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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Historische Litteratur

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Historische Litteratur (Deutschland).

herausgegeben. Darin findet sich zunächst unter dem Titel: »Zeiten des Übergangs zur modernen Welt (14.-15. Jahrhundert)« eine leider nicht auf der Höhe der heutigen Wissenschaft stehende Fortsetzung des Hauptwerkes, ferner eine Sammlung von historischen Vorträgen, die Ranke 1854 dem König Maximilian von Bayern in Berchtesgaden gehalten hat, und die zu den schönsten Leistungen des genialen Mannes gehören.

Von den im Auftrag der Historischen Kommission in München herausgegebenen Hanserezessen sind folgende Fortsetzungen erschienen: von der ersten Abteilung Band 6 (Herausgeber K. Koppmann) über die Jahre 1411-18, von der zweiten Abteilung Band 5 (Herausgeber v. d. Ropp) über die Jahre 1460-66, von der dritten Abteilung Band 3 und 4 (Herausgeber D. Schäfer) über die Jahre 1491 bis 1504. Zahlreich sind die Werke, die sich mit dem 16. Jahrh. beschäftigen. Populäre, aber auf sorgfältigen Forschungen beruhende Darstellungen enthalten Egelhaaf, »Deutsche Geschichte im 16. Jahrhundert bis zum Augsburger Religionsfrieden«, wovon Bd. 1 die Jahre 1517-26 umfaßt, und M. Ritter, »Deutsche Geschichte im Zeitalter der Gegenreformation und des Dreißigjährigen Kriegs«, deren erster Band den Zeitraum von 1555 bis 1586 behandelt. Beide Werke gehören wie die schon erwähnten von Manitius und Lindner und die noch zu erwähnenden Bücher von R. Koser und H. v. Zwiedineck-Südenhorst der von letzterm herausgegebenen »Bibliothek deutscher Geschichte« an, die auf 24 Bände berechnet ist. Sie bilden einen wohlthuenden Gegensatz zu J. ^[Johannes] Janssens »Geschichte des deutschen Volkes seit dem Ausgang des Mittelalters«, wovon Bd. 6: »Kunst und Volkslitteratur bis zum Beginn des Dreißigjährigen Kriegs« (Freiburg 1888), eine weitere Probe von des Verfassers Geschick, die Überlieferung für seine ultramontanen Tendenzen zu verwerten, bietet. Wie zu erwarten, macht er die Reformation für den angeblichen Verfall der Litteratur und Kunst im 16. Jahrh. verantwortlich, übersieht aber, daß damals schon ein merklicher Aufschwung im gesamten Geistesleben gegenüber dem 15. Jahrh. eingetreten ist. Von H. Baumgartens »Geschichte Karls V.« ist der Schluß des zweiten Bandes (Stuttg. 1888) erschienen, der die Ereignisse vom Bauernkrieg bis zu Karls Krönung in Bologna mit Benutzung von neuem Material aus dem Wiener Archiv behandelt. Unter den kleinern Werken über jene Zeit erwähnen wir: L. Keller, »Joh. v. Staupitz und die Anfänge der Reformation« (Leipz. 1888), wonach Luthers bekannter Gönner als Vorkämpfer des evangelischen Glaubens gelten darf, obwohl er sich zum Austritt aus der katholischen Kirche nicht erschließen konnte. Ferner St. Stoy, »Erste Bündnisbestrebungen evangelischer Stände« (Jena 1888), in dessen letzten Abschnitten über die Bemühungen Philipps von Hessen zu gunsten eines allgemeinen evangelischen Bündnisses (1526) mehr Licht verbreitet wird. Endlich G. Wolf, »Zur Geschichte der deutschen Protestanten«, 1555-59 (Berl. 1888), schildert die an den Augsburger Frieden sich schließenden Verhandlungen unter den Reichsständen nach neuem, in den Archiven Mitteldeutschlands gewonnenem Material. Der Anregung des Vereins für Reformationsgeschichte verdanken wir die Schrift von H. Ziegler: »Die Gegenreformation in Schlesien« (Halle 1888), worin die gegen die schlesischen Protestanten verhängten Gewaltmaßregeln und ihre auch nach dem Westfälischen Frieden fortdauernde Unterdrückung geschildert werden. Zur Geschichte des Dreißigjährigen Kriegs liefern wertvolle Aufschlüsse die Bände 35 und 39 der Publikationen aus den preußischen Staatsarchiven: »Verhandlungen Schwedens und seiner Verbündeten mit Wallenstein und dem Kaiser, 1631-34« (Teil 1 und 2, Leipz. 1888-89). Der Herausgeber G. Irmer, der in seiner Veröffentlichung bis zum Oktober 1633 gelangt, schöpft vornehmlich aus dem Nachlaß des schwedischen Residenten am Hofe zu Dresden, Nicolai. Danach schlug Wallenstein, der nicht zum zweitenmal die leitende Stellung im kaiserlichen Heere aufgeben wollte, 1633 den Schweden und Sachsen einen gemeinsamen Angriff auf des Kaisers Erblande und die ins Reich einrückenden Spanier vor, konnte aber das Vertrauen der Schweden nicht gewinnen, und deren Bedenken erwiesen sich als berechtigt, da der Herzog im Herbst 1633 seine Vorschläge zurückzog. In der oben erwähnten »Bibliothek deutscher Geschichte« bearbeitet v. Zwiedineck-Südenhorst den Zeitraum der Gründung des preußischen Königtums und hat davon Bd. 1 (Stuttg. 1890) veröffentlicht, der vom Westfälischen Frieden bis zum Tode des Großen Kurfürsten reicht. Der Verfasser betont nicht allein des Kurfürsten Bedeutung für Preußen, sondern für das Deutsche Reich und das europäische Staatensystem.

Schon im ersten Supplementband (Bd. 17, S. 305) ist auf den ersten Band der Memoiren des Herzogs Ernst II. von Sachsen-Koburg-Gotha, »Aus meinem Leben und aus meiner Zeit«, hingewiesen; inzwischen sind zwei weitere Bände (Gotha 1888) gefolgt, von denen der erstere die Zeit von den Dresdener Konferenzen (1850) bis zur Gründung des Nationalvereins (1859), der letzte die Thätigkeit des Vereins, die schleswig-holsteinische Verwickelung, die Ereignisse von 1866 und die Gründung des Deutschen Reiches behandelt. Diese Enthüllungen, gegen deren Glaubwürdigkeit ein Zweifel nicht möglich ist, gewähren interessante Aufklärungen über die preußische Politik vor dem Krimkrieg, über des Herzogs intimes Verhältnis zu Napoleon III., mit dem er durch Vermittelung des belgischen Prinzen Chimay eine geheime Korrespondenz unterhielt, über den Anteil des Herzogs an dem Schicksal des Augustenburgers u. a. Besonders wertvoll sind die Mitteilungen über den Anteil des Herzogs an den Langensalzaer Verhandlungen, welche die bis zuletzt von hannöverscher Seite erhobenen Vorwürfe widerlegen, und über seinen Aufenthalt im Hauptquartier in Böhmen und Mähren. Zum Schlusse werfen wir einen Blick auf die beiden epochemachenden Werke, welche sich die Darstellung der neuesten Geschichte Deutschlands zur Aufgabe gemacht haben. Von H. v. Treitschkes »Deutscher Geschichte im 19. Jahrhundert« ist Bd. 4 (Leipz. 1889) erschienen. Er behandelt das auf die Julirevolution folgende Jahrzehnt und weist unter anderm nach, daß Friedrich Wilhelm III. sich den Einwirkungen Rußlands und Österreichs gegenüber selbständiger gehalten hat, als man bisher annahm; doch erspart er ihm nicht den Vorwurf, daß er nicht schon beizeiten die Provinzialstände zu einen beratenden Reichstag erweiterte. H. v. Sybels »Begründung des Deutschen Reiches durch Wilhelm I.« (Bd. 1-5, Münch. 1889-90) beruht auf den in den preußischen Archiven aufgehäuften Akten, ministeriellen Erlassen und Gesandtschaftsberichten, die durch die Depeschen fremder Mächte, Protokolle der Kammerverhandlungen, Zeitungsberichte und mündliche Mitteilungen ergänzt werden. Daß der Verfasser die deutsche Geschichte vom preu-^[folgende Seite]