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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Wasgau; Wash; Washburne; Washington

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Wasgau - Washington.

Wasgau, Wasgenwald, s. Vogesen.

Wash (spr. uosch), breiter, versandeter Meerbusen an der Ostküste von England, zwischen Lincolnshire und Norfolk, in welchen die Ouse, Witham etc. münden.

Washburne (spr. uoschbörn), Elihu Benjamin, amerikan. Staatsmann, geb. 23. Sept. 1816 zu Livermore (Maine), ward Advokat in Galena (Illinois), 1853 in den Kongreß gewählt, wo er ein eifriger Anhänger der republikanischen Partei war, 1869 nach Grants Regierungsantritt Staatssekretär, bald darauf Gesandter in Paris, wo er während des deutsch-französischen Kriegs und der Herrschaft der Kommune ausharrte und sich durch den Schutz der deutschen und andrer Nationen allseitigen Dank erwarb. 1877 kehrte er nach Amerika zurück und wurde wiederholt als Präsidentschaftskandidat aufgestellt, aber von der republikanischen Partei nicht acceptiert. Er starb 23. Okt. 1887 in Chicago.

Washington (spr. uoschingt'n, abgekürzt Wash.), ein Territorium der Vereinigten Staaten von Nordamerika, grenzt im N. an Britisch-Columbia, im Westen an den Stillen Ozean, im S. an Oregon und im O. an Idaho und hat ein Areal von 175,594 qkm (3189 QM.). Die Juan de Fuca-Straße trennt W. von der brit. Insel Vancouver; in ihrem Hintergrund schneidet der vielverzweigte Pugetsund mit trefflichen Häfen tief ins Land ein. Auch an der Küste des Stillen Ozeans liegen mehrere gute Häfen, wie Greys Hafen, in welchen der den »Garten« Washingtons durchströmende Chehalis einmündet, und die austern- und fischreiche Shoalwaterbai. Die Küstenkette (Coast Range) läuft längs der Küste hin und kulminiert im N. im Olympus (2480 m). Eine fruchtbare Thalebene, welche sich vom Pugetsund südlich bis zum Columbiafluß erstreckt, trennt dieses Gebirge von dem Cascade Range, dessen meist vulkanische Gipfel bis über 4000 m hinanragen (Mount Rainier 4401 m, Mount Baker 3300 m, Mount St. Helens 2972 m) und teilweise vergletschert sind. Der Cascade Range (so genannt nach den zahlreichen Wasserfällen) ist großenteils bewaldet, mit saftigen Futtergräsern in den Thälern. Jenseit desselben und des Columbiaflusses, welcher W. von N. nach S. durchfließt und dann, sich westlich wendend, die Grenze gegen Oregon bildet, erstreckt sich eine ausgedehnte Prärie. Man nimmt an, daß 45 Proz. der gesamten Oberfläche aus Wald, ebensoviel aus Prärien und der Rest aus Unland und Gewässer bestehen. Das Klima im Westen des Gebiets ist ungemein mild. Man unterscheidet eine trockne und eine nasse Jahreszeit, letztere von November bis Mai. Es fällt nur wenig Schnee. Die mittlere Jahrestemperatur beträgt etwa 9° C. (Winter 3° C., Sommer 15° C.), und jährlich fallen 970 mm Niederschläge. Im O. dagegen sind die Sommer sehr heiß, die Winter rauh. Die Bevölkerung zählte 1880: 89,405, 1885: 129,438 Seelen mit Einschluß von etwa 14,000 noch in Stämmen lebenden Indianern. Die öffentlichen Schulen wurden 1886 von 28,000 Kindern besucht, und es gab zwei Colleges mit 219 Studenten. Viehzucht, Fischerei und Holzschlag bilden die Haupterwerbszweige. Steinkohlen (1886: 376,000 Ton.) und Eisenerze werden gewonnen, und auch Gold, Silber, Kupfer, Blei, Zinnober kommen vor. Auch die Industrie fängt an sich zu entwickeln, namentlich seit Eröffnung der Nord-Pacificbahn. Die Handelsflotte zählte 1886: 166 Schiffe von 49,776 Ton. Gehalt. W. bildete 1853-88 ein Territorium, wurde aber 1889 in die Reihe der Staaten aufgenommen. Seit 1887 wurde den Frauen das Stimmrecht zugestanden. Hauptstadt ist Olympia.

Washington (spr. uoschingt'n), die Bundeshauptstadt der Vereinigten Staaten von Nordamerika, Sitz der Bundesregierung und des Kongresses, im Distrikt Columbia, am linken Ufer des Potomac gelegen, wurde 1791 nach einem großartigen Plan, der ein Areal von etwas über 26 qkm umfaßt, angelegt und zu Ehren des Präsidenten George Washington benannt. Die Straßen laufen in gerader Richtung von N. nach S. und von O. nach Westen, unter rechtem Winkel einander schneidend, und die dadurch entstehenden Quartiere werden in der Richtung der Diagonale von Schneisen (avenues) durchschnitten, an deren Enden da, wo sie mit den Straßen spitze Winkel bilden würden, große rechtwinkelige oder kreisrunde Plätze leer gelassen sind. Die zu diesen Plätzen laufenden Straßen sind 36-49, die übrigen zwischen 21-33 m breit. Die Avenues sind nach den Unionsstaaten benannt, die übrigen, beim Kapitol anfangend, von N. nach S. mit den Buchstaben des Alphabets, z. B. A Nord, A Süd etc., von O. nach Westen mit Ziffern, z. B. 1 West, 1 Ost etc., bezeichnet. Sechs Avenues laufen strahlenförmig vom Kapitol und ebenso viele vom Präsidentenhaus aus. Noch fehlt aber viel an der Durchführung des großartigen Plans, und schwerlich wird derselbe je vollständig ausgeführt werden. Innerhalb des Stadtweichbildes finden sich die Häuser gruppenweise hier und da verteilt, und die Paläste stehen isoliert. Der Hauptteil der Stadt liegt gegenwärtig westlich vom Kapitol, auf niedrigem Grunde, der von dem Plateau, auf welchem sich das Kapitol erhebt, vollkommen beherrscht wird. Die öffentlichen Gebäude sind im großartigsten Stil ausgeführt, architektonisch bedeutend aber nur die in antikem Stil errichteten. Das imposanteste darunter ist das Kapitol, das den Mittelpunkt der Stadt bilden sollte. Das schöne Gebäude, auf den Trümmern des von den Engländern 1814 verbrannten alten Kapitols aus Sandsteinquadern und weißem Marmor erbaut, bedeckt eine Grundfläche von 15,060 qm, ist 229 m lang und 42,6 m tief. Das Mittelgebäude wird von einem 1862 vollendeten Dom überwölbt, gekrönt mit einer Statue der Freiheit, deren Scheitel 93,5 m über der Grundfläche des Gebäudes liegt. Drei korinthische Portiken zieren die östliche Hauptfronte. Die zu ihnen hinanführenden Freitreppen sind mit den Statuen des Friedens, des Kriegs, der Zivilisation und

^[Abb.: Situationsplan von Washington.]