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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Washington

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Washington (Stadt) - Washington (George).

des Kolumbus geziert. Vor dem Gebäude selbst steht eine Reitersäule Washingtons (von Greenough). Eine erzene Thür (von Randolph Rogers modelliert, von Miller in München gegossen) führt in die vom Dom überwölbte Rotunde, die 29,2 m im Durchmesser, 54,9 m in der Höhe mißt und mit historischen Fresken und Reliefs geziert ist. Die Thür dem Haupteingang gegenüber führt in die Bibliothek des Kongresses (1851 bis auf 20,000 Bände durch Feuer zerstört, jetzt aber auf 565,000 Bände angewachsen). Südlich von der Rotunde liegen die alte Halle der Repräsentanten, in welcher Statuen berühmter Amerikaner aufgestellt sind, und die neue Halle derselben, die 42 m lang, 28 m breit ist, aber nur 11 m Höhe hat. Im nördlichen Flügel befinden sich der Senatssaal (34,3 m lang, 24,4 m breit, 11 m hoch), der oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten und unter letzterm eine Rechtsbibliothek von 30,000 Bänden. Die Baukosten des Kapitols, einschließlich der 1851-62 ausgeführten Neubauten, belaufen sich auf 52 Mill. Mk. Pennsylvania Avenue, die Hauptstraße der Stadt, verbindet das Kapitol mit dem 2 km entfernten Lafayette Square (mit Mills Reiterbildnis des Generals Jackson); an dessen Südseite, inmitten eines Parks, befindet sich das »weiße Haus«, die Wohnung des Präsidenten, ein einfacher, weiß angestrichener Bau (daher der Name) mit ionischem Portikus, dicht daneben das 1836 erbaute, 1855 erweiterte Schatzamt (Treasury), 177 m lang, 91 m tief, mit großer ionischer Säulenhalle, und das seit 1871 aus Granit aufgeführte, 173 m lange, 104 m tiefe Gebäude, in welchem die Ministerien des Auswärtigen, des Kriegs und der Marine ihren Sitz haben. Nördlich von der Pennsylvania Avenue liegt das Patent Office (auch Sitz des Ministeriums des Innern), ein Marmor- und Sandsteinbau, 124 m lang, 84 m tief, mit vier dorischen Portiken (das Modellzimmer im obern Stock wurde mit seinen reichen Sammlungen 1877 ein Raub der Flammen), daneben das Generalpostamt, ein weißer Marmorbau, und auf der andern Seite von Pennsylvania Avenue das Ackerbauministerium mit landwirtschaftlichem Museum, Herbarium und Pflanzschule. Etwa 2 km unterhalb des Kapitols, an der Mündung des Eastern Branch in den Potomac, liegt das Arsenal mit Museum und weiter oberhalb, am Eastern Branch, die Schiffswerfte (Navy Yard) der Vereinigten Staaten, mit Kanonengießerei, Museum und Kasernen 11 Hektar bedeckend. Unter den wissenschaftlichen Anstalten der Stadt ist die von James Smithson gegründete sogen. Smithsonian Institution die bekannteste. Sie befindet sich in einem kolossalen normännischen Bau inmitten eines 21 Hektar großen Parks und besitzt ein wertvolles naturwissenschaftliches Museum wie auch eine im Kapitol untergebrachte Bibliothek (weiteres s. Smithson). Außerdem verdienen Erwähnung: die Columbian University der Baptisten; die Howard University (1867 gegründet), mit 700 »schwarzen« Studenten; die von dem reichen Bankier Corcoran gestiftete Kunstsammlung; die Nationalsternwarte, 1842 gegründet (38° 53' 39'' nördl. Br. und 77° 3' 1'' westl. L. v. Gr.); der Jünglingsverein, mit großer Bibliothek; der botanische Garten und die W.-Bibliothek. Unter den Wohlthätigkeitsanstalten verdienen Erwähnung: das Invalidenhaus (Soldiers' home), die Irrenanstalt, Taubstummenanstalt, das Waisenhaus u. das Louise Home (für ältere Frauen). Von den Kirchen verdient keine Beachtung, und auch die öffentlichen Vergnügungsorte sind ohne Bedeutung. Im ehemaligen Fords Theater (jetzt medizinisches Museum) wurde Präsident Lincoln ermordet. Außer den bereits erwähnten öffentlichen Denkmälern sind zu nennen: die Bildsäulen des Generals Scott und des Admirals Farragut sowie das 1885 eingeweihte Washington-Monument, ein 175 m hoher Obelisk, mit einer Nachahmung des Panthéons als Unterbau. Die Bevölkerung der Stadt, 1880: 147,293 (darunter 48,377 Neger) betragend, (1885) 173,606 Seelen, hängt großenteils vom Kongreß und den zahlreichen Beamten ab. Einiges Leben zeigt sich nur während der Kongreßsitzungen, zwischen Dezember und März oder Juni. Handel und Industrie sind ganz unbedeutend, obgleich Schiffe von 4 m Tiefgang bis zur Stadt gelangen können. W. ist Sitz eines deutschen Konsulats. Nachdem die Stadt 1791 gegründet worden und der Präsident Washington 18. Sept. 1793 den Grundstein zum Kapitol gelegt hatte, siedelte 1800 die Bundesregierung von Philadelphia dahin über. Im August 1814 wurde W. von den Engländern unter Admiral Cockburn genommen, der das Kapitol und andre Gebäude in Asche legen ließ. 1818 bis 1827 wurde der ältere Teil des jetzigen Kapitols wieder aufgebaut und 1851-62 erweitert. Von Georgetown (s. d.) wird W. durch den Rock Creek getrennt, über den vier Brücken führen.

Washington (spr. ŭóschingt'n), George, der Begründer der Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten Nordamerikas, wurde 22. Febr. 1732 in der Grafschaft Westmoreland in Virginia geboren. Sein Vater Augustin W., dessen Vorfahren 1657 aus England einwanderten, ein reicher Pflanzer, war früh verstorben, worauf die Mutter Maria Ball die Erziehung der zahlreichen Familie leitete. George besuchte bis zum 15. Jahr die Schule zu Williamsburg und beschäftigte sich hierauf in seiner Heimat als Feldmesser. Als gegen die Einfälle der Franzosen und Indianer in Virginia die Miliz einberufen wurde, trat W. bei derselben als Major ein und ward bald zum Oberstleutnant und Regimentskommandeur befördert, in welcher Eigenschaft er mit Auszeichnung am Ohio focht. Die Geringschätzung, mit der die britische Regierung die Milizoffiziere behandelte, veranlaßte ihn 1754, sich auf den von seinem ältern Bruder geerbten Landsitz Mount Vernon zurückzuziehen. Schon 1755 aber schloß er sich als Freiwilliger der Expedition des Generals Braddock gegen die Franzosen in Kanada an und ward von demselben zu seinem Adjutanten und nach dem Treffen am Fluß Monongahela (Juni 1755) zum Befehlshaber der gesamten Milizen der Kolonie Virginia ernannt. Als der Krieg in diesen Gegenden 1763 endigte, zog er sich ins Privatleben zurück, verheiratete sich mit Martha Custis, einer jungen Witwe, und lebte auf Mount Vernon am Potomac als Pflanzer, bis ihn seine Mitbürger in den Nationalkongreß der vereinigten Kolonien sandten, der am 14. Sept. 1774 zu Philadelphia eröffnet wurde. Hier ward er bei allen Ausschüssen, welche sich mit der Verteidigung des Landes zu beschäftigen hatten, zum Vorsitzenden und, als der Gang der Ereignisse zur Entfaltung eines kühnern Widerstandes führte, 15. Juni 1775 zum Oberbefehlshaber der nordamerikanischen Armee ernannt. Mit Widerstreben übernahm er das schwierige Amt und wies jeden Gehalt zurück. Da das aus den Kolonialkontingenten und Milizen zusammengesetzte Heer noch gar nicht organisiert war und es an allem Nötigen, namentlich an Waffen und Munition, mangelte, so sah er sich zunächst auf die Defensive beschränkt; dazu schufen die Verfassung der Kolonien und das schwache Band ihres Zusammenhanges immer neue Schwierigkeiten. Er