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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Vilajet; Vilbel; Vilbort; Vill.; Villa; Villa-alta; Villa Bella; Villa Carlotta; Villa do Conde; Villach

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Vilajet - Villa do Conde.

Vilajet, s. Wilajet.

Vilbel, Flecken in der hess. Provinz Oberhessen, Kreis Friedberg, an der Nidda und der Linie Kassel-Frankfurt a. M. der Preußischen Staatsbahn, hat eine evangelische und eine kath. Kirche, eine Schloßruine, eine Mineralquelle, ein Amtsgericht, eine große Baumschule, Tabaks-, Zigarren- und Likörfabrikation, Ziegelbrennerei, Mineralwasserhandel und (1885) 3822 Einw. In der Umgegend wurden viele römische Altertümer gefunden, namentlich wurde 1849 beim Bau der Eisenbahn ein Bad mit prächtigem Mosaikboden ausgegraben.

Vilbort (spr. wilbōr), Joseph, franz. Schriftsteller, geb. 9. Aug. 1829 zu Brüssel, besuchte die Universität daselbst und begab sich 1855 nach Paris, wo er an mehreren Zeitungen als Mitarbeiter beschäftigt war. 1866 begleitete er als Korrespondent des »Siécle« das preußische Hauptquartier auf dem böhmischen Feldzug. 1880 wurde er Chefredakteur der Zeitung »Le Globe«. Er schrieb: »Cavour« (1861); »La Pologne et son droit« (1861); »L'œuvre de M. de Bismarck« (1869), ein Werk, das einen großen Leserkreis fand und die Franzosen zuerst über Bismarck und Preußen belehrte (deutsch, Berl. 1870, 2 Bde.); »En Kabylie, voyage d'une Parisienne au Djurjura« (1875); auch einen Band dramatischer Dichtungen (1857) und Belletristisches, wie »Les héroïnes, nouvelles polonaises« (1864); »Les cyniques« (1866); »Nouvelles campinoises« (1877); »La chimère d'amour« (1883) u. a.

Vill., bei botan. Namen Abkürzung für D. Villars, geb. 1745 in der Dauphiné, gest. 1814 als Professor der Botanik in Straßburg. Flora Südfrankreichs.

Villa, in Spanien (spr. wilja) und Portugal sowie in deren frühern Kolonien in Amerika Bezeichnung einer Stadt zweiten Ranges, zum Unterschied von den Städten ersten Ranges (s. Ciudad) und den Hauptstädten oder Capitales (portug. Capitães).

Villa (lat.), bei den Römern ein Haus auf dem Land. Auf den Gütern der reichen Römer hieß das nach städtischer Art gebaute, später meist mit verschwenderischem Luxus ausgestattete und für alle Jahreszeiten eingerichtete Herrenhaus V. urbana (städtische V.) oder, wenn es in der Nähe der Stadt gelegen war, V. suburbana (vorstädtische V.). An diese reihte sich die V. rustica (ländliche V.), welche die oft sehr zahlreichen Wirtschaftsgebäude, Gemüse-, Obst-, Oliven- und Weingärten in sich schloß. Durch besondere Pracht ausgezeichnete Villen waren die des Lucullus, Augustus, Pompejus, Cicero, Hortensius, Plinius, Caligula, Nero, Hadrianus etc. Gewöhnlich hatte ein reicher Römer deren mehrere. Zur Zeit der Karolinger hießen Villae regiae die königlichen Meiereien oder Domänen, auf denen häufig die Könige ihren Aufenthalt nahmen. Der römische Villenbau wurde seit dem Anfang des 14. Jahrh. von den Italienern aufgenommen und in denselben Abarten gepflegt. Seine höchste Blüte erreichte er in der Renaissance- und Barockzeit, und die berühmtesten Architekten haben miteinander in den reizvollsten Villenanlagen gewetteifert. Die künstlerisch oder geschichtlich bedeutendsten italienischen Villen sind die Mediceische V. Careggi bei Florenz, die Villen Farnesina von Peruzzi, Madama von Raffael, Lante von Giulio Romano, Borghese, Mattei, Medici und Albani in und bei Rom, die V. d'Este bei Tivoli, die Villen Aldobrandini und Mondragone bei Frascati, die V. Doria bei Genua und die V. Maser bei Treviso. Im 19. Jahrh. hat der Villenbau eine solche Ausdehnung genommen, daß die Vorstädte aller größern Städte fast ausschließlich aus Villen bestehen und in der Nähe vieler großer Städte sogen. Vororte entstanden sind, deren meist von je Einer Familie bewohnte Hauser einen villenartigen Charakter haben. Der Villenbau ist dadurch zu einem besondern Zweig der modernen Baukunst geworden. Als klassische Beispiele der V. und des villenartigen Wohnhauses aus neuerer Zeit gelten die V. Charlottenhof bei Potsdam von Schinkel, die V. Berg bei Stuttgart von Leins, die V. Carlotta am Comersee und die V. Pallavicini-Durazzo in Pegli bei Genua. Vorgärten, Veranden, offene Balkone, Erker und Türmchen in möglichst malerischer Komposition sind die charakteristischen Eigentümlichkeiten der modernen städtischen V. Vgl. »Villen und Landhäuser«, Sammlung (Berl. 1885). S. auch Wohnhaus.

Villa, Tommaso, ital. Minister, geb. 1829 zu Mondovi, studierte in Turin und wurde in das Kollegium von Friaul aufgenommen, wo er sich durch große Intelligenz und umfassendes Wissen hervorthat, ward darauf Mitglied der Abgeordnetenkammer, die ihn wiederholt zum Vizepräsidenten wählte, und in welcher er der Linken angehörte, wie er auch Gemeinderat von Turin war. Im Juli 1879 trat er als Minister des Innern in das Ministerium Cairoli und übernahm bei der Ministerkrisis im November die Justiz, trat aber 14. Mai 1881 zurück und schloß sich der Pentarchie an.

Villa-alta (spr. wilja-, San Ildefonso de V.), Stadt im mexikan. Staat Oajaca, 1135 m ü. M., in gesunder, waldreicher Gegend, mit Baumwoll-, Kaffee- und Tabaksbau, Pita- (Agavefasern-) Weberei und (1880) 44,362 Einw. im Munizipium.

Villa Bella, Stadt in Brasilien, s. Mato Grosso.

Villa Carlotta, s. Cadenabbia.

Villach, Stadt im österreich. Herzogtum Kärnten, an der Drau, über welche eine neue eiserne Brücke führt, Knotenpunkt der Südbahn (Marburg-Franzensfeste) und der Staatsbahnlinie St. Michael-Pontafel, ist Sitz einer Bezirkshauptmannschaft und eines Bezirksgerichts, hat alte Ringmauern, eine gotische Pfarrkirche mit zahlreichen Grabsteinen, interessanter Kanzel und 95 m hohem Turm, Denkmäler des Kaisers Joseph II. und des Bildhauers Hans Gasser, ein Obergymnasium, eine Fachschule für Holzindustrie, Fabriken für Maschinen und Bleiwaren, eine Dampfbrettsäge, lebhaften Handel, namentlich in Holz nach Italien, und (1880) 5406 Einw. In der Umgebung bestehen mehrere Eisenhämmer und Fabriken für Bleiprodukte. Südlich von der Stadt liegt das hübsche Warmbad V., eine Therme von 29° C., mit gut eingerichtetem Badehaus; südöstlich der schöne Faaker See. Im W. erhebt sich der aussichtsreiche Dobratsch, auch Villacher Alpe genannt, 2167 m hoch, zwischen dem Drau- und Gailthal, mit zwei Kirchlein und Gasthaus. - V., im Mittelalter ein Hauptplatz des deutsch-italienischen Handels, ward von Heinrich II. 1007 dem neuerrichteten Bistum Bamberg geschenkt und blieb in dessen Besitz bis 1760, wo es an Österreich verkauft wurde. Hier 1492 Sieg Maximilians I. über die Türken und 21. Aug. 1813 Gefecht zwischen den Österreichern unter Frimont und dem Vizekönig von Italien. Vgl. Noë, V. und seine Umgebung (Zürich 1882).

Villa do Conde, Stadt in der portug. Provinz Minho, Distrikt Porto, an der Mündung des Ave in den Atlantischen Ozean, mit Porto durch eine Lokalbahn verbunden, hat einen Fischerhafen und (1878) 4664 Einw. Dabei auf hohem Felsen das Nonnenkloster Santa Clara.