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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Getreide

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Getreide (Kulturrassen, Ernte, Körnergewicht).

Ausbildung bestimmter Verkehrswege hindern. Von Gebüschen und Blumengruppen sind Hunde durch schmiedeeiserne Schutzgitter abzuhalten. Sehr empfehlenswert ist die Einrichtung von Kinderspielplätzen mit Sandhaufen und Schutzdächern in den Anlagen. Ohne Schutzgitter gedeiht in den Straßen kein Baum, ebenso ist ein eiserner Wurzelrost von mindestens 1,5 m Durchmesser nötig. Das Gießen der Bäume muß auch bei Regenwetter erfolgen und zwar unter Anwendung eines ringförmigen Grabens oder senkrecht im Boden stehender Drainrohre. Letztere zeigen auch etwanige Undichtheiten der Gas rohre an und tragen zur Durchlüftung des Bodens wesentlich bei. Koniferen sind zu vermeiden, weil Rauch und Ruß sich an ihnen festsetzt und sie schädigt. Als Alleebäume pflanzt man in Hamburg nur Linden, Ulmen, Eichen, Ahorn, Kastanien, auch Eschen. Die Krone darf erst 3-4 m über dem Boden beginnen, damit die Gaslaternen nicht verdeckt werden. Bei Straßen, die genau westöstlich verlaufen, bleibt die südliche Baumreihe, wenn die Häuser hoch sind, hinter der nördlichen zurück, weil sie weniger Licht und Wärme empfängt. Zum Ausbessern von Lücken in Alleen benutzt man größere Bäume, die in den Baumschulen bis in ihr 25. Lebensjahr durch öfter wiederholtes Umschulen verpflanzbar erhalten sind. In betreff der Organisation der städtischen Bepflanzung suchte der Redner nachzuweisen, daß sich dieselbe eng an die sonstige Organisation der städtischen Verwaltung und namentlich an die Bauleitung anzuschließen habe. Die Gestaltung und Behandlung der öffentlichen Anlagen erfordere ein Verständnis der ganzen städtischen Organisation, wie dies nur der leitende Techniker in direkter Beziehung zu den Behörden gewinnen könne. Auch stehe die Gestaltung der Straßen und Plätze in so vielfachem Zusammenhang mit den sonstigen Aufgaben des städtischen Bauleiters, daß nur dieser im stande sei, sie zur zweckentsprechenden Lösung zu bringen.

Getreide. Die Verteurung der Produktion bei der Pflanzenkultur durch die Steigerung der Arbeitslöhne und die erhöhte Steuerbelastung des Grundbesitzes bedingt das Streben, die erhöhten Kosten durch Steigerung des Ernteertrags nach Menge und Güte auf ein wertvolleres Ernteprodukt zu verteilen, um demnach den reinen Gewinn von der Pflanzenproduktion ungeschmälert zu erhalten. Der Getreidebau, als am meisten betroffen, befindet sich daher am Anfang einer neuen Entwickelungsperiode, welche den Übergang zur Getreidezüchtung zu finden sucht. Die Erhöhung des Kulturzustandes des Ackerbodens durch rationelle Düngung und Bodenbearbeitung kann mit den bisher gebauten Getreidelandrassen nicht in dem Maße wie mit Getreidekulturrassen ausgenutzt werden. Anderseits wird eine vorzügliche Getreidesorte nur dort ihren hohen Kulturwert zur Geltung bringen, wo dieselben Ernährungsbedingungen bestehen, für welche dieselbe herangezüchtet wurde. Für die Getreidezüchtung wird daher allgemein der Nutzen vergleichender Anbauversuche seit Jahren anerkannt, und in dieser Hinsicht haben sich bemüht: seit 1862 C. A. Hagendahl in Örebro (Schweden), seit 1865 Graf Fr. Berg in Sagnitz (Livland), seit 1875 die Gesellschaft für Forderung der Wissenschaften in Straßburg, seit 1879 bezüglich neuer Weizensorten die Royal Society of agriculture in London, in neuerer Zeit bezüglich Gersten- und Weizenanbauversuche der Verein zur Verbesserung der Kulturpflanzen und das Markfrö-Kontor in Kopenhagen, seit 1885 der Verein zur Förderung des landwirtschaftlichen Versuchswesens in Österreich in Wien und seit 1888 die Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft in Berlin. Die Getreidezüchtung kann ausgeführt werden entweder durch empirische Zuchtwahl (sorgfältiges Sortieren des Saatkorns, Benutzung des Tennenausfalles, Auswahl des Saatgutes auf dem Halme), auf diese Weise entstand das Propsteier Saatgut; oder durch methodische Zuchtwahl (Reinzucht der Getreiderassen mit Benutzung der Veränderlichkeit der Form, welche zur Erhaltung oder Neubildung von Rassen führt). Beispiele: Rimpaus Schlanstedter Roggen; genealogischer Weizen (Pedigree) des Majors F. F. Hallet zu Brighton (Sussex, England); durch Veredlung entstanden: Rivetts Bearded-Weizen, Heines verbesserte Gerstensorten, Proskowetz' Kwassitzer Original-Hanna-Pedigreegerste, Steigers sächsischer Gelbhafer etc. Durch spontane Variation entstand schon 1824 der von Patrik Shirriff in Haddingstonshire (Schottland) gezüchtete Hopetown-Hafer und 1832 der Hopetown-Weizen, desgleichen an andern Orten: der Square-head-Weizen, Heines Emma-Sommerweizen, Wollnys schlaffähriger Roggen etc. Durch künstliche Kreuzung entstanden 1882 Carters-London Weizensorten, Vilmorins-Paris Dattel-, Lamed- und Aleph-Weizen, Bestehorns-Biberitz bei Cönnern Modell- und Dividendenweizen, Bestehorns Riesenroggen und Diamantgerste, der amerikanische Triumphhafer etc. Vgl. Saatzucht (Bd. 14) und Samenkulturstationen (Bd. 14).

Getreideernte. Im allgemeinen läßt sich annehmen, daß gelbreif gemähtes G. bei heißem und trocknem Wetter auf dem Schwad 2-3, in Stiegen ohne Schutzdecke 4-5, in kleinen Puppen mit Deckgarbe 6-7, in großen Puppen mit Schutzmatte 8-10 Tage zum Nachreifen erfordert. In der Scheune oder Feime haben die aufgehäuften Garben einen Hitz- und Schwitzprozeß durchzumachen, welcher, wenn er die Temperatur nicht über 70° steigert, für das Austrocknen des Getreides von Vorteil ist. Je feuchter das G. eingebracht wurde, um so mehr erwärmt es sich, so daß die Körner gelb oder braun werden und das Stroh selbst verkohlt. Das Ausbringen der Körner aus dem Stroh soll besonders für Saatgetreide vor dem Schwitzen vorgenommen werden, um die Körner dem Schwitzprozeß zu entziehen. Ist dies nicht durchführbar, so ist das G. erst nach Beendigung des Schwitzprozesses trocken genug, um ausgebracht werden zu können. Das Volumgewicht des Getreides bestimmt im Börsenverkehr dessen Qualitätspreis. Das Bestreben der modernen Landwirtschaft geht daher dahin, nicht nur die Ertragsmenge, sondern auch die Qualität der Ernteprodukte zu vermehren. Die Qualität des Getreides hängt vornehmlich von der zur Saat gewählten Getreidevarietät ab, weshalb der Züchtung besonderer Getreidevarietäten erhöhte Aufmerksamkeit zugewendet wird. Die Qualität steht bis zu einem gewissen Grade im Zusammenhang mit der Höhe des Maßgewichts. Dieses hängt wieder vorzugsweise von der Form und Größe der Körner, weniger von der chemischen Zusammensetzung ab. Verstäubtes G. besitzt ein geringeres Maßgewicht als geputztes. 1 Lit. Weizen wog rein 713,4 g, künstlich gemengt

mit 0,2 g Staub 709,8 g

mit 0,4 g Staub 708,1 g

mit 0,6 g Staub 708,0 g

mit 0,8 g Staub 708,6 g.

Die entgegengesetzte Wirkung hat das oft in betrügerischer Absicht ausgeführte Ölen des Getreides, indem auf die Fruchtschaufel, mit welcher das G. umgeschaufelt wird, einige Tropfen Öl geträufelt werden. 1 Lit. Weizen wog 701,5 g und nach Behandlung mit wenigen Tropfen Rüböl 709,8 g. Durch das