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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Zselezno; Zuaven; Zubehör; Zubuße; Zucc.; Zuccalmaglio; Zuccaro

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Zselezno - Zuccaro.

infolgedessen zu mehrmonatlichem Gefängnis verurteilt. 1860 begann er seine politische Wirksamkeit wieder als Hofrat in der ungarischen Hofkanzlei, zog sich jedoch zugleich mit dem Hofkanzler Baron Nikolaus Vay zurück, um von 1865 an als eins der hervorragendsten Mitglieder der Deákpartei und später (seit der Fusion) der liberalen Partei stets im Vordergrund der öffentlichen Wirksamkeit zu bleiben. Seit 1875 Generalinspektor der protestantischen Kirche in Ungarn, starb Z. 20. Febr. 1879.

Zselezno (spr. schélesno), Bad im ungar. Komitat Liptau, liegt zwischen Fichtenwäldern und hat einen dem Koritnyiczaer Wasser ähnlichen erdigen Eisensäuerling, der gegen Anämie und Unterleibsstockungen benutzt wird.

Zuaven (franz. Zouaves, Zuaua), ursprünglich Name der Bewohner des Distrikts Zuaua (Zuavia) in der algerischen Provinz Konstantine, die wegen ihrer kriegerischen Tüchtigkeit von alters her in der Berberei als Mietsoldaten zu dienen pflegten. Die französische Verwaltung behielt nach der Eroberung Algeriens 1830 diese Mietstruppen bei und vermischte sie stark mit Franzosen, besonders weil sie glaubte, hierdurch eine Annäherung zwischen den Siegern und den Eingebornen herbeiführen zu können. Da sich dieses aber als unthunlich erwies, wurden bald die Einheimischen und die Franzosen in verschiedene Kompanien getrennt. Offiziere und Unteroffiziere waren seitdem größtenteils Franzosen, das einheimische Element verschwand immer mehr aus dieser Truppe, bis sie jetzt zu einem französischen Freiwilligenkorps geworden ist. Nach mehrfachem Wechsel der Organisation unter dem Kaiserreich gibt es jetzt vier Regimenter Z. (vgl. Frankreich, S. 535). Die Z., hauptsächlich für leichten Dienst ausgebildet, begründeten sich in dem Krimkrieg einen Ruf als Elitetruppen, welchen sie auch bis zum Jahr 1870 besaßen, wo sie jedoch das Schicksal der übrigen Armeen teilten, ohne sich irgendwo hervorzuthun.

Zubehör (Pertinenz), im juristischen Sinn eine Nebensache, welche, ohne Bestandteil der Hauptsache zu sein, derselben bleibend zu dienen bestimmt und in ein dieser Bestimmung entsprechendes äußeres Verhältnis zur Hauptsache gebracht ist. Derartige Zubehörungen (Pertinenzien, Pertinenzen, Res pertinentes) werden rechtlich als Bestandteile der Hauptsache behandelt, wie z. B. die Schlüssel zu einem Gebäude. Die über die Hauptsache getroffenen rechtlichen Verfügungen erstrecken sich mit auf den Z.; doch muß die Pertinenzqualität (Pertinenzeigenschaft) nötigen Falls nachgewiesen werden, und zwar von demjenigen, welcher sie behauptet. Das gemeine Recht rechnet namentlich folgende Sachen unter die Pertinenzen eines Grundstücks: bei Ländereien die darauf befindlichen Gebäude, die vom Boden noch nicht getrennten Produkte, den zur Befruchtung der Grundstücke nötigen Dünger, Brücken, Planken, Pfähle, einzelne Grundstücke, welche einen Teil des Ganzen ausmachen, das sogen. Gutsinventarium und bei Gebäuden alles, was nicht ohne Zerstörung und Auflösung davon getrennt werden kann, also die sogen. erd-, wand-, band-, mauer-, niet- und nagelfesten Sachen.

Zubuße, s. Bergrecht, S. 743.

Zucc., bei botan. Namen Abkürzung für J. G. ^[Joseph Gerhard] Zuccarini, geb. 1797 zu München, gest. 1848 als Professor der landwirtschaftlichen und Forstbotanik daselbst. Oxalis, Kakteen; ordnete Siebolds »Flora japonica« (1835).

Zuccalmaglio (spr. -malljo), 1) Vinzenz von, Geschichtsforscher und (unter dem Namen »der alte Fuhrmann« bekannter) Volksschriftsteller, geb. 26. Mai 1806 zu Schlebusch bei Mülheim a. Rh., studierte 1826-30 Jurisprudenz auf der Universität in Heidelberg, wurde 1840 zum Notar in Hückeswagen ernannt und 1856 in gleicher Eigenschaft nach Grevenbroich versetzt, wo er als Justizrat 23. Nov. 1876 starb. Sein umfangreichstes Werk ist die unter dem Pseudonym Montanus veröffentlichte Schrift »Vorzeit der Länder Kleve, Mark etc.« (Soling. 1836, 2 Bde.). Seine übrigen zahlreichen Schriften behandeln in volkstümlicher Weise teils Geschichte und Zeitfragen, Sagen, Volksbräuche, Volksglauben und Mythologie, teils auch Gartenkunde und Obstbau, so besonders: »Die deutsche Kokarde«, politischer Katechismus (Köln 1848, 14 Auflagen); »Die Schlacht bei Remlingrade«; »Der neue Eulenspiegel«; »Geschichte des deutschen Volkes« (1849), worin er den Beruf Preußens zur Führung Deutschlands vertrat; »Der Obstbau und die Bepflanzung der Wege etc.« (3. Aufl., Elberf. 1869); »Die religiös-politischen Fragen der Gegenwart« (1861); »Geschichte der deutschen Bauern«; »Gespräche über Zeitfragen« etc. Als Dichter trat er unter anderm auf mit dem Festspiel »Das Maifest« (Kref. 1856) und dem Volksschauspiel »Johann Wilhelm« (Opladen 1876).

2) Wilhelm Florentin von, unter dem Pseudonym Wilhelm von Waldbrühl bekannter Dichter, Bruder des vorigen, geb. 12. April 1803 zu Waldbröl, widmete sich zuerst in Köln der Militärlaufbahn, studierte dann aber in Heidelberg Rechts- und Staatswissenschaft, war viele Jahre Erzieher im Haus des Fürsten Gortschakow und widmete sich auch nach seiner Rückkehr nach Deutschland dem Erzieherberuf. Er starb auf einer Reise 22. März 1869 zu Nachrodt. Von ihm erschienen: »Slawische Balalaika«, Volkslieder (neue Ausg., Leipz. 1843); »Mosellieder« (2. Aufl., Kobl. 1859); »Kinderkomödien« (Neuß 1870, 3 Bde.); »Rhingscher Klaaf«, rheinfränkische Lieder u. Leuschen (Opladen 1869); ferner »Die deutschen Pflanzennamen« (Berl. 1841); »Naturforschung und Hexenglaube« (das. 1868) u. a.

Zuccaro (Zucchero), Taddeo, ital. Maler, geb. 1529 zu Sant' Angelo in Vado bei Urbino, Schüler seines Vaters Ottaviano, ging als Vierzehnjähriger nach Rom, wo er frühzeitig die Fassaden und das Innere von Kirchen und Palästen mit Fresken ausmalte. Sein späteres Hauptwerk ist die Ausschmückung des Palazzo Caprarola bei Viterbo mit Darstellungen aus der Geschichte der Familie Farnese. Für die Orsini malte er in Bracciano die Geschichte der Psyche und Alexanders d. Gr. Er starb 1566 in Rom. Z. und sein Bruder Federigo (geb. 1543) sind Hauptvertreter des Manierismus, welchen es mehr auf Gefälligkeit und Leichtigkeit der Erfindung sowie auf Schnelligkeit der Ausführung als auf gewissenhafte Durchbildung der Formen und Wahrheit der Empfindung und des Ausdrucks ankam. Federigo Z. kam 1550 nach Rom, wo er Schüler seines Bruders wurde und diesem bei seinen Arbeiten im Vatikan, im Palazzo Caprarola etc. half. Vom Großherzog von Toscana nach Florenz berufen, vollendete er dort die von Vasari begonnene Ausmalung der Kuppel von Santa Maria del Fiore. Im Auftrag des Papstes Gregor XIII. begann er dann die Kapelle Paolina im Vatikan auszumalen, mußte aber wegen eines Racheakts fliehen und begab sich 1574 nach England, wo er als Porträtmaler thätig war und unter anderm die Königinnen Elisabeth und Maria Stuart malte. 1580 ging er nach Venedig, malte dort für den Dogenpalast die Demütigung Barbarossas und vollendete dann, vom