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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Weißblech (Herstellung)

folgung jenes Berufs, um ganz dem Schachspiel zu leben, mit dem er seit seinem 12. Jahr sich beschäftigt hatte. Schon 1882 nahm er am Wiener internationalen Turnier teil, wo er zwar noch keinen Preis errang, aber unter anderm beide Partien gegen Zukertort, eine gegen Blackburne etc. gewann. In den Turnieren zu Hamburg (1885) und Frankfurt a.M. (1887) fiel beide Male der zweite Preis auf W., und 1889 teilte er sich in New Iork mit Tschigorin (s. d., Bd. 17) in die Ehren des Hauptsiegs. Das Spiel von W. entbehrt der Initiative und des Glanzes, ist dagegen sehr fest und sicher, beinahe völlig frei von stärkern Fehlern. Damit steht es im Zusammenhang, daß W. äußerst wenig Partien zu verlieren pflegt (in New York unter den ersten 25 keine einzige), aber anderseits wieder viele Remis zuläßt.

Weißblech, verzinntes Eisenblech, heißt Glanzblech, wenn es mit reinem Zinn, Mattblech, wenn es mit einer Zinnbleilegierung überzogen ist. Zur Fabrikation des Weißblechs verwendet man möglichst reines, zähes Walzblech, welches, in den üblichen Größen (Tafeln) zugeschnitten, zuerst vollständig von Oxyd befreit und vollkommen geglättet und darauf verzinnt wird. Zu dem Zweck des Reinigens und Glättens unterwirft mandie Tafeln fünf Operationen: 1) Vorbeize, 2) Ausglühen, 3) Glattwalzen, 4) Fertigglühen, 5) Fertigbeizen. Die Vorbeize erfolgt am wirksamsten in einer durch Dampfschlangen auf 80° erwärmten Beize aus 1 Teil Schwefelsäure und 2 Teilen Wasser, in welcher die Bleche durch mechanische Vorrichtungen hin und her bewegt werden, indem man sie in Messing- oder Kupferkörbe packt, die an Ketten schwebend aufgehängt und mittels Kurbel und Lenkstange in Schwingung versetzt werden. Auf diese etwa 8 - 10 Minuten dauernde Vorbeize folgt ein Abspülen mit Wasser

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dadurch, daß man die Körbe aus dem Beiztrog in einen Wassertrog senkt und hierin ausschwenkt. Schnell, in der Weise getrocknet, daß man die Bleche auf Ketten ohne Ende durch einen geheizten Kanal führt, werden sie, geschützt gegen den Einfluß der Luft, in eisernen Glühkisten 8 Stunden lang in Flammöfen einer Temperatur von 1000° ausgesetzt und nach langsamem Abkühlen durch polierte Walzen gelassen, sodann wieder durch ein sechsstündiges Glühen in Kisten bei 800° weich gemacht und endlich in schwacher Säure bei 60° fertig gebeizt. So vorbereitet, bewahrt man sie unter Wasser auf.

Das Verzinnen dieser Tafeln erfolgt in einem sogen. Verzinnherd, der aus einer Anzahl heizbarer Kessel besteht, welche die Bleche der Neihe nach zu passieren haben. Allgemein in Gebrauch gekommen ist hierzu der in Fig. 1 u. 2 im Grundriß und Längsschnitt dargestellte fünf kesselige Verzinnherd. In dem mit Gußeisenplatten belegten Mauerwerk sind 5 gußeiserne Kessel a, b, c, d, e so eingemauert, daß b, c, d, e besondere, in die Esse S mündende Rostfeuerungen haben, um jeden Kessel für sich auf die erforderliche Temperatur bringen zu können. Der Kessel a (Fettkessel) ist mit Palmfett gefüllt und empfängt von den Feuerzügen um d die zum Flüssighalten des Fettes erforderliche Wärme. Die Kessel d (Grobkessel), c (Bürstkessel) u. d (Durchführkessel) enthalten bis zu den untern Strichen (= =) Zinn und darüber bis zu den obern Strichen (+ + + +) ebenfalls Palmfett. Der Kessel e (Walzkessel) ist wieder mit Fett gefüllt, außerdem aber mit 5 Walzen versehen, die sich in der Weise drehen, daß die Bleche durch die vordern 2 abwärts geführt und durch die hintern 4 aus dem Kessel herausgezogen werden. Zum Verzinnen wird das Fett im Kessel a auf einer Temperatur von etwas unter 100°, das Zinn im Kessel b auf 300°-400°, im Kessel c auf 275°, im Kessel d auf 250°, das Fett im Kessel e auf 230-240° gehalten. Die aus dem Wasser genommenen Bleche gelangen nun vom ersten Arbeiter einzeln und zwar naß in a, bis sich hier 200Stück angesammelt haben. Hierbei bedeckt sich das Blech unter Verdunstung des Wassers mit einer die Luft abhaltenden Fettschicht. Nach etwa 10 Minuten transportiert der Arbeiter mit einer breitmäuligen Zange die Bleche in Posten von 20-30 Stück in den Grobkessel b und nach wiederum etwa 10 Minuten in den Bürstkessel c. Aus diesem hebt der zweite Arbeiter (Bürster) nach ebenfalls 10 Minuten 20 Bleche heraus, legt sie auf die Eisenplatte v v, faßt sie mit einer Handzange einzeln und bürstet sie auf beiden Seiten mit einer langen, in Fett getauchten Bürste. Ein dritter Arbeiter übernimmt die Bleche von dem Bürster, taucht sie einzeln in das

^[Abb.: Fig. 2. Längsschnitt.]

^[Abb.: Fig. 1. Grundriß.]

^[Abb.: Fig. 1 und 2. Verzinnherd.]