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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Suttner; Svanberg; Svastika; Svedelius

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Suttner - Svedelius

gelegenen Seen überhaupt tierische Bewohner finden, welche daselbst auch während des Winters unter der Eisdecke weiter zu leben vermögen, sondern es ist auch bei allen isolierten Seebecken der Grundstock ihrer tierischen Bewohner ein gleicher. Zu diesem Grundstock gehören außer zahlreichen Protozoen hauptsächlich Rädertiere, Krustaceen und Mollusken. Die weite Verbreitung erklärt sich durch Verschleppung dieser Tiere von feiten der Wasservögel; häufig finden sich besondere, diese Art der passiven Wanderung begünstigende Haftorgane, wie Klebzellen, gedornte Borsten und Ähnliches, ausgebildet; auch besitzen viele Eier im Dauerzustand der niedern Süßwassertiere große Widerstandsfähigkeit gegen Trockenheit, so daß sie nach dem Austrocknen der von ihnen bewohnten Wasserbecken durch den Wind weiter transportiert werden können. Einige Tiere der S. stammen aus dem Meer (Reliktenfauna), doch ist ihr Vorkommen für sich allein noch nicht beweiskräftig für die marine Abstammung des betreffenden Seebeckens. Auch die fließenden Gewässer besitzen, soweit Untersuchungen vorliegen, eine hauptsächlich aus Protozoen und Würmern bestehende Mitrofauna von nahezu konstanter Zusammensetzung. Die größern Flüsse beherbergen stets eine artenreichere Mikrofauna als die kleinern, und die artenärmere der letztern erscheint wieder als ein Bestandteil der reichern faunistischen Bewohnerschaft größerer Ströme und zwar in bestimmter Individuenzahl. Zur eingehendern Untersuchung der S. ist neuerdings die Errichtung zoologischer Süßwasserstationen nach dem Muster der zoologischen Stationen am Meeresufer in Angriff genommen. So besitzt das Komitee für Landesdurchforschung in Böhmen eine transportierbare zoologische Station, die je nach Bedürfnis an den einzelnen Seen aufgeschlagen wird, und in Deutschland wird auf Anregung von O. Zacharias einstweilen auf die Dauer von ein paar Jahren eine zoologische Süßwasserstation am Ufer des Plöner Sees'bei Kiel errichtet werden.

Suttner, * Bertha von, Schriftstellerin, geb. 9. Juni 1843 als Tochter des österreichischen Feldmarschallleutnants Franz Grafen Kinsky zu Prag, verheiratete sich 1876 mit dem Freiherrn Arthur v. S. und begleitete denselben nach Tiflis, wo sie nahezu ein Jahrzehnt verblieben. Seit ihrer Rückkehr leben beide auf Schloß Harmansdorf in Niederösterreich. Nachdem sie in Zeitschriften (zum Teil unter dem Pseudonym V. Oulot) Novellen und Skizzen veröffentlicht hatte, erschienen von ihr: »Inventarium einer Seele« (Leipz. 1883, 2. Aufl. 1888); die Romane: »Ein schlechter Mensch« (Münch. 1885), »Ein Manuskript« (Leipz. l885), »High Life« (Münch. 1886), »Daniela Dormes« (das. 1886), »Verkettungen«, Novellen (das. 1887), »Schriftsteller-Roman« (Dresd. 1888), »Erzählte Lustspiele« (das. 1889), »Die Waffen nieder, eine Lebensgeschichte« (das. 1889,2 Bde.). - Ihr Gatte Arthur Gundakkar von S., geb. 21. Febr. 1850 zu Wien, machte sich ebenfalls durch Romane und Novellen bekannt (»Daredjan«, Münch. 1884; »Der Battono«, Stuttg. 1886; »Anders«, Dresd. 1889; »Die Adjaren, Stuttg. 1889 u. a.).

Svanberg, * Jöns, Mathematiker, geb. 6. Juli 1771 zu Nedersalix in Westerbotten, studierte zu Upsala Mathematik, ward 1796 Sekretär der Akademie der Wissenschaften in Stockholm, maß 1801-1803 mit Ofverbom den Meridianbogen zwischen Malörn und Pahtawara in Lappland und ging 1811 als Professor der Mathematik nach Upsala. 1842 in Ruhestand versetzt, starb er 15. Jan. 1851 in Stockholm. Er schrieb: »Die Grundformeln der Phoronomie, analytisch dargestellt« (1813); »Theorie der Planeten und Kometen« (1829) und die in den Schriften der Gesellschaft zu Upsala enthaltenen »Disquisitiones analyticae in theoriam refractionum astronomicarum« und »Nouvelles considérations sur la résolution des équation algébriques«.

Svastika * (sanskr., Drehkreuz, Hakenkreuz), ein hauptsächlich den arischen Völkern eigentümliches religiöses Symbol, bestehend aus einem rechtwinkeligen Kreuz, das entweder in einen Kreis eingeschrieben: ^ O+, oder mit umgebogenen Armen: ^ ++, auf Töpferwaren, Waffen, Geräten, Brakteaten angebracht wurde, und dessen indischer Name von dem Drehfeuerzeug (Svastika) abgeleitet ist, mit dem man das heilige Öpferfeuer entzündete. Das S. wurde sodann Symbol der Sonne, die man als rollendes Rad sich vorstellte, und erscheint außer auf prähistorischen Töpferwaren (z. B. massenhaft auf Spinnwirteln von Troja) noch spät auf germanischen, gallischen und griechischen Brakteaten und Münzen als Attribut der Sonnengötter (Odin, Velenus und Apollo); es berührt sich in dieser Beziehung mit dem Triquetrum oder der Triskela, einer Veranschaulichung des ewigen Kreislaufs durch drei von einem Mittelpunkt ausgehende Beine mit gebogenen Knieen. Wenn man dieses Symbol in seiner Eigenart von bloß ornamentalen Kreuzbildungen und Figuren ganz verschiedener Herkunft (z. B. dem ägyptischen Taukreuz) unterscheidet, so findet sich dasselbe nach der Meinung von Burnouf, L. Müller u. a. ausschließlich bei arischen Völkern, niemals bei Ägyptern, Assyrern, Etruriern; die Phöniker erhielten es erst in ganz später Zeit von den Trojanern oder Griechen, denen es die Pelasger zugebracht hatten; bei den Römern kommt es erst im 3. Jahrh. n. Chr. vor. Die schönsten prähistorischen Stücke stammen aus Deutschland, England, Skandinavien, Indien, Persien, Griechenland und deuten auf das Vorwiegen eines Sonnen- und Feuerkultus bei diesen Völkern hin, von dem wir auch sonst, z. B. in den noch heute beim Frühlings- und Sonnenwendfest emporgeworfenen feurigen Rädern, Spuren in Fülle besitzen. Auch in amerikanischen Mounds, auf mexikanischen und peruanischen Denkmälern findet sich eine ähnliche Figur, und das Sonnensymbol der Maquis besteht aus einem griechischen Kreuz mit einem Gesicht im Zentrum. Doch braucht man bei solchen Anklängen nicht notwendig an einen Zusammenhang zu denken. Vgl. L. Müller, Det saakaldte Hagekors Anvendelse og Betydning i Oldtiden (Kopenh. 1877); G. de Mortillet, Le signe de la croix avant le christianisme (Par. 1866).

Svedelius, * Vilhelm Erik, schwed. Historiker, geb. 5. Mai 1816 zu Köping, studierte in Upsala Philosophie und Geschichte, wurde 1840 Dozent der Politik an der Universität Upsala, 1850 Adjunkt, 1856 Professor der Geschichte zu Lund und kehrte 1865 an erstere Universität zurück. Er erhielt bereits 1841 von der schwedischen Akademie den großen Preis für eine Abhandlung über König Karls XII. Regierung und wurde 1864 in die Akademie aufgenommen. Von seinen wertvollen Werken sind anzuführen: »Historiske studier«, (1857); »Koning Gustav Adolfs karakterutveckling« (1862); »Castovius och Bilberg« (1862); »Maria Stuart och Elisabeth« (1871-72); »Studier i Sveriges statskunskap« (1875); Inledning till Europas och Amerikas statskunskap« (1876). Zahlreiche Essays erschienen gesammelt unter dem Titel: »Smärre skrifter« (1875-77, 3 Bde.).