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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Tyburn; Tyche; Tycho Brahe; Tychsen; Tydeus; Tyfon; Tyl; Tyldesley; Tyler

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Tyburn - Tyler.

gehörte, von Aurelianus 272 n. Chr. erobert. Valens machte sie zur Hauptstadt von Cappadocia Secunda. Ruinen beim heutigen Kilisse Hissar.

Tyburn (spr. teibörn), früher ein Bach und Dorf auf der Nordseite des Hyde Park in London, bis 1783 der öffentliche Richtplatz. 1839-50 wurde an derselben Stelle einer der schönsten Stadtteile Londons erbaut, dessen Name Tyburnia an die alte Zeit erinnert.

Tyche, in der griech. Mythologie ursprünglich die Göttin des guten Glücks, Tochter des Okeanus oder des Zeus, wurde namentlich als Beschirmerin und Erhalterin der Städte verehrt und hatte als solche in vielen Städten Griechenlands und Kleinasiens Tempel und Statuen. Allmählich bildete sich dann die Vorstellung aus, daß T. sowohl Glück als Unglück verleihe, worin sie der römischen Fortuna (s. d.) gleichkommt. In den Kunstdenkmälern wird der T. entweder ein Steuerruder als Sinnbild lenkender Gewalt oder ein Rad, auf die Flüchtigkeit derselben anspielend, oder Kopfaufsatz und Fruchthorn als Zeichen der Fruchtbarkeit beigegeben. Eigenartig charakterisiert waren die Tychen der Städte, meist mit der Mauerkrone geschmückt und mit verschiedenen Symbolen ausgestattet (so die T. von Antiochia, ein Werk des Eutychides, im Vatikan, s. Abbild.). Vgl. Lehrs, Populäre Aufsätze, S. 175 ff. (2. Aufl.).

^[Abb.: Tyche von Antiochia (Rom, Vatikan).]

Tycho Brahe, s. Brahe 1).

Tychsen, 1) Olaus Gerhard, Orientalist, geb. 14. Dez. 1734 zu Tondern, studierte in Halle und ward Lehrer am dortigen Waisenhaus, 1763 Professor der orientalischen Sprachen zu Bützow und nach Aufhebung dieser Universität Oberbibliothekar in Rostock, wo er 30. Dez. 1815 starb. Seine Hauptschrift ist "Bützowsche Nebenstunden" (Bützow 1766-1769, 6 Bde.), ein reichhaltiges Magazin für Geschichte und Wissenschaft des Judentums. T. gilt auch als Begründer der arabischen Paläographie, und er beteiligte sich lebhaft und mit Erfolg an den ersten Versuchen, die Keilschrift zu entziffern. Seine Sammlung wertvoller Manuskripte über orientalische und spanische Litteratur und andre Antiquitäten kaufte die Rostocker Universität. Vgl. Hartmann, Olaf Gerhard T. (Brem. 1818-20, 5 Tle.).

2) Thomas Christian, Orientalist, geb. 8. Mai 1758 zu Horsbyll im Schlesischen, studierte in Kiel und Göttingen, machte dann eine wissenschaftliche Reise durch Deutschland, Italien, Frankreich und Spanien, ward 1784 Professor der Theologie zu Göttingen, 1797 Präsident der Göttinger Akademie der Wissenschaften und starb 23. Okt. 1834. Von seinen Schriften sind zu nennen: "Grundriß einer Archäologie der Hebräer" (Götting. 1789); "Grammatik der arabischen Schriftsprache" (das. 1823); die Ausgabe des Quintus Smyrnäus (Straßb. 1807) und verschiedene Essays über Numismatik, Paläographie etc. - Seine durch Schönheit und Talente ausgezeichnete Tochter Cäcilie (gest. 1812 im Alter von 18 Jahren) besang der Dichter Ernst Schulze (s. d. 4) in dem gleichnamigen epischen Gedicht.

Tydeus, im griech. Mythus Sohn des Öneus, flüchtete wegen eines begangenen Mordes nach Argos zu Adrastos, der ihn sühnte und ihm seine Tochter Deipyle zum Weib gab. T. zog mit ihm gegen Theben, wurde von Melanippos verwundet und starb an den Folgen der Wunde.

Tyfon, Wirbelsturm, s. Teifun.

Tyl, Joseph Cajetan, tschech. Schriftsteller, geb. 4. Febr. 1808 zu Kuttenberg, war Theaterregisseur in Prag und starb daselbst 11. Juli 1856. Er schrieb ca. 50 Dramen, zum großen Teil nach deutschen Vorbildern. Am gelungensten sind: "Der blinde Jüngling", "Jan Hus", "Strakonicky Dudak" etc. Von 1834 bis 1847 redigierte T. die Zeitschrift "Kvety" und veröffentlichte darin seine Erzählungen, unter denen zu erwähnen sind: "Der letzte Tscheche", "Patriotische Liebe", "Das Kuttenberger Dekret" etc. T. dichtete auch das böhmische Nationallied "Kde domuv moj?" Sein Leben beschrieb Turnovsky (Prag 1881).

Tyldesley (spr. teilsli oder tillsli), Stadt in Lancashire (England), 12 km westnordwestlich von Manchester, mit Kohlengruben, Baumwollweberei und (1881) 9954 Einw.

Tyler (spr. teiler), 1) John, zehnter Präsident der Vereinigten Staaten, geb. 29. März 1790 als der Sohn eines Pflanzers in Virginia, studierte die Rechte, ward 1816 Mitglied des Repräsentantenhauses zu Washington, dann Gouverneur von Virginia und war 1827-36 Senator für diesen Staat. 1840 von der Whigpartei als Kandidat aufgestellt und mit großer Majorität zum Vizepräsidenten der Vereinigten Staaten gewählt, wurde er durch den Tod des Präsidenten Harrison einige Wochen nach dessen Amtsantritt 4. April 1841 Präsident. T. rechtfertigte in dieser Stellung die Erwartungen seiner Partei nicht, indem er vielmehr auf die Seite der Demokraten neigte. Als er der im Juli 1841 vom Kongreß beschlossenen Bill wegen Errichtung einer Bank sein Veto entgegenstellte, reichte das Ministerium seine Entlassung ein, und Tylers Bildnis ward an mehreren Orten öffentlich verbrannt. Dennoch machte er noch wiederholt von seinem Vetorecht Gebrauch, so daß er in beständigem Hader mit der Volksvertretung lebte. Am 4. März 1845 trat er von der Regierung ab und zog sich auf sein Landgut in Virginia zurück. Er starb, nachdem er sich nach einem fruchtlosen Friedensversuch bei Ausbruch des Bürgerkriegs in den Senat der Sezessionisten hatte wählen lassen, 18. Jan. 1862 in Richmond. Tylers Leben beschrieb sein Sohn Lyon Gardiner T. (Richm. 1884, 2 Bde.).