Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

194

Cholecystotomie - Clan-na-Gael

die in den Darm ergossene Galle entleeren und den Druck im Darmkanal vermindern. Sie werden daher bei Gelbsucht gegeben.

Cholecystotomie (griech.), die operative Eröffnung der Gallenblase; sie wird vorgenommen wegen Verwundungen, Vereiterungen derselben, ferner wegen Verschlusses des Ausführungsganges oder der Anwesenheit von Gallensteinen, wenn dieselben besonders bedrohliche Erscheinungen machen.

Cholet, (1886) 14,826 Einw.

Chopi, Fluß im Gouvernement Kutais der russ. Statthalterschaft Kaukasien, entspringt am Omjaschberg an der Grenze von Swanetien, durchfließt in südwestlicher Richtung Mingrelien und mündet nach 110 km langem Lauf durch ein dicht bevölkertes Gebiet bei Redutkalé ins Schwarze Meer. Der C. ist der Chobus der Alten.

Chopin, Friedrich, Komponist. Vgl. Niecks, Frederick C. as a man and musician (Lond. 1889, 2 Bde.; deutsch von Langhans, Leipz. 1890).

Choral. Das Hauptwerk über den katholischen C. ist Bäumker, Das katholische Kirchenlied in seinen Singweisen (Freiburg 1883-85, 2 Bde.). Ein umfassendes Werk über den protestantischen E. begann I. Zahnin »Die Melodien der deutschen evangelischen Kirche aus den Quellen geschöpft« (Gütersl. 1887ff.).

Chorioretinitis (griech.), Entzündung der Aderhaut und Netzhaut des Auges.

Chorrilos, s. Chorillos (Bd. 4, S. 76).

Chorzow, (1885) 4432 Einw.

Christburg, (1885) 3234 Einw.

Christian, 12) C. VI., König von Dänemark. Seine Geschichte schrieb L. Koch (Kopenh. 1886).

Christianstadt, (1885) 1660 Einw.

Christine, 1) Königin von Schweden. Ihr Leben beschrieb F. W. Bain (Lond. 1889).

Christine de Pisan, franz. Dichterin. Ihre »Œvres poétiques« wurden von Roy herausgegeben (Par. 1887) Vgl. Koch, Leben und Werke der C. (Goslar 1885).

Christitsch, Philipp, serb. Staatsmann, geb. 1819 zu Belgrad, trat 1836 iu den Staatsdienst, ward 1839-1841 in Wien auf Kosten der Regierung weiter ausgebildet, studierte 1841-48 in Paris die Rechte, erwarb daselbst das Doktordiplom, wurde dann Sekretär im serbischen Unterrichtsministerium, 1856 Rat am obersten Gerichtshof, 1858 Staatsrat, 1859 Kabinettssekretär des Fürsten Milosch, 1860 Minister der auswärtigen Angelegenheiten und 1870 Gesandter in Konstantinopel. 1873-74 war er Unterrichtsminister und übernahm 1878 wieder die Gesandtschaft in Konstantinopel, 1879 in Wien und 1882 in London. Seit 1885 ist er Gouverneur der Serbischen Nationalbank.

Christlieb, Theodor, Theolog, starb 16. Aug. 1889 in Bonn. Vgl. »Zum Gedächtnis Th. Christliebs« (Bonn 1889).

Chrom. In der Chromindustrie sind die Arbeiter mehrfach gefährdet. Beim Pulvern des Chromeisensteins entsteht ein Staub, welcher der Lunge nachteilig werden, Siderosis erzeugen kann, wenn das Pulvern nicht in staubdichten Apparaten vorgenommen wird. Wird die heiße Schmelze in Wasser eingetragen, so verbreiten sich Wasserdämpfe in dem ganzen Arbeitsraum, welche mit chromsaurem Alkali beladen sind. Das Salz wirkt namentlich auf die Nasenschleimhaut der Arbeiter und erzeugt Geschwüre und Zerstörung der knorpeligen Nasenscheidewand. Anch sonst entwickelt sich Chromatstaub in mehreren Phasen der Fabrikation, und die Laugen, mit denen die Arbeiter

^[Spaltenwechsel]

umgehen, erzeugen an Händen und Füßen Geschwüre. Gegen alle diese Gefahren schützen nur vor die Nase gebundene Schwämme, Respiratoren, eine geeignete Bekleidung und regelmäßige Waschungen und Bäder. Die Abwässer dürfen, wenn sie Chromat enthalten, nicht in öffentliche Wasserläufe abgelassen werden, sondern sind mit Kalk zu behandeln.

Chromsäure kommt in trocknen, lockern Kristallen im Handel vor, wird aber leicht feucht und bildet dann eine zusammengeflossene Masse. Sie enthält fast stets Schwefelsäure oder saures schwefelsaures Kali und gibt dann beim Erhitzen auf Platinblech weiße Dämpfe. Zu besserm Nachweis der Schwefelsäure kocht man eine Lösung der C. mit Salzsäure unter Zusatz von Alkohol, bis die grüne Färbung an Intensität nicht mehr zunimmt, übersättigt mit Ammoniak, erhitzt, filtriert, übersättigt eine Probe mit Salzsäure und prüft mit Chlorbaryum: ein weißer Niederschlag zeigt Schwefelsäure an. Den Rest des Filtrats verdampft man zur Trockne und erhitzt zur Verflüchtigung der Ammoniaksalze. Der Rückstand ist schwefelsaures Kali. Beim Lösen der C. in Wasser und Filtrieren der Lösung bleibt oft Bleisulfat als Rückstand.

Chur, (1888) 9381 Einw.

Churchill, 2) Randolph Henry Spencer, Lord, engl. Staatsmann, leitete, nachdem er im Januar 1886 von seinem Posten als Minister für Indien mit dem Kabinett Salisbury zurückgetreten, die Opposition gegen Gladstones Homeruleprojekt und ward im zweiten Kabinett Salisbury Schatzkanzler und Führer des Unterhauses. War schon seine im November 1886 unternommene Reise nach dem Kontinent auffällig gewesen, so überraschte er Ende 1886 noch mehr seine Kollegen durch die Mitteilung, duft er, wenn nicht im Budget eine bedeutende Herabsetzung der Ausgaben für Heer und Flotte vorgenommen werde, zurücktreten müsse. Da Salisbury die Forderung ablehnte, reichte C. 23. Dez. 1886 seine Entlassung ein und zeigte sich seitdem auch in andern Fällen als unberechenbarer Politiker. Namentlich knüpfte er mit der deutschfeindlichen Partei in Rußland und mit Boulanger Beziehungen an. Eine Sammlung seiner Reden (1880 - 88) erschien in London 1889.

Chútor (russ.), s. v. w. Meierei; bei den Kleinrussen ein Dorf ohne Kirche.

Cicoanara, Leopoldo, Graf von. Vgl. Malamani, Memorie del conte L.C. (Vened. 1888, 2 Bde.).

Ciotat, La, (1880) 9001 Einw.

Cirry, 2) (Meurthe-et-Moselle), (1886) 2248 Einw.

Civitali, Matteo, ital. Bildhauer. Seine Biographie schrieb Yriarte (Par. 1886).

Civray, (1886) 2464 Einw.

Clairac, (1886) 2197 (Gemeinde 3840) Einw.

Clamart, (1886) 4875 Einw.

Clamecy, (1886) 4672 Einw.

Clam-Martinitz, Heinrich Jaroslaw, Graf, der 1879 mir den Tschechen wieder in den Reichsrat eingetreten war und hier wegen seiner hohen Begabung eine bedeutende Rolle gespielt batte, starb 5. Juni 1887 in Prag kinderlos; seine Güter gingen auf seinen Neffen, Grafen Heinrich C., über. - Sein jüngerer Bruder, Graf Richard E., wurde 1886 zum ersten Vizepräsidenten des österreichischen Abgeordnetenhauses gewählt, legte aber dieses Amt und sein Abgeordnetenmandat nieder, als er 1. Jan. 1889 zum Mitglied des Herrenhauses ernannt wurde.

Clan-na-Gael (»Sprößlinge Gäliens«), der geheime Bund, welchen fanatische Iren, besonders O'Do-