Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Tübinger Schule; Tubize; Tubu; Tubuaiinseln; Tubulus; Tubus; Tucacas; Tuch

896

Tübinger Schule - Tuch.

geschleift wurden. Vgl. Eifert, Geschichte der Stadt T. (Tübing. 1849); Klüpfel, Die Universität T. in ihrer Vergangenheit und Gegenwart (das. 1877); "T. und seine Umgebung" (2. Aufl., das. 1887, 2 Hefte).

Tübinger Schule, Bezeichnung für die von F. Chr. Baur (s. d. 1) in Tübingen begründete und von seinen Schülern (Zeller, Schwegler, K. R. Köstlin u. a.) befolgte kritische Richtung. Vgl. die betreffenden Artikel.

Tubize (spr. tübihs'), Gemeinde in der belg. Provinz Brabant, Arrondissement Nivelles, an der Senne, Knotenpunkt an der Staatsbahnlinie Brüssel-Quiévrain, mit Eisen- und Baumwollindustrie und (1888) 4386 Einw.

Tubu, Volksstamm, s. Tibbu.

Tubuaiinseln (Australinseln), Gruppe im Stillen Ozean, südlich von den Gesellschaftsinseln und diesen in ihrer Natur sehr ähnlich, besteht aus sieben Inseln: Tubuai, 103 qkm groß mit (1885) 385 Einw., Vavitao oder Raiwawai, 660 qkm groß mit 309 Einw., Rurutu (s. d.), Oparo (s. d.), Rimitara, Morotiri (Baß) und dem unbewohnten Hull oder Narurota, zusammen 286 qkm (5,2 QM.) mit 1350 Einw., welche ebenfalls den Bewohnern der Gesellschaftsinseln gleichen, seit 1822 durch englische Missionäre zum Protestantismus bekehrt sind und in den westlichen Inseln einen tahitischen, in Oparo (Rapa) aber einen rarotongischen Dialekt sprechen. Die Insel Tubuai wurde 1777, Rurutu 1769 von Cook entdeckt. Politisch hingen die T. schon früh von den Gesellschaftsinseln ab, daher dehnten die Franzosen ihr Protektorat zuerst über Tubuai, Vavitao und Oparo, 1889 auch über Rurutu und Rimitara aus, so daß die ganze Gruppe dem französischen Einfluß untersteht.

Tubulus (lat., "Röhrchen", Tubulatur), die mit Stöpseln verschließbaren kurzen Hälse auf den Kugeln der Retorten oder Kolben.

Tubus (lat.), Rohr, Röhre, besonders s. v. w. Fernrohr; Tuben, röhrenförmige Behälter für Ölfarben etc.; Orgeltuben, s. v. w. Orgelpfeifen.

Tucacas, Hafenstadt in der Sektion Yaracuy des Staats Lara der Republik Venezuela, an der Mündung des Aroa. Eine Eisenbahn verbindet sie mit den reichen Kupferminen von Bolivar, am obern Aroa, die 1880-83: 75,200 Ton. Erz und Regulus im Wert von 16,137,951 Frank erzeugten.

Tuch, aus Streichwollgarn hergestellter, meist leinwandartig gewebter Stoff, welcher durch Walken verfilzt und durch Rauhen mit einer Decke feiner Härchen versehen wird, die gewöhnlich durch Scheren gleich gemacht sind und daher eine glatte, feine Oberfläche bilden. Der Tuchmacherstuhl unterscheidet sich von den Webstühlen zu andern glatten Stoffen hauptsächlich nur durch seine große Breite, weil das T. wegen seines beträchtlichen Eingehens in der Walke viel breiter gewebt werden muß, als es im fertigen Zustand erscheint. Ein T., das nach der Appretur 8/4 breit sein soll, muß auf dem Stuhl 14/4-17/4 Breite haben. Aus dem rohen Gewebe (Loden) werden durch das Noppen Holzsplitterchen, Knoten etc. entfernt. Dies geschieht mit Hilfe von kleinen Zangen durch Handarbeit oder mit der Noppmaschine. Nach dem Noppen folgt das Waschen in besondern Waschmaschinen, wodurch Fett, Leim und Schmutz aus dem Loden entfernt werden. Dann wird das Gewebe zum zweitenmal genoppt und unter Zusatz von Seife, gefaultem Urin oder Walkererde gewalkt. Hierdurch verfilzen sich die feinen aus dem Garn hervorstehenden Fäserchen und bis zu einem gewissen Grade die Garnfäden selbst, so daß man aus gut gewalktem T. keinen Faden von einiger Länge unversehrt ausziehen kann. Das gewalkte Gewebe wird wieder gewaschen und auf dem Trockenrahmen unter einer gewissen Spannung getrocknet. Die Appretur (s. Appretur) des Tuches beginnt nun damit, daß die Härchen, welche aus der Filzdecke ohne alle Regelmäßigkeit hervorragen, mehr und gleichmäßiger herausgezogen und nach Einer Richtung niedergestrichen werden (das Rauhen). Hierzu dienen die voll kleiner Widerhaken sitzenden Fruchtköpfchen der Kardendistel (Dipsacus fullonum), mit welchen das nasse T. bearbeitet wird. Die Handrauherei ist gegenwärtig durch die Maschinenrauherei fast vollständig verdrängt worden; aber es ist noch nicht gelungen, für die teuern Weberkarden einen genügenden Ersatz zu finden. Ungemein erleichtert wird das Rauhen, wenn man auf das T., während die Karden darauf einwirken, Wasserdampf strömen läßt. Die herausgezogenen Härchen werden auf dem trocknen T. gegen den Strich aufgebürstet und durch große Handscheren oder durch scherenartige mechanische Vorrichtungen (Schermaschinen) zu gleicher und geringer Länge abgeschnitten, damit sie zusammen eine glatte, feine Oberfläche bilden (das Scheren). Das Ziel des Rauhens und Scherens kann aber nur durch einen stufenweisen Gang erreicht werden, weshalb beide Behandlungen je nach der Feinheit des Tuchs ein- bis fünfmal abwechselnd hintereinander vorgenommen werden. Die abgeschnittenen Härchen bilden die Scherwolle. Nach dem Scheren wird das T. zum drittenmal genoppt, dann dekatiert und gepreßt. Hinsichtlich des Färbens unterscheidet man in der Wolle, im Loden oder im T. gefärbtes. Ersteres ist aus gefärbter Streichwolle gefertigt, das lodenfarbige ist vor dem Walken gefärbt und das tuchfarbige nach dem Walken. Letzteres T. zeigt oft einen weißlichen Anschnitt und verliert die Farbe beim Gebrauch. Feine hellfarbige Tuche können aber in der erforderlichen Lebhaftigkeit nur im Stück gefärbt werden. Weiße Tuche werden geschwefelt und in Wasser mit abgezogenem Indigo gebläut, die schlechtesten aber in einer Brühe von Wasser und Schlämmkreide bearbeitet, so daß die nach dem Trocknen, Klopfen und Bürsten zurückbleibenden Kreideteilchen den gelblichen Stich der Wolle verdecken. Die schwarzen Tuche prüft man auf ihre Farbe mit verdünnter Salzsäure und unterscheidet Falschblau, das durch Behandeln mit der Säure ganz rot wird, Halbechtblau, welches einen violetten Schein bekommt, wenn der Grund mit Indigo angeblaut ist, und Ganzechtblau, welches durch die Säure nicht verändert wird, also mit reinem Indigo gefärbt worden ist. In der Tuchfabrikation nehmen neben Preußen und Sachsen, welche durch ihre ausgezeichneten Wollen begünstigt sind, Österreich, Frankreich, England und Belgien den ersten Rang ein. Von den preußischen Tuchen war vormals das Brandenburger Kerntuch sehr beliebt, die rheinpreußischen Tuche gehen als Niederländer. Holland liefert wenig, aber vortreffliches T. Österreich fertigt alle Sorten Tuche, vorzüglich viel farbige Tuche für den Orient. Die englische und belgische Tuchfabrikation erstreckt sich vorzugsweise nur auf die mittlern und ordinären Qualitäten. Vgl. Stommel, Das Ganze der Weberei der T.- und Buckskinfabrikation (2. Aufl., Düsseld. 1882); Ölsner, Lehrbuch der T.- und Buckskinweberei (Altona 1881, 2 Bde.); Behnisch, Handbuch der Appretur (Grünb. 1879).

Tuch, Johann Christian Friedrich, Orientalist, geb. 17. Dez. 1806 zu Quedlinburg, studierte in Halle, ward 1830 Privatdozent der Philosophie daselbst, 1841 Professor der Theologie zu Leipzig, später noch Domherr und Kirchenrat; starb daselbst 12. April 1867.