Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Vic; Vicarello; Vicari; Vice...; Vicelīnus; Vicente; Vicenza

181

Vic - Vicenza.

sägten oder gezahnten Blättern, achsel- oder endständigen Rispen und Doldenrispen weißer oder rötlicher Blüten, bisweilen größern, strahlenden und sterilen Randblüten und trockner oder fleischiger Steinfrucht. Etwa 80 Arten, meist in den gemäßigten Klimaten der nördlichen Erdhälfte und in den Anden Amerikas. V. Lantana L. (gemeine Schlinge, Schwindelbeerbaum, Kandelbeere, türkische Weide), ein 2-2,5 m hoher Strauch oder bis 6 m hoher Baum mit breit länglichen, unterseits dichtfilzigen, scharf gezahnten Blättern, großen, wenig konvexen Scheindolden, weißen Blüten und roten, zuletzt schwarzen Früchten, wächst in Europa und dem Orient und wird häufig als Zierstrauch angepflanzt. Die innere Rinde ist scharf und zieht Blasen, weshalb man sie früher zu Haarseilen bei Haustieren benutzte. Die schlanken, biegsamen Zweige dienen zu Dohnen, Faßreifen, Pfeifenrohren (türkisches Pfeifenholz). V. Opulus L. (Schneeball, Wasserahorn, Kalinkenholz), ein 2-4,5 m hoher Strauch mit eirunden oder rundlichen, drei- oder fünflappigen, an den Abschnitten gezahnten und zugespitzten, unterseits schwach behaarten Blättern, gestielten Scheindolden mit am Rand unfruchtbaren, weißen Blüten und hellroten Beeren, wächst in ganz Europa, im nördlichen Orient, in Sibirien und Nordamerika, wird in den Gärten mit kugeligen, aus lauter radförmigen, geschlechtslosen Blüten zusammengesetzten Trugdolden als gefüllter Schneeball, Rosenholder, geldrische Rose kultiviert. Aus der Wurzel bereitet man in Südeuropa Vogelleim, in Sibirien ein berauschendes Getränk. V. Tinus L. (Laurustin, Bastard-, Steinlorbeer), ein immergrüner Strauch mit dunkelgrünen, länglichen, spitzen, ganzrandigen, unterseits in den Winkeln der Nerven behaarten Blättern, konvexen Scheindolden am Ende nicht sehr kurzer Zweige und schwarzblauen Beeren, wächst in Spanien, Südfrankreich, Italien, Nordafrika und wird bei uns als Kalthaus- und sehr harte Zimmerpflanze kultiviert. Die Beeren führen sehr stark ab und dienten früher als Heilmittel.

Vic, 1) V. sur Seille (spr. wik ssür ssäj), Kantonshauptstadt im deutschen Bezirk Lothringen, Kreis Château-Salins, an der Seille und der Eisenbahn Burthécourt-V., hat eine kath. Kirche, ein Amtsgericht, ein Hauptzollamt, eine Saline, Gips- und Kalkbrennerei, eine Gerberei, Wein- und Hopfenbau und (1885) 2143 Einw. V., eine sehr alte Stadt, gehörte im Mittelalter zum Bistum Metz und kam 1552 an Frankreich. -

2) V. en Bigorre, Stadt im franz. Departement Oberpyrenäen, Arrondissement Tarbes, an der Südbahnlinie Tarbes-Auch, von welcher hier die Linie nach Morceux abzweigt, hat ein Collège, Hengstedepot, Gerberei, Branntweinbrennerei und (1881) 3339 Einw. -

3) V.-Fezensac, Stadt im franz. Departement Gers, Arrondissement Auch, an der Losse, mit ergiebigem Weinbau, Fabrikation von Ackerbaugerätschaften, Mühlsteinen, chemischen Produkten etc. und (1881) 3233 Einw. -

4) V. le Comte, Stadt im franz. Departement Puy de Dôme, Arrondissement Clermont, an der Eisenbahn von St.-Germain des Fosses nach Nîmes, mit Fayencefabrikation, Mineralquelle, Kohlengruben, einer modernen Kirche mit Chorkapelle aus dem 16. Jahrh. und (1881) 2087 Einw. -

5) V. sur Cère, Flecken im franz. Departement Cantal, Arrondissement Aurillac, unfern der Cère, an der Eisenbahn Arvant-Figeac, mit Mineralquellen (15° C.) und (1881) 910 Einw.

Vicarello, Dorf in der ital. Provinz Rom, am Lago di Bracciano, mit Mineralquellen von 45° C. (die alten Aquae Apollinares). Bei der Anlage des neuen Badehauses im J. 1852 fand man Münzen, silberne Becher u. a., zum Teil mit Inschriften (jetzt im Museo Kircher zu Rom).

Vicari, Hermann von, Erzbischof von Freiburg, geb. 13. Mai 1773 zu Aulendorf in Württemberg, studierte in Wien die Rechte, dann in Konstanz kurze Zeit Theologie, ward 1797 zum Priester geweiht und auf das Kanonikat zu St. Johann in Konstanz investiert. 1802 ernannte ihn Karl Theodor von Dalberg zum Beisitzer beim bischöflichen Regierungskollegium, bald darauf zum geistlichen Regierungsrat und 1806 zum Offizial der bischöflichen Kurie. 1827 ward V. als Generalvikar an das Domkapitel in Freiburg berufen, 1830 zum Domdekan ernannt, im April 1832 zum Weihbischof konsekriert und zum Vikar des Erzbischofs bestellt, 1836 zum Verweser des Erzbistums und 1842 zum Erzbischof und Metropoliten der oberrheinischen Kirchenprovinz erwählt. Früher gemäßigt und zurückhaltend, machte sich V. fortan, namentlich seit 1848, zum Werkzeug der ultramontanen Bestrebungen, der Kirche völlige Freiheit und die Herrschaft über den Staat zu verschaffen. Nachdem er durch Errichtung von Seminaren, Einführung von Orden, Jesuitenmissionen etc. sich den Klerus seiner Diözese völlig unterworfen, ging er, namentlich seit den Stürmen der Jahre 1848-49, im Verein mit den übrigen Bischöfen der rheinischen Kirchenprovinz aggressiv gegen die Staatsgesetze vor, indem er ihre Befolgung in Ehesachen, bei Besetzung der Pfründen, Prüfung der Geistlichkeit etc. als mit den Rechten der Kirche und seinem Gewissen unvereinbar verbot, staatstreue Geistliche und Beamte mit Strafe belegte und das Kirchenvermögen in seine Gewalt brachte. Vom 22.-31. Mai 1854 war er des Ungehorsams gegen die Staatsgesetze wegen auch verhaftet. Doch gab schließlich die Regierung nach und schloß 1859 das Konkordat mit dem päpstlichen Stuhl, welches Vicaris meiste Forderungen zugestand. Gegen die nach Aufhebung desselben erlassenen Kirchengesetze von 1860 erhob V. Protest. Doch erlitt er in dem Schulstreit eine entschiedene Niederlage und raubte durch seine schroff ablehnende Haltung der Geistlichkeit jeden Einfluß auf die Volksschule. Er starb, nachdem er kurz zuvor unter großen Auszeichnungen sein 25jähriges Amtsjubiläum gefeiert hatte, 14. April 1868 in Freiburg.

Vice..., s. Vize...

Vicelīnus (Wizelin), der Heilige, Apostel des nordwestlichen Wendenstammes (Wagnerwenden, Wagnier), seit 1149 Bischof von Oldenburg. Die in einem unsteten Leben, unter unausgesetzter Mühsal, durch die Feindschaft zwischen dem Bischof von Hamburg und Heinrich dem Löwen, den Kreuzzug von 1147 und die ganze Unsicherheit der Zeiten erschwerte Aussaat ging erst nach seinem 12. Dez. 1154 erfolgten Tod auf. Aber das Christentum in Oldenburg, Mecklenburg und Holstein, bez. die Wiedergewinnung dieser Länder für dasselbe ist wesentlich das Werk dieses Mannes und seines kurz vor ihm verstorbenen Freundes Theotmar. Vgl. Kruse, Das Leben des heil. Vicelin (Altona 1826); Haupt, Die Vizelinskirchen (Kiel 1884).

Vicente, Gil, s. Gil Vicente.

Vicenza (spr. witschénza), ital. Provinz in der Landschaft Venetien, grenzt im O. an die Provinzen Belluno und Treviso, im SO. an Padua, im SW. an Verona, im W. und N. an Tirol und hat einen Flächenraum von 2632, nach Strelbitsky 2785 qkm (50,58 QM.) mit (1881) 396,349 Einw. Im N. um-^[folgende Seite]