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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Wagner

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Wagner.

muß wieder zu den während ihrer Entwickelung verloren gegangenen und durch Laute von konventioneller Bedeutung verdrängten musikalischen Elementen zurückgreifen und nur solche Stoffe behandeln, die wie der griechische Mythus und unsre heimische Sage sich an die sinnliche Anschauung wenden. Die Musik, genauer die Melodie als das Wesen derselben, soll nicht um ihrer selbst willen dasein, sondern aus natürlichem Weg aus der ausdrucksvoll vorgetragenen Rede entstehen und mit ihr sowie mit der auf der Bühne dargestellten Handlung unausgesetzt im Zusammenhang bleiben. Die Tanzkunst endlich (Gebärdenkunst) und die Malerei (Landschafts- und Architekturmalerei) dürfen, wie die Musik, im Gesamtkunstwerk keine andre Aufgabe haben, als den Eindruck des auf der Bühne Dargestellten zu verstärken. Als Gegner der modernen Oper, in welcher ein Mittel des Ausdrucks, die Musik, zum Zweck, der wahre Zweck dagegen, das Drama, zum Mittel geworden ist, muß W. in erster Reihe als Dichter gelten, wenngleich seine Leistungen als solcher, da sie meist nach den bisherigen, für die Dichtkunst geltenden Normen, nicht aber von dem einzig richtigen musikalischen Gesichtspunkt aus beurteilt wurden, noch am wenigsten anerkannt sind; von diesem Gesichtspunkt aus und bei eingehenderm Studium, als man gewohnheitsmäßig auf ein »Opernlibretto« verwendet, erscheinen die Eigentümlichkeiten der Wagnerschen Dichtungen, seine an ältere Sprachformen anknüpfende Wort- und Satzbildung, die metrischen Freiheiten, die Ausführlichkeit in der Zeichnung der Charaktere und Situationen durchaus berechtigt; vor allem aber ist es die glückliche Wahl der dem Denken und Empfinden seiner Nation durchaus entsprechenden Stoffe sowie die geniale dramatische Kraft der Gestaltung, welche die Behauptung rechtfertigen, daß der Hauptanteil an Wagners Erfolgen seinen Dichtungen gebührt. Gleichwohl steht Wagners musikalische Begabung keineswegs hinter seiner dichterischen zurück, und sie zu bewähren, dazu bietet ihm sein Musikdrama, wenn auch der Tonkunst hier prinzipiell nur eine dienende Stellung angewiesen ist, doch dadurch reiche Gelegenheit, daß das der Dichtung zuliebe von der Bühne verbannte spezifisch musikalische Element im Orchester zu uneingeschränkter Geltung gelangt. Dieses hat in Wagners dramatischen Werken von der ihm durch Beethoven verliehenen Ausdrucksfähigkeit nicht nur nichts eingebüßt, sondern ist sogar hier zu erhöhter Bedeutung gelangt, indem es mit der Handlung in unmittelbarer Wechselwirkung steht und vermittelst der Leitmotive, d. h. musikalischer Gedanken, welche die Hauptmomente der Handlung und die darzustellenden Charaktere in ihren geheimsten Beziehungen zu schildern bestimmt sind, durch Verwendung kunstvollster thematischer Arbeit dem gesamten musikalischen Bau sowohl Schmuck als Festigkeit verleiht. Wie sehr übrigens W. das Orchester hinsichts der Klangfülle und Klangschönheit bereichert hat, ist nicht nur durch seine Musikdramen, sondern auch durch seine Instrumentalwerke dargethan, die, wenn auch verhältnismäßig gering an Zahl, es sind dies, außer der schon erwähnten Faust-Ouvertüre und den seiner frühsten Schaffensperiode angehörigen Ouvertüren: »Rule Britannia«, »Polonia« und »Kolumbus«, der für den König von Bayern geschriebene »Huldigungsmarsch« (1865), der unter den Eindrücken des deutsch-französischen Kriegs entstandene »Kaisermarsch« (1870), der zur Säkularfeier der nordamerikanischen Union komponierte sogen. »Philadelphiamarsch« (1876) und das liebliche, aus Motiven der Nibelungentrilogie gestaltete »Siegfried-Idyll«, doch an Bedeutung jenen nicht nachstehen.

Wagners schriftstellerische Arbeiten erschienen unter dem Titel: »Gesammelte Schriften und Dichtungen« in 10 Bänden (Leipz. 1871-83; 2. Aufl., das. 1888). Unter ihnen verdienen außer den schon erwähnten noch besondere Beachtung die Abhandlungen: »Das Judentum in der Musik« (1852); »Zukunftsmusik« (an einen französischen Freund, 1860); »Über Staat und Religion« (1864); »Über das Dirigieren« (1869); »Beethoven« (Festschrift zu dessen 100jähriger Geburtstagsfeier, 1870); »Über die Bestimmung der Oper« (1869; entstanden gelegentlich der Einführung des Autors als Mitglied der Berliner Akademie, bei- läufig neben der 1872 erfolgten Ernennung zum Ehrenbürger der Stadt Bologna infolge der enthusiastischen Aufnahme seines »Lohengrin« daselbst, die einzige äußere Auszeichnung, welche W. angenommen hat). Nach Wagners Tod erschien noch ein Band »Entwürfe, Gedanken, Fragmente« aus seinen nachgelassenen Papieren (Leipz. 1885), der »Briefwechsel zwischen W. und Liszt« (das. 1887, 2 Bde) und »R. Wagners Briefe an Th. Uhlig, W. Fischer, Ferd. Heine« (das. 1888). Aus der fast unabsehbaren Zahl der durch Wagners Auftreten hervorgerufenen meist polemischen Schriften seien hier nur erwähnt: Glasenapp, Richard Wagners Leben und Wirken (Kassel 1876-77, 2 Bde.); Schuré, Le drame musical (2. Aufl., Par. 1885, 2 Bde.; deutsch, 2. Aufl., Leipz. 1879); R. Pohl, Gesammelte Schriften, Bd. 1: R. W., Studien und Kritiken (das. 1882); Derselbe, R. W. (in Waldersees »Sammlung musikalischer Vorträge«, das. 1883); Kastner, W.-Katalog (Offenb. 1878). Ein Bild vom Umfang dieser Litteratur gibt N. Österleins »Katalog einer R. W.-Bibliothek« (Leipz. 1882-86, 2 Bde., über 5560 Nummern verzeichnend). Von Kürschners »Richard W.-Jahrbuch« erschien nur ein Band (Stuttg. 1886).

15) Johanna, Opernsängerin, Nichte des vorigen, geb. 13. Okt. 1828 in der Nähe von Hannover, debütierte bereits im Alter von 13 Jahren als Schauspielerin am Theater in Ballenstedt, zeigte jedoch bald so entschiedene musikalische Anlagen, daß sie sich unter Leitung ihres Vaters, des ehemaligen Regisseurs an der Berliner Oper, Albert W., zur Sängerin ausbildete. Nach einem glücklichen Debüt als Page in den »Hugenotten« wurde sie 1844 von ihrem Oheim Richard W., der inzwischen Kapellmeister in Dresden geworden war, bei der dortigen Hofbühne engagiert. Hier gewann die Schröder-Devrient nachhaltigen Einfluß auf ihre Entwickelung. Nachdem die Stellung R. Wagners in Dresden unmöglich geworden, verließ auch sie die dortige Bühne und nahm ein Engagement in Hamburg an. Später sang sie mit ausgezeichnetem Erfolg in Wien und Berlin und wurde in letzterer Stadt auf zehn Jahre engagiert, auch 1853 zur königlichen Kammersängerin ernannt. 1859 verheiratete sie sich mit dem Landrat Jachmann und trat von der Bühne zurück, wurde aber zwei Jahre später im königlichen Schauspielhaus wieder angestellt und wirkte daselbst bis zu ihrer Pensionierung 1872. Neben den Werken Glucks waren es vorzugsweise die Musikdramen R. Wagners, in denen sie Ausgezeichnetes leistete. Im Schauspiel gehörten Antigone, Iphigenia, Brunhilde, Lady Macbeth zu ihren hervorragendsten Leistungen.

Maler, Bildhauer, Kupferstecher.

16) Johann Martin von, Bildhauer, geb. 1777 zu Würzburg, Sohn des würzburgischen Hofbildhauers Johann Peter Alexander W. (1730-1809), widmete