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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Zobelfelle; Zobelpleinzen; Zöblitz; Zobten; Zobtenfels; Zoccolanti

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Zobelfelle - Zoccolanti.

schon seit alter Zeit als das kostbarste unter allem Pelzwerk gilt, ist um so höher im Preis, je einfarbiger es ist. Die besten sind auf dem Rücken schwärzlich, am Hals und an den Seiten rötlich kastanienbraun, an den Wangen grau, an der Schnauze schwarz und grau gemischt, an den Ohren weißlichgrau oder blaß lichtbraun gerändert, am Unterhals dottergelb bis rotorange, während die Pelze von andern Zobeln mehr ins Dunkle oder Gelbe spielen, mehr oder weniger weiße Haare eingesprengt enthalten oder stellenweise oder bisweilen selbst ganz weiß sind. Eine ins Bläulichgraue ziehende rauchbraune Färbung des Wollhaars ist besonders geschätzt und wird von den sibirischen Zobelhändlern das »Wasser« genannt. Der Z. fand sich früher vom Ural bis zum Beringsmeer und vom südlichen Sibirien bis 68° nördl. Br., auch in Nordwestamerika. Gegenwärtig ist er durch die unablässigen Verfolgungen auf einen kleinen Teil des nördlichen Asien beschränkt, und auch hier vermindert er sich von Jahr zu Jahr. Am häufigsten ist er gegenwärtig noch auf Kamtschatka, wo die fast unzugänglichen Berge ihm Zufluchtsstätten gewähren. Hinsichtlich der Lebensweise gleicht er unserm Edelmarder. Er jagt vorzugsweise nachts alle Tiere, welche er bewältigen kann, namentlich Eichhörnchen, Hasen, kleine Vögel, verschmäht aber auch Fische nicht und frißt außerdem Samen, Früchte und Honig. An Kühnheit, List und Mordlust steht er seinen Gattungsverwandten nicht nach. Die Paarungszeit fällt in den Januar. Ungefähr 2 Monate nach der Begattung wirft das Weibchen 3-5 Junge. Der Z. hält sich gern an Flußufern auf, weil sich ihm hier die meiste Beute darbietet. Man fängt ihn in Sibirien in Fallen, Schlingen und Netzen der verschiedensten Art. Schießt man ihn, so geschieht dies, um den Balg zu schonen, mit stumpfen Pfeilen. Zum Zobelfang vereinigen sich Gesellschaften von Jägern, die mitunter 40 Mann stark sind. Die Jagd währt von Oktober bis Anfang Dezember. Sie ist Regal der Krone, die sich von manchen Völker- und Ortschaften den Tribut in Zobelpelzen zahlen läßt. Der amerikanische Z. (Fichtenmarder, M. americana), welcher dem Edelmarder näher steht als dem Z. und ein bedeutend gröberes Haar besitzt, ist 45 cm lang, mit 15 cm langem Schwanz, mehr oder minder gleichmäßig braun mit gelbem Brustfleck und grauem oder weißem Kopf. Er findet sich besonders an der Hudsonbai, am Großen und Kleinen Walfluß in Ostmaine und Labrador und liefert ebenfalls Pelze. Der Fischermarder (Pekan, M. Pennantii), 60 cm lang, mit 30-35 cm langem Schwanz, ist sehr dunkel, selbst schwarz, am Kopf, im Nacken und auf dem Rücken gräulich; doch finden sich auch hellbraune und selbst gelblichweiße Individuen. Er bewohnt den ganzen Norden Amerikas, lebt an Flußufern in selbstgegrabenen Höhlungen und nährt sich hauptsächlich von Säugetieren. Man jagt ihn des Felles halber, welches im Norden Amerikas und in Rußland sehr geschätzt ist. Vgl. Sabaniew, Der Z. und die Zobelindustrie (Mosk. 1874).

Zobelfelle, die Felle des sibirischen und des amerikanischen Zobels. Erstere bilden das edelste Pelzwerk. Der Wert der Felle richtet sich nach der Farbe (s. Zobel), dem Glanz, der Feinheit und der Fülle der Behaarung sowie nach der Größe. Die schönsten Z. liefern die östlichen Provinzen Sibiriens, weniger schön sind die vom Jenissei, von der Lena und vom Amur. Die sibirischen Z. werden in China zu einer Art Stola, in Rußland zu Pelzfuttern, Kragen und Mützen, sonst zu Garnituren für Damenpelze benutzt. Ehrenpelze von Zobeln werden vom Kaiser von Rußland verschenkt, und die Krone des Kaisers ist eine mit Juwelen und Gold geschmückte Zobelmütze. Der Preis des Felles schwankt zwischen 30 und 500 Mk. Aus Sibirien, Nordchina und Nordamerika gelangen jährlich 200,000 Felle in den Handel. Die amerikanischen Z. sind gröber von Haar, mehr rötlichbraun bis gelblich. Die schönsten kommen von den Küstenländern der Hudsonbai, vom Großen und Kleinen Walfluß, aus Ostmaine und Labrador, während die aus südlichern Gegenden weniger wertvoll sind. Sie werden viel in Rußland, namentlich aber in England benutzt. Die Schweife dienen zu Besätzen von Damenpelzen und zu Mützen für die polnischen Juden. Man gewinnt jährlich etwa 100,000 Felle.

Zobelpleinzen, s. Blicke.

Zöblitz, Stadt in der sächs. Kreishauptmannschaft Zwickau, Amtshauptmannschaft Marienberg, am Flüßchen Pockau, im Erzgebirge und an der Linie Flöha-Reitzenhain der Sächsischen Staatsbahn, 538 m ü. M., hat eine evang. Kirche, ein Amtsgericht, eine Oberförsterei, Serpentinsteinindustrie, Blechspielwarenfabrikation, eine Lichtdruckanstalt, Posamentennäherei, Pappenfabrikation und (1885) 2289 Einw.

Zobten (im Volksmund »Zoten«), im weitern Sinn ein Gebirge im preuß. Regierungsbezirk Breslau, das sich aus der Ebene zwischen der Weistritz und der Lohe erhebt und von dem Eulengebirge im S. durch eine breite Thalsenkung, durch welche die Peile fließt und die Eisenbahn von Liegnitz nach Neiße führt, getrennt ist. Der eigentliche Zobtenberg, 15 km östlich von Schweidnitz, ist mit 718 m die höchste Erhebung desselben, von fast kegelförmiger Gestalt und dicht bewaldet. Er fällt auf drei Seiten zur Ebene ab, hat zwei Spitzen und gewährt eine weite Aussicht auf die ganze Kette der Sudeten. Der Name wird von dem slawischen Gora sobotka (»Feuerberg«) abgeleitet. Im 11. Jahrh. stand auf der höchsten Spitze eine Burg, die 1108 zu einem Kloster der Augustiner eingerichtet und, als diese des rauhen Klimas wegen wieder wegzogen, zu einer Raubburg umgewandelt, aber 1471 zerstört ward. 1702 ward an ihrer Stelle eine Kapelle erbaut, in welcher jährlich am Fest Mariä Heimsuchung katholischer Gottesdienst gehalten wurde. Die den Z. umgebenden Bergmassen sind am höchsten im SO., woselbst der Geiersberg (573 m) ansteigt. Eine ziemlich lange Bergreihe erstreckt sich von dem letztern nach W. und endet mit dem Költschen Berg (466 m). Die Basis des Z. sowie des ganzen Höhenzugs bildet feinkörniger Granit und hier und da Gneis, auf welchen beiden Gesteinen im eigentlichen Z. Serpentin und Urgrünstein lagern. In den Striegauer Bergen tritt auch Basalt auf. Vgl. Sadebeck, Der Zobtenberg und seine Umgebung (Bonn 1856); Adler, Älteste Geschichte der am Fuß des Z. liegenden Dörfer etc. (Berl. 1873); Gühmann, Der Z. (Zobten 1885).

Zobten (Z. am Berge), Stadt im preuß. Regierungsbezirk Breslau, Kreis Schweidnitz, am Zobten (s. d.) und an der Linie Breslau-Ströbel der Preußischen Staatsbahn, 182 m ü. M., hat eine evangelische und 2 kath. Kirchen, ein neues Rathaus, ein Amtsgericht, eine Oberförsterei, eine Dampfmahlmühle und Stärkefabrik, eine Dampfschneidemühle, Branntweinbrennerei, Molkerei, Handschuhfabrikation und (1885) 2344 Einw. Hier ward 1813 das Lützowsche Freikorps gebildet; zum Andenken daran ist dort ein Obelisk errichtet.

Zobtenfels, s. v. w. Gabbro.

Zoccolanti (Soccolanti), s. Franziskaner.