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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Willkür; Willmann; Willow; Wills; Wilm; Wilmanns

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Willkür - Wilmanns.

zu nennen: »Im Wald und am Gestade« (Dess. 1854); »Reeder und Matrose« (Frankf. 1856, 2 Bde.); »Verirrte Seelen« (Leipz. 1860, 3 Bde.) und »Frau von Gampenstein« (das. 1869, 3 Bde.).

2) Moritz, Botaniker und Reisender, Bruder des vorigen, geb. 29. Juni 1821 zu Herwigsdorf bei Zittau, studierte seit 1841 in Leipzig Medizin und Naturwissenschaften, machte 1844 eine botanische Reise nach Spanien, setzte dann 1846-49 in Leipzig seine Studien fort und unternahm 1850 eine zweite neun monatliche Reise nach Spanien. 1852 habilitierte er sich in Leipzig als Dozent der Botanik, erhielt 1855 eine Professur in Tharant, ging 1868 als Professor der Botanik nach Dorpat, bereiste 1873 die Balearen und das südliche Spanien und wurde 1874 Professor in Prag. Er schrieb: »Zwei Jahre in Spanien und Portugal« (Dresd. 1847, 3 Bde.); »Recherches sur l'organographie et la classification des Globulariées« (Leipz. 1850); »Die Strand- und Steppengebiete der Iberischen Halbinsel und deren Vegetation« (das. 1852); »Wanderungen durch die nordöstlichen und zentralen Provinzen Spaniens« (das. 1852, 2 Bde.); »Sertum florae hispanicae« (das. 1852); »Icones et descriptiones plantarum novarum, criticarum et rariorum Europae austro-occidentalis, praecipue Hispaniae« (das. 1852-64, 2 Bde. mit 158 Tafeln); »Anleitung zum Studium der wissenschaftlichen Botanik« (das. 1853-54, 2 Bde.); »Die Halbinsel der Pyrenäen« (das. 1854); »Die Wunder des Mikroskops« (das. 1855, 4. Aufl. 1877); »Deutschlands Laubhölzer im Winter« (3. Ausg., Dresd. 1880); »Prodromus florae hispanicae« (Stuttg. 1861-80, 3 Bde., mit Lange); »Führer ins Reich der Pflanzen Deutschlands etc.« (2. Aufl., Leipz. 1882); »Streifzüge durch die baltischen Provinzen« (Dorp. 1872); »Die mikroskopischen Feinde des Waldes« (Dresd. 1866-1867); »Forstliche Flora von Deutschland und Österreich« (2. Aufl., Leipz. 1886); »Atlas der Botanik« (das. 1873); »Der botanische Garten der Universität Dorpat« (Dorp. 1873); »Spanien und die Balearen« (Berl. 1876); »Der Böhmerwald« (Prag 1878); »Aus den Hochgebirgen von Granada« (Wien 1882); »Illustrationes florae hispanicae insularumque Balearium« (Stuttg. 1881-88, Lief. 1-14); »Die Pyrenäische Halbinsel« (Leipz. 1883-85, 3 Tle.); »Schulflora von Österreich« (Wien 1888). Für Stein-Hörschelmanns »Handbuch der Geographie« bearbeitete er Spanien und Portugal (Leipz. 1862).

Willkür, s. v. w. grundloses, launenhaftes Wollen (s. Wille), im engern Sinn eine Bestimmung oder Entscheidung, welche nicht durch das Gesetz oder die Vernunft an sich gegeben ist, sondern aus freier Wahl erfolgt; daher gewillkürtes Recht, dasjenige Recht, welches auf äußern Satzungen beruht, im Gegensatz zu dem Vernunftrecht oder philosophischen Recht. In einem ähnlichen Sinne nennt man die vertragsmäßigen Verabredungen zwischen Privatpersonen W. und versteht demgemäß unter willkürlicher Gerichtsbarkeit die »freiwillige Gerichtsbarkeit« (s. d.), wie auch früher die Statuten einzelner Korporationen und Gemeinden Willküren (Gedingrecht) genannt wurden. Hierauf bezieht sich das Rechtssprichwort: »W. bricht Stadtrecht, Stadtrecht bricht Landrecht, Landrecht bricht gemeines Recht«. Auch bedeutet W. im Gegensatz zum Gesetz das diesem entgegengesetzte und durch dasselbe nicht gerechtfertigte Wollen und Belieben.

Willmann, Eduard, Kupferstecher, geb. 22. Nov. 1820 zu Karlsruhe, lernte bei Frommel und ging dann nach Darmstadt, London und Paris, wo er längere Zeit thätig war. Für den Stich: Paris aus der Vogelperspektive erhielt er auf der Kunstausstellung von 1860 die goldene Medaille. Außerdem entstanden dort: zwei Landschaften nach Coignet, Frühling nach Knaus, Herbst, die vier Jahreszeiten nach J. ^[Julius] Marak, Ansichten von Wien, Baden-Baden, Freiburg und Stuttgart, die Lieblingshunde Ludwigs XV. nach Desportes. 1870 kehrte er nach Karlsruhe zurück, wo er als Professor an der Kunstschule thätig war. Seine letzte größere Arbeit waren die zwölf Blätter: Waldeinsamkeit nach Marak, Text von Jos. V. Scheffel. Er starb 11. Nov. 1877 in Karlsruhe.

Willow, Spinnmaschine, s. Spinnen, S. 148.

Wills, William Gorman, engl. Dramatiker, geb. 1828 zu Kilkenny in Irland, studierte im Trinity College zu Dublin, gab aber die Universität auf und trat als Kunstschüler in die Malerakademie daselbst. Nach London übergesiedelt, war er zunächst als Porträtmaler thätig, versuchte sich aber später mit großem Erfolg als Dramatiker. Die englische Bühne besitzt von ihm eine Reihe vielgegebener Stücke, die ihrem Wert nach über dem Durchschnittsmaß der neuern dramatischen Erzeugnisse stehen. Sein Debüt erfolgte 1866 mit dem Drama »The man o' Airlie« auf dem Princeß' Theatre in London; es folgten: »Hinko« (1871), »Charles the first« (1872, 200mal hintereinander im Lyceumtheater gegeben), »Eugen Aram« (1873), »Marie Stuart« (1874), »Buckingham« (1875), »Jane Shore« (1876, 150mal im Princeß' Theatre aufgeführt), »England in the days of Charles II.« (1877), »Olivia«, »Nell Gwynne« und »Vanderdecken« (1878), »Juana« (1881) u. a. Auch veröffentlichte er mehrere Romane und Novellen: »David Chantrey«, »The love that kills«, »The wife's evidence«, »Notice to quit« u. a., und das erzählende Gedicht »Melchior« (1885). Seit einigen Jahren hat er die Porträtmalerei wieder aufgenommen.

Wilm, Peter Nikolai von, Komponist, geb. 20. Febr. 1834 zu Riga, bezog 1851 behufs seiner Ausbildung das Konservatorium zu Leipzig, wo er das anfänglich gewählte Geigenstudium bald mit dem der Komposition vertauschte. Nach absolvierter Lehrzeit (1855) machte er Studienreisen durch Deutschland, Belgien und Frankreich, übernahm, 1857 nach Riga zurückgekehrt, die zweite Kapellmeisterstelle am dortigen Stadttheater, ging jedoch schon im folgenden Jahr nach Petersburg, wo er 1860 am kaiserlichen Nikolai-Institut als Lehrer für Komposition und Klavierspiel angestellt wurde. 1875 ließ er sich in Wiesbaden nieder. An Kompositionen veröffentlichte er eine große Anzahl Klavierstücke zu zwei und vier Händen, unter denen namentlich zwei vierhändige Suiten Beachtung verdienen, ferner Lieder für eine Singstimme mit Klavierbegleitung, geistliche und weltliche Chöre sowie verschiedenes für Streichmusik.

Wilmanns, Wilhelm, Germanist, geb. 14. März 1842 zu Jüterbog, studierte in Berlin unter M. Haupt, Müllenhoff und Bonitz, wurde 1874 Professor der deutschen Sprache an der Universität Greifswald, von wo er Ostern 1877 als Nachfolger Simrocks nach Bonn berufen wurde. Von seinen Arbeiten nennen wir: »Die Entwickelung der Kudrundichtung untersucht« (Halle 1873). »Beiträge zur Erklärung und Geschichte des Nibelungenlieds« (das. 1877); »Zur Geschichte des Eckenlieds« (in den »Altdeutschen Studien« von Jännicke, Steinmeyer und W., Berl. 1871); »Quellenstudien zu Goethes Götz« (das. 1874); »Die Reorganisation des Kurfürstenkollegiums durch Otto IV. und Innocenz III.« (das. 1873); »Exempla inscriptionum latinarum« (das. 1873, 2 Bde.); »Le-^[folgende Seite]