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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Sind - Sine loco et anno.

brasil. Provinz Bahia, durch seine Diamantenwäschereien bekannt geworden.

Sind, Provinz in der britisch-ind. Präsidentschaft Bombay, wird begrenzt vom Ran von Katsch und dem Arabischen Meer, von Belutschistan, dem Pandschab und den Wüsten von Radschputana und umfaßt 124,351 qkm (2258 QM.) mit (1881) 2,413,823 Einw., wovon 78,5 Proz. Mohammedaner. Dazu kommt noch der kleine Tributärstaat Khairpur, 15,821 qkm (287 QM.) groß mit 129,153 Einw. Die Küste ist niedrig und fast hafenlos; das Land ist meist flach. Im W. bildet die Kirtharkette mit Höhen bis 2133 m, weiter südlich die niedrige Pabkette, welche im Kap Monze endigt, die Grenze gegen Belutschistan. Von da breiten sich kahle Hochflächen aus, die in das fruchtbare Industhal abfallen. Gegen O. zu dehnt sich eine endlose Ebene aus, die schließlich am Charakter der Wüste Thar teilnimmt. Der salzdurchtränkte Lehmboden des Indusdeltas ist fast vegetationslos. Das Klima ist sehr heiß und trocken, die Monsune reichen nicht hierher, und es vergehen zuweilen 2-3 Jahre ohne Regenfall. Obersind gleicht den Sandwüsten Innerafrikas, Untersind hat noch an der Küste eine Temperatur von 25½° C. Der Ackerbau hängt ganz von der künstlichen Bewässerung ab, welche durch das allmählich über die Uferebenen erhöhte Bett des Indus erleichtert, aber nur durch schlecht erhaltene Kanäle besorgt wird. Hauptprodukte sind Hirse, Reis, Baumwolle, Weizen, Ölpflanzen; nur 2 Proz. des Bodens werden in primitivster Weise bebaut. Schafe, Kamele, Büffel, Esel sind zahlreich. In den Flüssen wie nach den Überschwemmungen in den wenigen Seen (Mandschar) finden sich viele Fische; mächtige Salzlager harren der Ausbeutung. Von Industrieprodukten sind Töpferwaren, Lederarbeiten und Teppiche zu nennen. Eine Eisenbahn zieht von Karatschi nach Haidarabad und dem Industhal entlang und entsendet einen Zweig von Rohri nach Quetta. Submarine Kabel verbinden Karatschi mit Fao in Arabien und mit Buschir in Persien. Die Sprache ist das Sindhi, eine arische Sprache, jedoch infolge von Eroberungen und Einwanderungen mit persischen und arabischen Wörtern stark vermischt und mit einem unverkennbaren Grundstock der drawidischen Sprachengruppe ausgestattet, so daß es vom Sanskrit sich weiter entfernt als andre Tochtersprachen (Grammatik von Trumpp, Lond. 1872). Die Schrift ist die arabische. Für die Verwaltung des Landes ist S. in fünf Distrikte eingeteilt: Obersind, Schikarpur, Haidarabad, Karatschi, Thar-Pakar. Hauptort und Sitz der Verwaltung ist Karatschi, welches die die frühere Stelle Haidarabads einnimmt; wichtigste Garnisonstadt ist Jakobabad an der Grenze von Kelat (Belutschistan). - Zur Zeit, als Alexander d. Gr. den Indus hinabfuhr (325 v. Chr.), war S. unter vier Fürsten geteilt; im 3. Jahrh. ward es vorübergehend Provinz des griechischen Reichs in Baktrien (s. d.) und um den Beginn der christlichen Zeitrechnung Tummelplatz der aus Innerasien nach Indien gelangten türkisch-tatarischen Völker der Indoskythen. 695 eroberten es die Araber unter Kasim; seit 746 erfreute es sich wieder der Herrschaft der Radschputenkönige, ward 1025 von den Ghasnawiden (s. d.), 1210 von Mongolenheeren verwüstet und verblieb nun unter mohammedanischen Regierungen, die das Land mit militärischem Despotismus regierten. 1591 ward S. zum Großmogulreich in Dehli geschlagen, 1740 Nadir Schah von Persien und nach ihm den Duraniherrschern zu Kandahar (Afghanistan) unter eignen Fürsten unterthan. 1758 erfolgte die Gründung der ersten englischen Faktoreien, 1775 die Beseitigung der Kolura- durch die Talpurdynastie von Belutschenabstammung, deren Mitglieder das Land unter dem Titel Amirs beherrschten. Reibereien mit den Engländern seit Ende des 18. Jahrh. führten zum Bruch, und im Krieg von 1843 wurde S. zur englischen Provinz gemacht (s. Karte "Ostindien"). Vgl. Burton, S. revisited (Lond. 1877, 2 Bde.).

Sindelfingen, Stadt im württemberg. Neckarkreis, Oberamt Böblingen, 451 m ü. M., hat eine schöne romanische Kirche, Seiden-, Lein- und Baumwollweberei und (1885) 4083 meist evang. Einwohner.

Sinder, Stadt im westlichen Sudân, auf einer felsigen Insel des mittlern Niger, hat mit dem auf einer ähnlichen Insel ganz nahen Garu 16-18,000 Einw., die sich infolge der Rivalität des Gouverneurs von Sa und des Häuptlings der Tuareg in der Umgegend einer gewissen Unabhängigkeit erfreuen.

Sindhu, Strom, s. Indus.

Sindia (Scindia), Name einer fürstlichen Familie in Vorderindien, s. Gwalior.

Sinding, Otto, norweg. Maler, geb. 1842 zu Kongsberg in Norwegen, studierte die Rechte zu Christiania und war bereits eine Zeitlang Beamter, ehe er sich 1867 bei dem Maler Eckersberg in Christiania der Kunst widmen konnte. Seine ersten Versuche in der Landschaftsmalerei erwarben ihm 1869 ein Stipendium, mit welchem er nach Karlsruhe ging, um seine Studien bei H. Gude fortzusetzen. Neben Gude genoß er die Unterweisung Riefstahls, bei welchem er Figuren zu malen begann. Seit 1872 vervollkommte er sich hierin weiter bei Piloty in München. 1876 kehrte er in seine Heimat zurück und malte dort ein Altarbild: Christus am Kreuz, für die Pauluskirche in Christiania und mehrere Bilder nach norwegischen Volksmärchen. 1880 unternahm er eine Reise nach Italien und ließ sich dann in München nieder, wo er eine Reihe belebter Landschaften und Marinen malte. Die bedeutendsten derselben sind: Herbststurm an der norwegischen Küste, ein Begräbnis auf den Lofoten, Badeplatz auf Capri, Tarantella, der Fischerhafen in den Lofoten, die Brandung an der Küste und der Sommerabend auf den Lofoten. In mehreren dieser Bilder tritt ein der nordischen Natur eigentümlicher phantastischer Zug in den Vordergrund. 1886 ließ sich S. in Berlin nieder und unternahm von da aus eine Studienreise nach den Lofoten, von welcher er etwa 60 Ölgemälde mitbrachte, in denen das Leben auf den Lofoten zu allen Jahres- und Tageszeiten in lebendiger Charakteristik und auf Grund geistvoller Beobachtung aller Licht- und Lufterscheinungen geschildert ist. Auf einer zweiten Reise nahm er seinen Studienaufhalt in Bergen, dessen Umgebung er in einer zweiten Bilderreihe zur Frühlings- und Sommerszeit schilderte.

Sindonites, Asket, s. Serapion 1).

Sinear, bibl. Name von Babylonien.

Sine Cerere et Baccho friget Venus (lat.), "Ohne Ceres und Bacchus friert Venus", Citat aus Terenz ("Eunuch", IV, 5).

Sined (Barde S.), Pseudonym, s. Denis 1).

Sine ira et studio (lat.), "Ohne Zorn und Vorliebe", unparteiisch (aus Tacitus' "Annalen", I, 1).

Sinekure (v. lat. sine cura, ohne [Seel-] Sorge), Pfründe mit Einkünften, aber ohne Amtsgeschäfte; dann überhaupt ein Amt, mit dem großes Einkommen ohne viel Arbeit verbunden ist.

Sine loco et anno (lat., abgekürzt s. l. e. a.), ohne Ort und Jahr, bei Büchern, deren Titel weder Druckort noch Druckjahr enthält.