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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Wolkenstein - Wolle.

mit Badeanstalten und schönen Anlagen, etwa von der Wirkung des Bades Warmbrunn (s. d.) in Schlesien.

Wolkenstein, Dichter, s. Oswald von Wolkenstein.

Wolkenstein-Trostburg, Anton Karl Simon, Graf von, österreich. Diplomat, geb. 2. Aug. 1832, trat in den diplomatischen Dienst, ward 1870 Botschaftsrat in London, 1877 in Berlin und 1880 außerordentlicher Gesandter in Dresden. Doch wurde er kurz darauf zum Sektionschef des handelspolitischen Departements im Ministerium des Äußern ernannt und führte die Verhandlungen mit dem Deutschen Reich über den Handelsvertrag und die Donaufrage. 1882 wurde er zum österreichischen Botschafter am russischen Hof ernannt.

Wolken- und Feuersäule. Nach 2. Mos. 13, 21 f., vgl. 14, 24, wurde das israelitische Volk auf seinem Zug aus Ägypten am Tag von einer Wolken-, des Nachts von einer Feuersäule begleitet, welche, solange der Zug innehielt, über der Stiftshütte weilte (2. Mos. 40, 34; 4. Mos. 9, 15 ff.). Die Urkunde läßt den Schutzgott des Volkes, Jehovah, selbst darin gegenwärtig sein. In dem Bericht von der Feuersäule sah man einen Mythus, welcher seinen Anhaltspunkt entweder in dem heiligen Altarfeuer, welches in der Stiftshütte brannte, oder in dem gewöhnlichen Karawanenfeuer hatte, welches dem Heer als Wegweiser in einer Pfanne vorangetragen worden sei. Aber die W. u. F. wird 2. Mos. 40, 34, 38; 3. Mos. 16, 2; 4. Mos. 9, 15 in so enge Beziehung zu der Stiftshütte (s. d.) gebracht, daß dem dichterischen Bericht wohl nur einfach die echt hebräische Vorstellung zu Grunde liegen dürfte, welche in dem mit Rauch aufsteigenden Feuer die Gegenwart Gottes versinnbildlicht u. verbürgt sah.

Wolkowyschkij (Wilkowyschki), Kreisstadt im russisch-poln. Gouvernement Suwalki, an der Eisenbahn Wilna-Königsberg, hat (1885) 10,080 Einw.

Wolkowysk, Flecken im russ. Gouvernement Grodno, hat eine kath. Kirche und eine Synagoge und (1885) 6650 Einw. (fast nur Polen und Juden). W. war im 16. Jahrh. ein sehr blühender Ort und häufig Sitz polnischer Reichstage.

Wollaston, 1) William, engl. Moralphilosoph, geb. 26. März 1659 zu Coton-Clanford in Stafford, war Lehrer zu Birmingham, lebte seit 1686 als Privatmann in London, wo er 29. Okt. 1724 starb. Seine Lehre bestand darin, daß der Mensch das Wahre und Falsche nicht bloß erkennen könne, sondern auch in seinen Handlungen ausdrücken solle, das oberste Prinzip der Sittlichkeit folglich der Satz sei: jede Handlung sei gut, die einen wahren, jede bös, die einen falschen Satz ausdrücke. Sein Hauptwerk: »The religion of nature delineated« (Lond. 1724 u. öfter; franz.: »Ébauche de la religion naturelle«, Haag 1726), fand an John Clarke einen Gegner. Vgl. Drechsler, Über Wollastons Philosophie (2. Aufl., Erlang. 1802).

2) William Hyde, Physiker und Chemiker, geb. 6. Aug. 1766 zu East Dereham in Norfolkshire, studierte zu Cambridge Medizin, praktizierte dann als Arzt zu Bury St. Edmunds in Suffolk und London, widmete sich aber seit 1800 physikalischen und chemischen Studien. Seit 1806 Sekretär der königlichen Societät der Wissenschaften zu London, starb er daselbst 22. Dez. 1828. Zu seinen wichtigsten Arbeiten gehören die Entdeckung der Hämmerbarkeit und Dehnbarkeit des Platins, die Auffindung des Palladiums und Rhodiums im Platinerz, die Vervollkommnung des Mikroskops, die Konstruktion des Reflexionsgoniometers, die Erfindung des Kryophors, die Einrichtung der galvanischen Doppelplatte und des galvanischen Fingerhutapparats, die Verbesserung von Hookes Camera lucida etc.

Wollastonit (Tafelspat), Mineral aus der Ordnung der Silikate (Augitreihe), kristallisiert in meist tafelförmigen, monoklinen Kristallen, findet sich aber häufiger in schaligen und stängeligen bis faserigen Aggregaten. Er ist selten farblos, meist rötlich oder gelblich, bisweilen durchsichtig, meist nur durchscheinend, glasglänzend, auf den Spaltungsflächen perlmutterglänzend; Härte 4,5-5, spez. Gew. 2,8-2,9. W. ist Calciumsilikat CaSiO3 ^[CaSiO_{3}] und kommt meist in körnigen Kalken (Auerbach an der Bergstraße, Monte Somma, mehrere Orte in Sachsen, Ungarn, Finnland), mitunter auch in Laven (Capo di Bove bei Rom, Aphroessa im Santorinarchipel) vor.

Wollatlas, s. Satin.

Wollbaum, s. Bombax und Eriodendron.

Wollblume, s. v. w. Wollkraut, s. Verbascum.

Wolldistel, s. Onopordon.

Wolle, das Haar des Schafs, an welchem man, wie an allen übrigen Haaren, den in der Haut steckenden Teil als Wurzel und den über die Haut hervorragenden Teil als Schaft unterscheidet. Die Substanz der W. stimmt mit der des Horns und der Klauen nahe überein und besteht aus:

Rambouillet Landwolle

Kohlenstoff 49,25 50,46

Wasserstoff 7,57 7,37

Stickstoff 15,86 15,74

Schwefel 3,66 3,43

Sauerstoff 23,06 21,01

Der Schwefelgehalt schwankt ziemlich stark, und auch der Aschengehalt wechselt von 0,1-3,3 Proz. In der Asche herrschen Kieselsäure, Kalk, Kali und Eisen vor. Das spezifische Gewicht reiner, lufttrockner W. ist 1,319. Hinsichtlich der Struktur ist das Wollhaar einem massiven Stäbchen von Hornsubstanz vergleichbar, an welchem Oberhäutchen, Rinden- und Marksubstanz zu unterscheiden sind. Das Oberhäutchen bildet einen sehr dünnen, farblosen Überzug und besteht gleichsam aus hornigen Schüppchen, die sich mit ihren Rändern mehr oder weniger decken. Das Haar erscheint daher unter dem Mikroskop mit quer oder schief verlaufenden, oft verästelten, gezahnten, wellenförmigen, kantigen Streifen bedeckt, von welchen bei verschiedenen Wollsorten 75-110 auf 1 mm Länge kommen. Die noch vielfach nachgesprochene Ansicht, daß durch das Hervorragen der Schüppchen das Verfilzen der W. befördert werde, und daß Merinowolle festere Gewebe gebe, weil sie zahlreichere Schüppchen besitze als gröbere W., ist durchaus falsch. Die Rindensubstanz besteht aus runden, länglichrunden oder spindelförmigen, abgeplatteten Zellen, welche um die Längsachse des Haars in konzentrischen Schichten angeordnet sind. Bei weißer W. ist die Rindensubstanz farblos, bei dunkeln mehr oder weniger intensiv gefärbt. Die Marksubstanz findet sich nur in den groben, schlichten Haaren, aber nicht in der eigentlichen W., welche vielmehr beim Auftreten von Marksubstanz ihren Charakter mehr oder weniger einbüßt. Auf dem Querschnitt ist das Wollhaar rundlich und von 1/90-1/12 mm Durchmesser. In nördlichern Gegenden ist das Schaf mit der sogen. Zackelwolle bedeckt, einem schlichten Haar, welches ziemlich durchscheinend ist und auf der Oberfläche Spuren von Schuppen trägt; unter demselben tritt das Flaumhaar auf, welches bedeutend feiner und dichter, regelmäßig mit Schuppen besetzt und spiralförmig gekrümmt und gewellt ist. Zwischen Zackelwolle und Flaum steht die eigentliche W., welche bei langem