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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Valeriānus; Valérien; Valerĭus; Valerĭus Flaccus; Valerĭus Maxĭmus; Vāles

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Valerianus - Vales.

lensaurem Natron neutralisierten Destillat abgehobene ölige Flüssigkeit, welche neben dem Äther Amylalkohol und Valeraldehyd enthält, der fraktionierten Destillation unterwirft. Der Äther bildet eine farblose Flüssigkeit, verhält sich wie der Äthyläther, siedet bei 188°, riecht besonders nach Verdünnung mit Alkohol durchdringend nach Äpfeln, kommt als Äpfelöl in den Handel und wird, wie der vorige, zu Fruchtäthern benutzt.

Valeriānus, Publius Licinius, röm. Kaiser, ward, nachdem er 251 das Zensoramt bekleidet und eine lange Reihe von Jahren hindurch rühmliche Kriegsdienste geleistet hatte, nach der Ermordung des Kaisers Gallus 253 von der Armee in Rätien zum Kaiser ausgerufen und nahm seinen Sohn Gallienus zum Mitregenten an. Er unternahm 258 einen Krieg gegen die Perser, wurde aber 260 geschlagen und fiel in deren Gefangenschaft, in der er starb.

Valérien (Mont V., spr. mong walerĭäng), Berg im franz. Departement Seine, erhebt sich 200 m ü. M. westlich von Paris am linken Seineufer über den Ortschaften Puteaux und Suresnes, trug früher eine Wallfahrtskirche, an deren Stelle seit 1830 ein Fort, das bedeutendste der innern Befestigungslinie von Paris, erbaut wurde, welches ein bastioniertes Fünfeck mit ungefähr 400 Schritt langen Polygonseiten und gewaltigen Profilen bildet. Der V. hatte seiner überhöhenden Lage und starken Armierung (darunter die Valerie, ein 21 cm Marinegeschütz, jetzt neben dem Zeughaus in Berlin aufgestellt) wegen großen Einfluß auf die Belagerung von Paris 1870/71. Am 19. Jan. 1871 großes Ausfallgefecht am Fuß des V. gegen das 5. preußische Armeekorps. Während der Kommunekämpfe war der V. von den Regierungstruppen besetzt, welche von hier die Vorstädte, namentlich Neuilly, bombardierten. Jetzt befindet sich auf dem V. die Zentral-Brieftaubenstation.

Valerĭus, Name eines berühmten patrizischen Geschlechts zu Rom, von sabinischer Abstammung, dessen Ahnherr Volesus zwischen Romulus und Tatius Frieden gestiftet und mit diesem zu Rom sich niedergelassen haben soll. Publius V. Poplicola bekleidete, nachdem er den Sturz der Tarquinier mit herbeigeführt, 509-504 v. Chr. viermal das Konsulat und focht in dieser Stellung gegen die Vejenter, gegen Porsena, die Etrusker und Sabiner. Die Gesetze (leges Valeriae), welche er 509 zur Begründung der neuen Freiheit beantragte, namentlich die Einführung des Provokationsrechts, verschafften ihm den Beinamen Poplicola. Er starb 503 und wurde auf öffentliche Kosten bestattet. Sein Bruder Marcus V. Volesus kämpfte 505 glücklich gegen die Sabiner, ward im folgenden Jahr Legat seines Bruders im Sabinerkrieg und soll in der Schlacht am Regillussee (496) seinen Tod gefunden haben. Lucius V. Poplicola Potitus, Enkel des Poplicola, war mit M. Horatius Barbatus nach dem Sturz der Dezemvirnherrschaft 449 Konsul, siegte als solcher über die Äquer und erließ mit seinem Kollegen die Leges Valeriae Horatiae, die von neuem die Freiheit der Gemeinde begründen sollten. Marcus V., einer der größten römischen Kriegshelden, besiegte, als er 349 unter dem Konsul L. Furius Camillus Kriegstribun gegen die Gallier war, durch den Beistand eines Raben, der sich auf seinen Helm setzte, einen Feind im Zweikampf, weshalb er den Beinamen Corvus, d. h. der Rabe, erhielt. Er war sechsmal Konsul und zweimal Diktator und bekleidete 21mal kurulische Ämter. Unter seinen zahlreichen Siegen sind die berühmtesten die, welche er 343 am Berge Gaurus und bei Suessula über die Samniter gewann. Manius V. Maximus Messalla focht 263 als Konsul in Sizilien gegen die Karthager und gegen Hieron von Syrakus; er soll den Beinamen Messalla von der Eroberung der Stadt Messalla bekommen haben, die aber nicht von ihm, sondern von dem Konsul des Jahrs 264 eingenommen wurde. Quintus V. Falto führte 241 in der Schlacht bei den Ägatischen Inseln statt des erkrankten Konsuls Quintus Lutatius Catulus den Oberbefehl und feierte einen Triumphus navalis. Marcus V. Lävinus, Prätor 215, focht mehrere Jahre nacheinander glücklich gegen Philipp von Makedonien und beendete die Eroberung Siziliens. Er starb 200 als Proprätor in Makedonien. Lucius V. Flaccus bekleidete 195 mit dem ältern Cato das Konsulat und 184 die Zensur. Ein andrer Lucius V. Flaccus war erst Flamen Martialis, dann 100 Konsul mit Gajus Marius. Nach dessen Tod wurde er 86 zum zweitenmal Konsul und als solcher nach Asien geschickt, um statt des Sulla den Krieg gegen Mithridates zu übernehmen, ward aber von seinen meuterischen Truppen ermordet. Ein dritter Lucius V. Flaccus beantragte als Interrex 82 die Ernennung des Sulla zum Diktator. Ein vierter Lucius V. Flaccus unterstützte als Prätor 63 Cicero in dem Kampf gegen die Catilinarier, indem er insbesondere die Gesandten der Allobroger gefangen nahm. Im folgenden Jahr als Proprätor nach Asien gesandt, veranlaßte er durch Erpressungen eine Anklage, gegen die ihn Cicero in einer noch vorhandenen Rede mit Erfolg verteidigte. Einer plebejischen Familie des Geschlechts der Valerier gehörte an Gajus V. Triarius, Freund des Cicero, der 51 Volkstribun war, im Bürgerkrieg 49 die asiatischen Schiffe des Pompejus befehligte und in der Schlacht bei Pharsalos wahrscheinlich seinen Tod fand. Das Geschlecht der Valerier dauerte die Kaiserzeit hindurch, und noch Ende des 4. Jahrh. n. Chr. wird der Senator V. Proculus bei Symmachus als einer der rechtschaffensten Römer gefeiert. Vgl. Messalla Corvinus.

Valerĭus Flaccus, Gajus, röm. Dichter, aus der Zeit des Vespasian und Titus, noch vor 90 n. Chr. gestorben, begann um 70 n. Chr. ein Vespasian gewidmetes, unvollendetes Gedicht über die Argonautenfahrt (»Argonautica«) in acht Büchern, eine erweiternde Nachbildung der gleichnamigen Dichtung des Apollonios von Rhodos in harter und mit rhetorischem Schmuck überladener Sprache. Ausgaben von Burmann (Leid. 1724), Thilo (Halle 1863), Schenkl (Berl. 1871), Bährens (Leipz. 1875); Übersetzung von Wunderlich (Erfurt 1805).

Valerĭus Maxĭmus, röm. Historiker, schrieb zwischen 29 und 32 n. Chr. die noch erhaltenen »Factorum dictorumque memorabilium libri IX ad Tiberium Caesarem Augustum«, eine nach bestimmten sachlichen Gesichtspunkten angelegte Sammlung geschichtlicher Beispiele, die aus verschiedenen ältern Quellen, nicht selten ohne die rechte Kritik, geschöpft und in einer manierierten, schwülstigen Sprache für den Gebrauch der Redner und der rhetorischen Schulen zusammengestellt ist. Wir besitzen außer dem Werk selbst noch zwei Auszüge desselben, von Julius Paris und von Januarius Nepotianus, beide von Mai (1828) herausgegeben. Die besten Ausgaben besorgten Aldus Manutius (Vened. 1534), Lipsius (Antw. 1585), Kempf (2. Aufl., Leipz. 1888) und Halm (das. 1865); eine deutsche Übersetzung Hoffmann (Stuttg. 1829).

Vāles hießen früher in Spanien die Anweisungen auf das aus Amerika kommende Silber, daher V. consolidados.