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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Norwegen

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Norwegen (Statistisches, Geschichte).

wurden die 6284 bestehenden Elementarschulen von 218,804 Kindern, in den Städten von 48,970 Kindern besucht.

Produktion. Die Fischerei lieferte in den Jahren 1888 und 1889 nur einen mittlern Ertrag, nämlich die Dorschfischerei 1889: 55,3 Mill. Fische im Werte von 14,5 Mill. Kronen (1888: 56,6 Mill. Fische im Werte von 12,9 Mill. Kr.). Beschäftigt waren mit dem Fange an den hauptsächlichsten Plätzen (Lofoten, Küste von Finnmarken und Romsdal) 1888: 60,621 Personen mit 14,703 Booten. An Frühlingsheringen wurden 1888: 170,000 hl im Werte von 435,000 Kr. (1889: 150,000 hl für 400,000 Kr.), an Sommerheringen 986,000 hl im Werte von 4,046,000 Kr. (1889: 1 Mill. hl für 5 Mill. Kr.) gefangen; ferner 8 Mill. Stück Makrelen, 594,122 kg Lachs, 855,103 kg Hummer etc. Der Gesamtwert der Fischereiprodukte betrug 1888: 21,8 Mill., 1889 ca. 24 Mill. Kr. Mit dem Wal- und Seehundsfang waren 1889: 25 Schiffe beschäftigt, die 71,300 Seehundsfelle, 12,548 Ton. Seehundsspeck und 4070 T. Walspeck erbeuteten. Der Ertrag des Silberbergwerks zu Kongsberg nimmt stetig ab und betrug im Betriebsjahr 1888-89 nur 5250 kg Feinsilber (1528 kg weniger als im Vorjahr), dagegen hat sich die Produktion von kupferhaltigem Schwefelkies in Röraas und Vignäs bedeutend gehoben; sie stieg in demselben Jahre auf 60,000 T., außerdem ca. 4000 T. Kupfererz allein in Röraas. Die Förderung von Apatit, welche in den Jahren 1882-85 von 15,338 auf 1605 T. zurückgegangen war, hat sich neuerdings wieder gesteigert, da 1889 die Gruben bei Bamble (Amt Bratsberg) 7000 T. lieferten. 1885 gab es überhaupt nur 1925 Fabriken mit 45,313 Arbeitern und einem Produktionswert von 11,1 Mill. Kr.; weitaus die meisten entfielen auf die Ämter Christiania, Smaalenene und Akershus. In den wichtigsten Industriezweigen waren beschäftigt: in der Maschinenfabrikation 4283 Personen, im Schiffbau 1846, in Spinnerei und Weberei 4711, in der Fabrikation von Holzmasse 1539, in der Zündhölzerfabrikation 1878, in Säge- und Hobelwerken 10,088, in Glashütten 744 Personen; es gab 47 Brauereien (1411 Arbeiter), 20 Branntweinbrennereien (343 Arbeiter), 43 Tabaksfabriken (1677 Arbeiter).

Der Handel mit dem Ausland hat in den letzten Jahren erheblich an Ausdehnung gewonnen, da der Wert der Einfuhr von 133,7 Mill. (1887) auf 191,6 Mill. Kr. (1889) und der Wert der Ausfuhr von 106,6 Mill. (1887) auf 132,7 Mill. Kr. (1889) gestiegen ist. Allerdings hat sich die Handelsbilanz verschlechtert, da die Ausfuhr 1889 um 59 Mill. Kr., im Zeitraum 1884-88 nur um ca. 37 Mill. Kr. hinter der Einfuhr zurückblieb. Die wichtigsten Einfuhrartikel waren 1889: Getreide (33,9 Mill. Kr.), Gewebe (28,8 Mill.), Kolonialwaren (21,4 Mill.), tierische Nahrungsmittel (12,8 Mill.), Kohlen (10,8 Mill.); die wichtigsten Ausfuhrartikel: Tiere und tierische Nahrungsmittel (45,5 Mill.), Holz (37,2 Mill.), Holzwaren (14,1 Mill. Kr.). Hauptverkehrsländer sind Großbritannien (Einfuhr 60 Mill., Ausfuhr 43,6 Mill. Kr.), das Deutsche Reich (48 Mill., bez. 17 Mill.) und Schweden (21,8 Mill., bez. 20,6 Mill. Kr.). Die Einfuhr aus Deutschland hat sich gegenüber der Periode 1880-85 von 29 auf 25,1 Proz. der Gesamteinfuhr vermindert, während in den gleichen Zeiträumen die Ausfuhr nach Deutschland von 12 auf 15,6 Proz. gestiegen ist. Im J. 1888 liefen in den Häfen Norwegens 5607 Schiffe von 1,447,758 Ton. mit Ladung ein, 10,350 Schiffe von 2,035,125 T. mit Ladung aus. Die norwegische Handelsflotte zählte 1889: 7233 Schiffe von 1,534,540 T.

Die Staatseinnahmen beliefen sich im Finanzjahr 1888/89 auf 44,775,100 Kr., die Ausgaben aus 43,566,100 Kr., die Staatsschuld 1889 auf 115,7 Mill. Kr. Der Stand der Finanzen in den norwegischen Gemeinden war 1887 folgender: Die 24 Städte mit mehr als 3000 Einw. hatten zusammen eine Einnahme von 12,3 Mill. gegenüber einer Ausgabe von 13,3 Mill. Kr.; ihre Schuldenlast betrug 32 Mill., ihr Besitz 57,6 Mill. Kr. (bei Christiania 11,6, bez. 18,7 Mill.). In den ländlichen Gemeinden betrugen die Einnahmen 7,9 Mill., die Ausgaben 8,2 Mill., die Schulden 7,5 Mill., die Aktiva 36,5 Mill. Kr. In den Amtskassen beliefen sich die Einnahmen auf 3,6 Mill., die Ausgaben auf 3,5 Mill. Kr.; 4,6 Mill. Kr. Aktivvermögen standen nur 640,838 Kr. an Schulden gegenüber. Seit 1. Jan. 1890 sind in N. Geschwornengerichte eingeführt worden. Schwerere Fälle kommen vor ein Lagmandsret (Oberlandesgericht), geringere vor ein Middomsret (Bezirksgericht). Ersterm gehören ein Lagmand (Oberlandrichter), 2 andre Richter und 10 Geschworne an; es muß in jedem Gerichtsbezirk wenigstens viermal jährlich eine Sitzung (Lagmandsthing) abhalten. Die Anklagebehörde wird durch einen Reichsadvokaten und 11 Staatsadvokaten vertreten. Bis zum Erlaß eines neuen Strafrechts gilt ein provisorisches vom 29. Juni 1889.

Geschichte. Die Stellung des konservativen Ministeriums Stang befestigte sich 1889-90 immer mehr; im Storthing erlangte es durch den Anschluß der gemäßigtern Mitglieder der Linken eine feste Mehrheit. Das Ansehen des frühern allmächtigen Ministerpräsidenten Sverdrup war so gesunken, daß der Antrag, ihn zum Direktor der Hypothekenbank zu erwählen, im Storthing abgelehnt wurde. Dagegen wurden die Anträge der Regierung fast unverändert angenommen; nur im Marinebudget wurden einige Abstriche vorgenommen. Das Armeebudget wurde unverändert bewilligt, zu den vom Ministerium beantragten Eisenbahnlinien noch eine hinzugefügt. Gegen die Anträge auf Erweiterung des Stimmrechts bei den Storthingswahlen erklärte sich der Minister Stang auf das entschiedenste; unbedingt verwarf er das allgemeine Stimmrecht, welches die Zahl der Wahlberechtigten von 188,000 Personen auf 400,000 vermehren und, da N. nur eine Kammer hat, die Zusammensetzung derselben unberechenbaren Einflüssen preisgeben würde. Die Erweiterung des Stimmrechts wurde daher ebenso wie die Verleihung des politischen Wahlrechts an Frauen abgelehnt. Die Sitzungen des Storthings wurden 8. Juli 1890 geschlossen. Kurz vorher stattete der deutsche Kaiser Wilhelm II. dem König Oskar auch in seiner norwegischen Hauptstadt Christiania einen Besuch ab und wurde glänzend empfangen. Die Norweger legten Wert darauf, daß hierdurch ihr Land auch nach außen hin als gleichberechtigt mit Schweden anerkannt wurde, und schrieben das auch dem Umstand zu, daß es nun eine feste und geachtete Regierung besaß. Dieses Selbstbewußtsein äußerte sich freilich nicht selten in einer kaum gerechtfertigten Abneigung gegen die Union mit Schweden. Namentlich verlangte man in N. einen Anteil an der Leitung der auswärtigen Politik, welche bisher in Schwedens Hand gelegen hatte. König Oskar ging auf den Wunsch ein und ließ eine Vorlage für die Kammern beider Länder ausarbeiten, wonach alle wichtigen auswärtigen oder sonstigen gemeinsamen Angelegenheiten im schwedischen Staatsrat unter Zuziehung von drei norwegischen Staatsräten und im norwegischen Staatsrat im Beisein von drei Mitgliedern des schwedischen Staatsrats beraten