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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Vogler; Vogorides; Vogt

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Vogler - Vogt.

Dienste der österreichischen Landstände und starb 16. Nov. 1866 in Wien. Er hat sich besonders als Lyriker und Balladendichter bekannt gemacht. Von seinen zahlreichen Schriften sind hervorzuheben: »Balladen, Romanzen, Saaten und Legenden« (Gesamtausgabe, Wien 1846); »Lyrische Blätter« (das. 1836; 2. Aufl. 1844); »Novellen« (das. 1837); »Volksmärchen« (das. 1837); »Klänge und Bilder aus Ungarn« (das. 1839, 3. Aufl. 1848); »Neueste Dichtungen« (Pest 1843); »Schatten«, Novellen und Erzählungen (Wien 1844); »Domsagen« (das. 1845, 4. Aufl. 1853); »Aus der Teufe«, bergmännische Dichtungen (das. 1849, 2. Aufl. 1856); »Deutsche Lieder« (Jena 1845); »Soldatenlieder« (Wien 1849, 3. Aufl. 1856); »Schnadahüpfln« (das. 1850); »Marko Kraljevits, serbische Heldensage« (das. 1851); »Blumen« (das. 1852, 2. Aufl. 1857); »Passiflore, ein Sagencyklus« (das. 1854); »Neue Gedichte« (Leipz. 1856); »Aus dem Kinderparadies« (Wien 1861, 2. Aufl. 1865); »Twardowski, der polnische Faust« (das. 1861); »Schenken- und Kellersagen« (das. 1858) und »Aus dem alten Wien« (2. Aufl., das. 1865). Vgl. A. Schmidt, J. N. Vogt (Wien 1868).

2) Heinrich, namhafter Tenorist, geb. 15. Jan. 1845 zu München (Vorstadt Au), bezog 1860 das Lehrerseminar zu Freising und wurde 1862 Schulgehilfe in Ebersberg, 1865 in Lorenzenberg. Nebenbei hatte er fleißig musikalische Studien getrieben und namentlich seine Stimme ausgebildet, so daß er es wagen konnte (1865), vor dem Intendanten Schmitt in München Probe zu singen, was sein sofortiges Engagement am Münchener Hoftheater zur Folge hatte. Nach wenigen Monaten ernsten Rollenstudiums unter Franz Lachner und dem Regisseur Jenke debütierte er im November 1865 als Max (»Freischütz«) mit glänzendem Erfolg und gehörte seitdem ununterbrochen derselben Bühne an. V. verfügt über ein mehr als hundert Rollen umfassendes Repertoire; er ist einer der vorzüglichsten Wagner-Sänger und war lange Zeit der einzige Tristan. In seinem ganzen künstlerischen Wesen herrscht Gesundheit und Frische, die jeder Effekthascherei abhold ist. - Seine Gattin Therese, geborne Thoma, geb. 12. Nov. 1845 zu Tutzing am Starnberger See, erhielt ihre musikalische Ausbildung am Münchener Konservatorium unter Hauser und Herger, wurde 1864 am Karlsruher, 1865 am Münchener Hoftheater engagiert und verheiratete sich 1868 mit V. Wie dieser gehört auch sie zu den besten Interpreten der Wagnerschen Opern, namentlich ist ihre Isolde als eine bewundernswürdige Leistung bekannt.

Vogler, Georg Joseph (nach seiner geistlichen Würde gewöhnlich Abt V. genannt), Komponist, geb. 15. Juni 1749 zu Würzburg, wurde auf Veranlassung des Kurfürsten Karl Theodor von der Pfalz in Italien musikalisch ausgebildet, wo er zugleich Theologie studierte und die Priesterweihe empfing, auch zum päpstlichen Protonotar und Kämmerer ernannt ward, erhielt 1775 die Stelle eines Hofkaplans und zweiten Kapellmeisters in Mannheim, folgte 1779 dem Kurfürsten in gleicher Eigenschaft nach München, begab sich 1783 auf Kunstreisen, war 1786-99 Kapellmeister zu Stockholm, begann dann aufs neue ein künstlerisches Wanderleben, bis er 1807 als Kapellmeister nach Darmstadt berufen wurde, woselbst er 6. Mai 1814 starb. Als Komponist konnte V., da es ihm an eigentlicher Erfindung gebrach, nur vorübergehende Erfolge erringen, obwohl er sich in allen Kompositionsgattungen versucht hat; dagegen hat er als Lehrer sowie als Virtuose auf Klavier und Orgel, welch letztere ihm auch namhafte Verbesserungen ihres Mechanismus verdankt, endlich auch als Theoretiker durch seine in Mannheim gehaltenen Vorlesungen über Musik sowie durch seine daselbst 1776 veröffentlichten Schriften: »Tonwissenschaft und Tonsetzkunst« und »Stimmbildungskunst« vielfach anregend gewirkt. Zu seinen Schülern gehören unter andern Peter v. Winter, K. M. v. Weber und Meyerbeer. Vgl. Schafhäutl, Abt Georg Jos. V. (Augsb. 1887).

Vogorides, Alexander, Fürst, s. Aleko Pascha.

Vogt, s. Vogtei.

Vogt, Karl, Naturforscher, geb. 5. Juli 1817 zu Gießen, begann daselbst 1833 das Studium der Medizin, arbeitete drei Semester in Liebigs Laboratorium, widmete sich seit 1835 in Bern besonders anatomischen und physiologischen Studien. Darauf beteiligte er sich in Neuenburg seit 1839 an den naturwissenschaftlichen Arbeiten von Agassiz und Desor und an Agassiz' Gletscherexpeditionen, lieferte namentlich auch den 1. und einen großen Teil des 2. Bandes von dessen »Histoire naturelle des poissons d'eau douce« und veröffentlichte unter anderm: »Untersuchungen über die Entwickelung der Geburtshelferkröte« (Soloth. 1842), »Im Gebirg und auf den Gletschern« (das. 1843), ein »Lehrbuch der Geologie und Petrefaktenkunde« (Braunschw. 1846, 2 Bde.; 4. Aufl. 1879) und »Physiologische Briefe« (Stuttg. 1845-1846; 4. Aufl. Gieß. 1874), welche Schriften sich sämtlich durch gediegene wissenschaftliche Formung und elegante Form auszeichnen. Nachdem er 1844-46 in Paris gelebt, ging er nach Italien und 1847 als Professor nach Gießen. Nach der Märzbewegung von 1848 von Gießen in das Vorparlament und in die deutsche Nationalversammlung gesendet, gehörte er hier zur äußersten Linken und war einer der gewandtesten und schlagfertigsten Redner der Versammlung. Er folgte dem Parlament auch nach Stuttgart, wo er in die Reichsregentschaft gewählt wurde. Seines Lehramtes in Gießen enthoben, lebte er bis 1850 in Bern, war dann vom Herbst 1851 bis Frühjahr 1852 zu Nizza mit Untersuchungen über die Seetiere beschäftigt und ging 1852 als Professor der Geologie nach Genf. Später erhielt er auch die Professur der Zoologie und wurde zum Mitglied des Großen Rats sowie zum eidgenössischen Ständerat, 1878 zum schweizerischen Nationalrat erwählt. Er trat als einer der eifrigsten Vorkämpfer des Materialismus und später des Darwinismus auf und zog die letzten Konsequenzen desselben mit großer Klarheit. 1861 leitete er eine Expedition nach dem Nordkap, über die er in der »Nordfahrt« (Frankf. 1863) berichtete. Er schrieb noch populär gehaltene »Zoologische Briefe« (Frankf. 1851, 2 Bde.); »Ozean und Mittelmeer«, Reisebriefe (das. 1848, 2 Bde.); »Bilder aus dem Tierleben« (das. 1852); die mit beißender Satire versetzten »Untersuchungen über Tierstaaten« (das. 1851), später zusammengefaßt als »Altes und Neues aus dem Tier- und Menschenleben« (das. 1859, 2 Bde.); »Köhlerglaube und Wissenschaft« (Gieß. 1855, 4. Aufl. 1856), eine Streitschrift gegen Rudolf Wagner; »Die künstliche Fischzucht« (Leipz. 1859, 2. Aufl. 1875); »Grundriß der Geologie« (Braunschw. 1860); »Vorlesungen über nützliche und schädliche, verkannte und verleumdete Tiere« (Leipz. 1865); »Vorlesungen über den Menschen, seine Stellung in der Schöpfung und in der Geschichte der Erde« (Gieß. 1863, 2 Bde.); »Über Mikrokephalen oder Affenmenschen« (Braunschweig 1867); »Die Herkunft der Eingeweidewürmer des Menschen« (Basel 1877); »Die Säugetiere in Wort und Bild« (Münch. 1883); »Lehrbuch der praktischen vergleichenden Anatomie« (mit Yung, Braunschw. 1885).