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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Vereinigte Staaten von N.-A.

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Vereinigte Staaten von N.-A. (Viehzucht, Holzproduktion, Bergbau, Industrie).

führen; aber bei der raschen Abnahme der noch verfügbaren für den Ackerbau geeigneten Ländereien dürfte dies nicht mehr lange dauern.

Die Viehzucht nimmt stets größere Verhältnisse an und liefert schon jetzt einen ganz beträchtlichen Bruchteil der Ausfuhr des Landes. Rindviehzucht blüht namentlich im NO., in Texas und im fernen Westen, Pferdezucht in Kentucky, Schweinezucht im W. und Schafzucht in allen Staaten. Für Veredelung der Haustiere, die, sämtlich von Europa eingeführt, in Amerika sich verschlechterten, geschieht jetzt viel, und wenn auch die amerikanische Wolle sich mit der deutschen noch nicht messen kann, so findet das frische, in künstlich gekühlten Schiffsräumen nach England geschaffte Rindfleisch stets bereite Abnehmer, und amerikanische Schinken und Pökelfleisch, Käse und selbst Butter haben ihren Weg in fast alle Teile der Welt gefunden. 1888 zählte man 13,172,936 Pferde, 2,191,727 Maultiere, 48,934,777 Rinder, 43,544,755 Schafe und 44,346,525 Schweine. In 872 Schlächtereien wurden 1880: 20 Mill. Tiere geschlachtet und verpackt, die 1608 Mill. kg Fleisch und 227 Mill. kg Schmalz lieferten. In demselben Jahr wurden auf den Farmen und in großartig angelegten Fabriken 360 Mill. kg Butter und 91 Mill. kg Käse hergestellt, und die Schafe lieferten 109 Mill. kg Wolle.

Die Holzproduktion ist trotz der Verminderung des Holzbestandes noch sehr ansehnlich. Bei der rasch vorgeschrittenen Urbarmachung des Bodens in denjenigen Staaten, wo früher die ausgedehntesten Urwälder vorhanden waren, und bei der gänzlichen Vernachlässigung der Waldkultur in den schon länger kolonisierten Staaten ist es bereits dahin gekommen, daß in einem großen Teil der Neuenglandstaaten eher Mangel als Überfluß an Holz herrscht. Der einzige größere Wald in dem ehemals so holzreichen New York liegt in den Adirondacbergen. Wisconsin, Michigan und Minnesota zerstören sinnlos ihre Waldungen, und selbst im fernsten Westen fängt man schon an, Holzmangel zu spüren. Im J. 1880 schätzte man den Holzertrag auf 187 Mill. cbm, im J. 1888 auf 845 Mill. cbm.

Ungemein wichtig ist die Fischerei. 1880 beschäftigte dieselbe 131,426 Menschen mit 6605 Schiffen und 44,804 Kähnen und lieferte einen Ertrag von 43 Mill. Doll. Davon kamen auf Austernfang 13,4 Mill., auf Walfischfang 2,3 Mill. und auf Robbenschlag 2,3 Mill. Doll. Diese Beträge scheinen viel zu gering zu sein, denn im J. 1886 erzielten die von New Bedford und San Francisco abgefahrenen 124 Waler einen Ertrag von 21,7 Mill. Doll.

Bergbau.

Von ungemeiner Wichtigkeit ist der Bergbau und die Gewinnung nützlicher Mineralien, denn bereits 1880 beschäftigten Bergwerke u. Steinbrüche 250,846 Menschen, und im J. 1887 schätzte man den Wert der geförderten Metalle auf 250 Mill. Doll. und den der gewonnenen Mineralien jeder Art (einschließlich von natürlichem Gas und Mineralwässern) auf 288 Mill. Doll. (gegen 206 Mill. Doll. im J. 1880). Die Edelmetalle kommen zwar auch in den Alleghanies vor, ihren Hauptertrag aber liefern, was Gold betrifft, Kalifornien, Colorado und Dakota, während Colorado, Utah, Nevada und Montana am reichsten an Silber sind. Das Verhältnis im Ertrag von Gold und Silber hat sich seit 1860 total verändert, denn während 1850-59 für 555 Mill. Doll. Gold und für 550,000 Doll. Silber gefördert wurden, war der Ertrag 1860-79: 879 Mill. Doll. Gold und 422 Mill. Doll. Silber, und 1880-87 gar nur 264 Mill. Doll. Gold gegen 375 Mill. Doll. Silber. Im J. 1887 lieferten die Gruben für 33,1 Mill. Doll. Gold und 53,4 Mill. Doll. Silber. Dem Wert nach viel wichtiger sind aber Steinkohlen und Eisen. Die Kohlenbecken der Vereinigten Staaten bedecken 497,670 qkm und bilden drei Gruppen: eine atlantische, die namentlich die Anthracitkohlen von Pennsylvanien liefert, eine westzentrale und eine ostzentrale. Im J. 1860 betrug die Kohlenausbeute erst 17 Mill. Ton., 1870 bereits 31 Mill., 1880: 66 Mill. und 1887: 116 Mill. T. Gleiche Fortschritte machte die Produktion von Roheisen (1860: 1 Mill., 1880: 3,9 Mill., 1887: 6,4 Mill. T.). Der Hauptertrag (fast die Hälfte) kam davon auf Pennsylvanien. Kupfer (1887: 83,913 T.) kommt namentlich in Michigan (am Obern See), in Montana und Arizona vor; Blei (145,784 T.) in Colorado (Leadville) und Utah (Frisco); Zink (45,600 T.) in Kentucky, New Jersey und Pennsylvanien; Quecksilber (33,825 Flaschen) fast nur in Kalifornien. An andern Metallen verdienen Erwähnung Antimon und Nickel, in ganz unbedeutenden Quantitäten. Unter den nichtmetallischen Mineralien gebührt der erste Platz nächst Steinkohlen den Bausteinen (25 Mill. Doll.) und nächst ihnen dem Kalk (23,4 Mill. Doll.). Petroleum (1887: 28 Mill. Faß) findet man nur in New York und Pennsylvanien in erheblichen Quantitäten, und ebendort treten natürliche Brenngase zu Tage, deren Wert 1887 auf 13,6 Mill. Doll. geschätzt wird. Salz (7,831,962 Faß) findet sich namentlich in Michigan und New York. An sonstigen Mineralien werden Zement, Phosphate, Kaolin und Thon in den Listen mit namhaften Summen aufgeführt.

Industrie.

Die Industrie hat im Lauf der letzten Zeit, allerdings teilweise infolge des Schutzzollsystems, ungeheure Fortschritte gemacht, und ihre Erzeugnisse können sich im ganzen mit denen Europas recht gut messen und übertreffen sie sogar in vielen Fällen. Hauptsitz dieser Industrie sind die nördlichen, namentlich aber die nordöstlichen Staaten. Ein Vergleich zwischen 1870 und 1880 ergibt folgendes:

1870 1880

Zahl der gewerblichen Anstalten 252148 253852

Arbeiter 2053996 2732595

Angelegtes Kapital (Dollar) 2118208769 2790272606

Rohstoffe, verarbeitet für (Dollar) 2488427243 3396823540

Arbeitslöhne (Dollar) 775584343 947953795

Erzeugnisse (Dollar) 4232325442 5369579191

Reingewinn des Anlagekapitals 45,7 Proz. 36,7 Proz.

Diese Zahlen, mit ähnlichen für europäische Länder verglichen, geben freilich eine falsche Vorstellung von der Industrie der Vereinigten Staaten, insofern sie sich nicht nur auf den Bau von Häusern und Eisenbahnen sowie fast auf sämtliche kleine Gewerbe erstrecken, sondern auch den Wert der Rohstoffe, die mehrere Prozesse durchlaufen, zwei- und mehrmal angeben, wie z. B. Korn bei Erzeugung von Mehl, Mehl bei Erzeugung von Backwaren. Über die Hälfte sämtlicher Erzeugnisse für das Jahr 1880 fällt auf vier Staaten: New York, Massachusetts, Pennsylvanien und Ohio. Im allgemeinen gilt, daß Pennsylvanien Hauptsitz der Eisenindustrie, Neuengland der Textil und New York der Bekleidungsindustrie ist. Neben den zahlreichen Wasserfällen arbeiteten 1880: 56,483 Dampfmaschinen mit 2,185,458 Pferdekraft. Der durchschnittliche Arbeitslohn betrug 1860: 289 Doll., 1870: 374 Doll., 1880 aber nur 347 Doll., und da inzwischen die notwendigsten Lebensbedürfnisse infolge des Schutzzollsystems seit 1870 nicht billiger