S. ist Sitz eines deutschen Berufskonsuls.

^[Abb.: Situationskärtchen von Singapur.]

Singen, s. Gesang und Singstimme.

Singen, Flecken im bad. Kreis Konstanz, an der Aach, Knotenpunkt der Linien Mannheim-Konstanz und Offenburg-S. der Badischen Staats- wie der Linie Etzweiler-S. der Schweizerischen Nordostbahn, 432 m ü. M., hat eine evangelische und eine kath. Kirche, ein Hauptsteueramt, Baumwollspinnerei, Zementfabrikation, eine Mühlenbauanstalt, eine Dampfziegelei, eine Kunstmühle und (1885) 2065 meist kath. Einwohner. Dabei der Hohentwiel (s. d.).

Singende Flamme, s. Schall, S. 394.

Singer, Edmund, Violinspieler, geb. 14. Okt. 1831 zu Totis im ungarischen Komitat Komorn, machte mit elf Jahren bereits eine Kunstreise durch Ungarn und Siebenbürgen, setzte dann im Wiener Konservatorium unter Böhm seine Studien fort und wurde, nach einem längern Aufenthalt in Paris, 1848 Orchesterdirektor des deutschen Theaters in Pest. 1854 wurde er als Konzertmeister und Kammervirtuose nach Weimar und 1861 in gleicher Eigenschaft nach Stuttgart berufen, wo er zugleich als Lehrer am Konservatorium wirkt. S. gehört nach jeder Seite hin zu den hervorragendsten Vertretern seines Instruments und hat auch als Komponist für dasselbe Anerkennenswertes geleistet.

Singhalesen, Volk, s. Ceylon.

Singhalesisch (auch Elu genannt, besonders in seiner ältern Form, und soweit es in der Poesie vorkommt), die moderne Sprache des größern südlichen Teils der Insel Ceylon (s. d.), ist eine Mischsprache, die einen sehr großen Prozentsatz arischer (indogermanischer) Wörter enthält, aber in ihrem grammatischen Bau einen durchaus nichtindogermanischen Charakter zeigt. Die Ansicht von M. Müller, Childers, Rhys Davids u. a., welche das S. für eine arische Sprache erklärten, ist durch die neueste Untersuchung dieser Frage (E. Kuhn, Der singhalesische Wortschatz, Sitzungsbericht der Münchener Akademie, 1879) widerlegt worden; doch ist der Grundstock der Sprache, den einige Forscher mit dem im Norden der Insel herrschenden drawidischen Tamil vermitteln wollten, noch nicht aufgeklärt. Die Schrift geht auf ein altes indisches Alphabet zurück; die Litteratur ist wichtig für Geschichte des Buddhismus, aber noch wenig bekannt. Zahlreiche bis zu 2000 Jahren alte Inschriften in singhalesischer Sprache, an denen sich die allmähliche Veränderung der letztern beobachten läßt, wurden von P. Goldschmidt 1875-77 auf Ceylon gesammelt, dessen Forschungen seit 1878 von E. Müller fortgesetzt wurden.