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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Verneuil; Vernickeln; Vernier; Vernon; Vernoux; Vernunft

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Verneuil - Vernunft.

eine Reihe von Gemälden war, die zwischen Genre- und Historienmalerei die Mitte halten. Dahin gehören: Raffael und Michelangelo im Vatikan, Kampf von Räubern gegen päpstliche Gendarmen, die Beichte des sterbenden Räubers, Papst Leo XII. auf dem Weg nach der Peterskirche, Judith und Holofernes. Nach Paris zurückgekehrt, widmete sich V. wieder der Schlachtenmalerei und stellte im Salon 1836 die vier großen Bilder: Friedland, Wagram, Jena und Fontenoy aus. Von Ludwig Philipp mit der Ausschmückung der Konstantinegalerie im Museum von Versailles beauftragt, bereiste er 1838 Nordafrika, wo er die Studien zu den vierzehn Gemälden machte, mit welchen er die aus sieben Sälen bestehende Galerie füllte. Die drei größten stellen den Beginn der Beschießung von Konstantine, die Eröffnung des Sturms und die Einnahme der Stadt dar. Das Studium des orientalischen Lebens brachte ihn auf den Gedanken, biblische Stoffe im Gewand des modernen Orients zu behandeln. Doch kamen seine Gemälde dieser Art (Abraham verstößt Hagar, Rebekka und Elieser am Brunnen, Judith auf dem Weg zum Holofernes) nicht über das Genremäßige hinaus. Größern Beifall fanden dagegen seine afrikanischen Sittenbilder (Eberjagd, Löwenjagd, Sklavenmarkt, Post in der Wüste). 1843 ging er nach Rußland, ward dort vom Kaiser Nikolaus mit großer Auszeichnung empfangen und begleitete denselben einige Monate auf Reisen und Musterungen, unter andern in den Kaukasus. 1814 kehrte V. nach Frankreich zurück und malte nach einer abermaligen Reise nach Algier im Auftrag des Königs die Wegnahme der Smalah Abd el Kaders (1845) und die Schlacht bei Isly (1846). Außer einer großen Anzahl historischer Gemälde hat er auch zahlreiche Porträte gemalt, unter andern die Napoleons I., des Herzogs von Orléans, der Marschälle Saint-Cyr und Gerard, Thorwaldsens, der Herzöge von Tarent und von Reggio, Ludwig Philipps und seiner Söhne, Napoleons III. Er starb 17. Jan. 1863 in Paris. V. war einer der fleißigsten und fruchtbarsten französischen Maler. Die Eigenschaften, welche ihn als Künstler auszeichnen, sind Reichtum der Erfindung. Klarheit der Anordnung und lebensvolles Feuer. Doch trug seine Ausführung stets den Charakter der Improvisation, und die Einzelheiten sind mehr der Phantasie als dem Studium der Natur entnommen. V. hat durch seine ruhmrednerischen Darstellungen sehr viel dazu beigetragen, den französischen Chauvinismus zu fördern. Vgl. Durande, Joseph, Carle et Horace V. (Par. 1865).

Verneuil (spr. wernöj), Stadt im franz. Departement Eure, Arrondissement Evreux, am Avre und an der Westbahnlinie Paris-Granville, mit mehreren alten Kirchen, Bibliothek, Fabrikation von Bändern, Kupfergießerei und (1881) 3430 Einw. Hier 17. Aug. 1424 Sieg der Engländer unter dem Herzog von Bedford über die Franzosen unter dem Herzog von Alençon.

Verneuil (spr. wernöj), Philippe Edouard Poulletier de, Geolog, geb. 13. Febr. 1805 zu Paris, war erst Advokat, dann Attaché beim Justizministerium und starb 29. Mai 1873 in Paris. Als Frucht vieler geologischer Reisen veröffentlichte er: »Mémoire géologique sur la Crimée« (mit d'Archiac, Par. 1837); »Mémoire sur les fossiles des bords du Rhin« (das. 1842); Beiträge zur »Geology of Russia« (mit Murchison und Keyserling, Lond. 1845; deutsch von Leonhard, Stuttg. 1848); mehreres über die Geologie Spaniens u. a.

Vernickeln, Metalle mit Nickel überziehen. Man erhitzt in einem kupfernen Kessel Chlorzinklösung säuert mit Salzsäure an, fügt Zinkpulver hinzu, wodurch das Kupfer verzinkt wird, dann Nickelchlorür oder Kaliumnickelsulfat, bis die Lösung deutlich grün ist, legt das zu vernickelnde Metall (Schmiedeeisen, Gußeisen, Stahl, Kupfer, Messing, Zink, Blei) mit Zinkblechschnitzeln ein, kocht 15 Minuten, wäscht und putzt mit Schlämmkreide. Messing, Zink, Eisen, Stahl werden galvanisch vernickelt unter Anwendung einer bei 20-25% gesättigten Lösung von schwefelsaurem Nickeloxydulammoniak, wobei die angegebene Temperatur innegehalten werden muß. Bei Anwendung von Elektroden aus reinem Nickel bleibt das Bad stets neutral, indem sich so viel Nickel löst, wie ausgeschieden wird. Um das Abspringen des Nickelüberzugs zu vermeiden, erhitzt man die abgetrockneten vernickelten Gegenstände im Ölbad auf 250-270°. Powell hat auch andre Nickelsalze angewandt und unter Zusatz von Benzoesäure gute Resultate erzielt. Die schöne, haltbare, harte und an der Luft unveränderliche Vernickelung ist sehr schnell populär geworden und wird auf allerlei technische Apparate, Maschinenteile, Schlösser, Schlüssel, Druckplatten, chirurgische Instrumente, Waffen, Ketten, Öfen, allerlei Hausgerät, namentlich auch Kochgeschirr, Wagenteile etc. angewandt. Direkte Versuche haben ergeben, daß der Nickelüberzug vollkommen unschädlich ist. 2 Lit. Milch, welche in einem Geschirr aus reinem Nickel 8 Tage gestanden hatte und stark sauer geworden war, enthielt nur 0,002 g Nickel. Auf analoge Weise kann man auch einen Kobaltüberzug darstellen, der sehr glänzend, fast silberweiß, härter, zäher und an der Luft ebenso haltbar ist wie der Nickelüberzug. Er verdient neben diesem alle Beachtung und scheint namentlich auf Kupferdruckplatten wesentliche Vorteile darzubieten. Als »vernickelt« kommen auch vielfach aus nickelplattiertem Eisenblech hergestellte Gegenstände in den Handel, die den bei weitem stärkern Nickelüberzug erheblich länger konservieren als galvanisch vernickelte Waren. Vgl. Hartmann, Das Verzinnen, V. etc. (Wien 1886).

Vernier (spr. wernjeh), Pierre, Mathematiker, geb. 1580 zu Ornans in Burgund, gest. 14. Sept. 1637 als Münzdirektor, Kommandant des Schlosses Ornans und Rat des Königs von Spanien, berühmt als der Erfinder (1631) eines sinnreichen Instruments, welches seinen Namen führt, mit Unrecht aber auch Nonius (s. d.) genannt wird. Er schrieb: »La construction, l'usage et les propriétés du quadrant, nouveau de mathématiques« (Brüssel 1631).

Vernon (spr. wernóng), Stadt im franz. Departement Eure, Arrondissement Evreux, links an der Seine, über welche eine steinerne Brücke führt, und an den Eisenbahnlinien Paris-Le Havre und Pacy sur Eure-Gisors, umgeben von den letzten Weinbergen, denen man stromab begegnet, hat eine schöne Kirche aus dem 12.-15. Jahrh., Militärmagazine u. Werkstätten, Fabrikation von Baumwollwaren, Wein- und Getreidehandel, Steinbrüche und (1886) 6234 Einw.

Vernoux (spr. wernuh), Stadt im franz. Departement Ardèche, Arrondissement Tournon, hat eine reformierte Konsistorialkirche, Seidenproduktion, Tuchhandel und (1881) 1466 Einw.

Vernunft (Ratio) wird sowohl zur Bezeichnung einer gewissen Geistes als einer gewissen Charakterbeschaffenheit gebraucht. In ersterer Bedeutung wird demjenigen V. beigelegt, welcher die Fähigkeit besitzt, sachliche Gründe zu vernehmen und sich durch deren Inhalt zu seinem Urteil über Wahrheit oder Falschheit (einer Behauptung; theoretische V.), Löblichkeit oder Verwerflichkeit (einer Handlungsweise; praktische