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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Visconti; Visconti-Venosta

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Visconti - Visconti-Venosta.

Parma, Piacenza, Lodi) mit seinem Bruder Bernabo, der Cremona, Crema, Brescia und Parma empfing. Der Reichtum und die Macht des Hauses erweckten den V. zahlreiche Neider, und die Nachbarn thaten sich zu einer großen Liga zusammen. Im Innern ihrer Herrschaft erregten der Steuerdruck und die strenge Regierung mehrere Aufstände. Bologna und Genua konnten die Brüder nicht behaupten. Dagegen verteidigten sie ihren übrigen Besitz durch ihre zahlreichen Söldnerscharen mit Erfolg und erhielten ihn durch den Frieden von 1364 bestätigt. Ihre für jene Zeit unerhörten Schätze veranlaßten mächtige fürstliche Häuser, Heiratsverbindungen mit den V. zu schließen. Galeazzo, der zuletzt seinen Sitz nach Pavia verlegt hatte, starb 1378 und hinterließ seine Herrschaft seinem Sohn Giovangaleazzo, Grafen von Virtù (Vertus), der die französische Königstochter Isabella von Valois geheiratet hatte. Dieser ließ, von den Mailändern zur Übernahme der Regierung aufgefordert, seinen Oheim Bernabo, welcher sich durch seine Verschwendung und Grausamkeit verhaßt gemacht, nebst seinen zwei Söhnen 1385 gefangen nehmen und auf ein festes Schloß bringen, wo sie bald starben, und vereinigte nun alle Besitzungen der V. wieder in Einer Hand. In ihm erreichte die Familie V. den Gipfel ihrer Größe und ihres Glanzes. Er nahm den Titel Herzog von Mailand an, wozu er sich die Erlaubnis vom Kaiser Wenzel 1395 erkauft hatte, erwarb Pisa, Siena, Perugia, Padua und Bologna und beabsichtigte selbst, den Titel eines Königs von Italien anzunehmen, was aber Florenz und Venedig durch immer erneute Kriege zu vereiteln suchten. Auch einen Angriff des Kaisers Ruprecht auf Mailand schlug er 1401 glücklich ab. Er starb 1402 plötzlich an einer Seuche. Er liebte auch die Wissenschaften, zog die berühmtesten Männer an seinen Hof, stellte die Universität zu Piacenza wieder her, stattete die zu Pavia reicher aus und begann große Bauwerke, z. B. den Mailänder Dom, die Certosa bei Pavia und die Tessinbrücke bei letzterer Stadt. Seine zwei rechtmäßigen Söhne Gian Maria und Filippo Maria und ein natürlicher Sohn, Gabriele, teilten nach seinem Tod seine Staaten. Doch führte, da sie alle drei unmündig waren, die verwitwete Herzogin nebst einem Regentschaftsrat die Regierung, unter welcher furchtbare Parteikämpfe ausbrachen, in denen die Herzogin 1404 starb. Gabriele ward 1408 in Genua hingerichtet. Gian Maria wuchs zu einem furchtbaren Wüterich heran. Er ließ die Opfer seiner Rache und seines Argwohns vor seinen Augen von Hunden zerreißen und fütterte letztere nur mit Menschenfleisch. Endlich ward er 16. Mai 1412 in der Kirche erdolcht. Sein Bruder Filippo Maria, geb. 1391, hatte nach seines Vaters Tod Pavia und die Umgegend erhalten, bemächtigte sich jedoch nach der Ermordung seines Bruders der Staaten desselben und eroberte mit Hilfe seines Feldherrn Franz von Carmagnola die ganze Lombardei. Er starb 13. Aug. 1447 in Pesaro ohne männliche Nachkommen, und die Herrschaft ging nun auf den Gemahl seiner natürlichen Tochter Bianca, Franz Sforza, über. Mehrere Sprößlinge der Familie haben sich in der Folge durch die Waffen oder durch Gelehrsamkeit hervorgethan. Vgl. Kagelmacher, Filippo Maria V. und König Sigismund (Berl. 1885).

Visconti, 1) Ennio Quirino, Archäolog, geb. 1. Nov. 1751 zu Rom, Sohn des Giambattista Antonio V. (geb. 1712, gest. 2. Sept. 1784), Präfekten der Altertümer zu Rom, ein frühreifes Wunderkind, studierte die Rechte, ward vom Papst zum Ehrenkämmerer und Unterbibliothekar im Vatikan und, nachdem er den 2. Band von dem durch seinen Vater begonnenen »Museo Pio-Clementino« (1782 bis 1807, 7 Bde.) bearbeitet, 1787 zum Konservator des Museum capitolinum ernannt. Bei der ersten Besetzung Roms durch die Franzosen wurde er Minister des Innern der neuen provisorischen Regierung und 1798 einer der Konsuln. Bei Annäherung der neapolitanischen Armee 1799 ging er nach Paris, wo er zum Aufseher der Sammlungen des Louvre und Konservator der Altertümer sowie zum Professor der Archäologie ernannt wurde. In dieser Stellung besorgte er 1801-1803 treffliche Kataloge der Schätze des Museums. Dann folgten seine beiden andern Hauptwerke, wozu Napoleon I. die Anregung und die Mittel gab, die »Iconographie grecque« (1808, 3 Bde.) und die »Iconographie romaine« (Par. 1818 bis 1820, 3 Bde.). 1817 ward er nach England eingeladen, um die Statuen, welche Lord Elgin in den Trümmern des Parthenon gefunden hatte, abzuschätzen; bei dieser Veranlassung schrieb er das »Mémoire sur les ouvrages de sculpture du Parthenon« (Par. 1818). Er starb 7. Febr. 1818. Eine Gesamtausgabe der Werke Viscontis besorgte Labus (Mail. 1818 f.). - Sein Bruder Filippo Aureliano V., gest. 30. März 1831 in Rom, gab als Fortsetzung des »Museo Pio-Clementino« das »Museo Chiaramonti« heraus. Ein zweiter Bruder, Alessandro V., geb. 12. März 1757 zu Rom, war eigentlich Arzt, machte sich aber ebenfalls als Archäolog und Numismatiker bekannt; starb 7. Jan. 1835 in Rom.

2) Louis Tullius Joachim, franz. Architekt, Sohn des vorigen, geb. 11. Febr. 1791 zu Rom, machte seine Studien in Paris und widmete sich unter Percier und Fontaine der Architektur. 17 Jahre alt, trat er in die École des beaux-arts, ward 1817 Baukondukteur an der Weinhalle in Paris, 1822 Inspektor beim Bau des Finanzministeriums und 1825 Architekt der großen Pariser Bibliothek. Seine hervorragendsten Arbeiten sind das Grabmal Napoleons I. im Dom der Invaliden und der Ausbau des Louvre. Doch starb er vor Vollendung des letztern Baues 1. Dez. 1853.

3) Pietro Ercole, Archäolog, Sohn des Alessandro V., geb. 1802, wurde frühzeitig Mitglied der päpstlichen archäologischen Akademie, für welche er 1823 seine ersten Arbeiten über altchristliche Inschriften und römische Funde lieferte, dann ständiger Sekretär derselben und 1836 Kommissar der Altertümer und Direktor der vatikanischen Sammlungen in Rom, zugleich Professor an der Universität. Seine Ämter legte er 1870 nieder und starb 14. Okt. 1880. Er beschrieb die vom Fürsten A. Torlonia veranstalteten Ausgrabungen zu Cäre, gab einen Katalog des Torlonia-Museums (1876) sowie die Gedichte der Vittoria Colonna (mit Biographie, 1840) heraus. Seine »Geschichte der Familien Roms und des Kirchenstaats« (1847 ff., 9 Bde.) blieb unvollendet. Vgl. v. Reumont, Biographische Denkmäler (Leipz. 1878). - Sein Neffe Carlo Lodovico V. widmete sich ebenfalls der Archäologie.

Visconti-Venosta, Emilio, Marchese, ital. Staatsmann, geb. 1830 zu Mailand, widmete sich früh der liberalen Journalistik, war erst Anhänger Mazzinis, dann Cavours und ward 1859 von diesem zum königlichen Kommissar bei Garibaldi ernannt. Hierauf wurde er dem Diktator Farini in Parma und Modena beigegeben, wo er die Vereinigung mit Sardinien beförderte, begleitete 1860 den Marchese Pepoli auf seiner Mission nach Paris und London und ward