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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Chinolin - Cholagoga

An dieses auch Großer C. genannte Gebirge schließt sich auf russischem Gebiet der in nordöstlicher Richtung bis zum 53. Breitengrad ziehende Kleine C.; sie werden durch den Iljuki Alin oder Ilkuri Alin verbunden.

Chinolin C9H7N ^[C_9H_7N] ist identisch mit dem von Runge aus Steinkohlenteer erhaltenen Leukolin, kann auch aus Hydrokarbostyril und Chlorphosphor, durch Erhitzen von Acroleinanilin und durch Behandeln von Orthoamidobenzaloehyd mit Acetaldehyd gewonnen werden und wird dargestellt durch Erhitzen von Anilin mit Nitrobenzol, Glycerin und Schwefelsäure. C. wirkt antiseptisch, in 0,2proz. Lösung hindert es die Fäulnis von Harn und Leim, in 0,1proz. Lösung die Blutfäulnis, in 1proz. Lösung vernichtet es die Gerinnungsfähigkeit des Bluts und drückt die Gerinnungsfähigkeit von Eiweiß herab. Es verhindert die Milchsäure-, aber nicht die alkoholische Gärung. Man benutzt es zu Mund- u. Zahnwässern, als Pinsel- und Gurgelmittel bei Diphtherie. Das weinsaure Salz bildet farblose Kristalle, die schwach nach Bittermandelöl riechen, bitterlich und Pfefferminz-, bez. bittermandelölartig schmecken, schwer in Wasser, noch schwerer in Alkohol und Äther löslich sind. Es setzt die Kürpertemperatur herab und wird daher als Fiebermittel benutzt. Aus C. werden auch gelbe, grüne und rote Farbstoffe dargestellt. Vgl. Reissert, Das C. und seine Derivate (Braunschw. 1889).

Chinon, (1886) 4397 (Gemeinde 6205) Einw.

Chlapowski, Desiderius, poln. General. Vgl. Kalinka, General D. E. (polnisch, Posen 1885).

Chlor. Die Chlorindustrie, welche meist in Verbindung mit der Sodaindustrie auftritt, schädigt die Arbeiter, welche vielfach in die Lage kommen, Chlorgas einatmen zu müssen. Infolge des Reizes, den das C. auf die Schleimhäute ausübt, entstehen Katarrhe und Entzündungen, so daß Hirt bei 100 Erkrankten dieser Industrie 40mal Lungenentzündungen fand. Viele Arbeiter gewöhnen sich mit der Zeit an das C., die meisten aber nicht, und wenn man auch nicht von einer eigentlichen chronischen Chlorvergiftung sprechen kann, so sind doch Arbeiter mit krankhaft disponierten Atmungsorganen sehr gefährdet. Auch der Magen pflegt angegriffen zu werden. Bei akuter Chlorvergiftung läßt man vorsichtig Ammoniak, Alkoholdämpfe oder Salpeteräther atmen. Den Hustenreiz mildert man durch Einatmen von Chloroform. Da die Chlorentwickelungsapparate gut zu schließen pflegen, so liegt die größte Gefahr bei der Entleerung der Chlorkaltkammern, die vor dem Betreten ventiliert werden müssen. Auch empfiehlt es sich, nasse Schwämme vor Mund und Nase zu tragen. Beim Löschen des Kalks ist Vorsicht geboten, da der Kalkstaub ätzend wirkt. Für die Umgegend ist das Entweichen von C. sehr lästig, da es aber kaum vollständig zu vermeiden sein dürfte, so sollte das Gas wenigstens durch hohe Schornsteine abgeleitet werden. Auch die Abwässer haben zu vielfachen Unzuträglichkeiten Veranlassung gegeben. Die als Abfallprodukt entstehende Manganlauge ist in öffentliche Wasserläufe gelangt und hat dieselben vergiftet. In neuerer Zeit wird aus dieser Lauge ein wieder verwendbares Manganoxyd dargestellt, und es resultieren weniger schädliche Laugen. Die nachteiligen Wirkungen des Chlors kommen auch beim Bleichen in Betracht; bei der Darstellung von chlorsaurem Kali und Ehloralhnorat ist auf gute Dichtung der Apparate zu achten.

Chlorälamid (Chloralformamid), chemische Verbindung, welche aus Chloral C2HCl3O ^[C_2HCl_30] und Form-

^[Spaltenwechsel]

amid CH2O.NH ^[CH_2O.NH] entsteht, bildet farblose Kristalle, schmeckt etwas bitter, löst sich in Wasser, leichter in Alkohol, schmilzt bei 115° und zerfällt beim Destillieren in seine Bestandteile. Auch durch Nasser wird es bei 60° zersetzt, indem sich Chloralhydrat und Formamid, bez. ameisensaures Ammoniak bildet. Diese Spaltung erfolgt mit größter Leichtigkeit durch Alkalien, während verdünnte Säuren wirkungslos sind. Dieselbe Zersetzung erleidet das C. wohl auch im Blut, so daß sich seine schlafmachende Wirkung leicht erklärt. Als Vorzüge vor dem Chloralhydrat werden bei der Benutzung von C. angegeben, daß es Atmung und Herzthätigkeit nicht beeinflußt, den Blutdruck nicht herabsetzt und die Verdauung nicht beeinträchtigt.

Chloralurethan, s. Urethan (Bd. 17).

Chloroform. Das spezifische Gewicht beträgt 1,502, der Siedepunkt 62,05°, beide werden durch einen geringen Alkoholgehalt, wie er im Interesse der Haltbarkeit geboten ist, herabgesetzt. So beträgt bei einem Alkoholgehalt von

0,25 Proz. das spez.Gew. bei 15°: 1,4977, der Siedep. 61,1-61,3°

0,5 Proz. das spez.Gew. bei 15°: 1,4939, der Siedep. 61,07-61,8°

1,0 Proz. das spez.Gew. bei 15°: 1.4854, der Siedep. 60,27-61,6°

2,0 Proz. das spez.Gew. bei 15°: 1.4705, der Siedep. 59,0 -61,2°

Daher soll das spezifische Gewicht nach der Pharmakopöe 1,485-1,489 betragen und der Siedepunkt bei 60-61° liegen. Die Prüfung erstreckt sich auf Bestimmung des spezifischen Gewichts und des Siedepunktes, auf einen Gehalt an freiem Chlor und an Salzsäure, die bei der Einatmung durchaus unstatthaft sind. Man schüttelt zu dem Ende Wasser mit dem doppelten Volumen C. Der wässerige Auszug darf blaues Lackmuspapier nicht röten und, auf Silberlösung geschichtet, keine Trübung hervorrufen. Beim Schütteln oes Chloroforms mit Jodzinkstärkelösung darf weder eine Bläuung desselben noch eine Färbung des Chloroforms eintreten. Wenn man 20 g C. mit 15g Schwefelsäure öfters durchschüttelt, so tritt innerhalb einer Stunde keine Färbung ein, falls das C. frei ist von Äthylidenchlorid und ähnlichen Körpern.

Chlumecky, Johann, Ritter von, österreich. Politiker, wurde 1886 zum zweiten und 1888 zum ersten Vizepräsidenten des österreichischen Abgeordnetenhauses, 1887 und 1889 auch zum Vizepräsidenten der österreichischen Delegation gewählt und 1889 in den Freiherrenstand erhoben; obwohl liberal und verfassungstreu, vermied er doch jedes schroffe Auftreten gegen die Regierung.

Chmiecholowski, Peter, poln. Schriftsteller, geb. 19. Febr. 1848 in Podolien, studierte in Warschau und Leipzig und übernahm 1881 die Redaktion des Warschauer »Athenäums«. Außer zahlreichen, den! gediegenen Kritiker und gewandten Stilisten verratenden Beiträgen für verschiedene Zeitschriften schrieb er: »Die polnischen Schriftstellerinnen des 19. Jahrhunderts« (1885); »Adam Miekiewiez, ein biographisch-litterarischer Abriß« (1886); »Die Frauen bei Mickiewicz, Slowacki und Krasinski« (3. Aufl. 1886); »Abriß der polnischen Litteratur in den letzten 20 Jahren« (2. Aufl. 1886); »Studien und Skizzen aus der polnischen Litteratur« (1886) und die Biographie I. I. Kraszewski« (1888).

Chöchol (russ., »Schopf«), Spottname, der den Kleinrussen von den Großrussen beigelegt wird.

Choisy le Roi, (1886) 7846 Einw.

Cholagoga (griech.), gallentreibende Mittel. Es gibt deren nur wenige; am ehesten sind die gallensauren Salze als solche zu bezeichnen. Aber auch die gewöhnlichen Abführmittel wirken als C, indem sie