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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Pädagogische Litteratur 1880-90

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Pädagogische Litteratur 1880-90 (Schulstatistik).

eignen »Gesellschaft für deutsche Erziehungs- und Schulgeschichte«, deren Hauptaufgabe die Förderung des Kehrbachschen Sammelwerkes sein sollte. Mit dem wirklichen Zusammentritt dieser Gesellschaft in Berlin 14. Dez. 1890 schloß das Jahrzehnt, über das hier berichtet wird, würdig ab.

Schulstatistik.

Auch auf dem Gebiete der Schulstatistik ist dem abgelaufenen 9. Jahrzehnt des Jahrhunderts das beste Zeugnis auszustellen, mag man diese im engern inne als wissenschaftliche Zusammenstellung und Verwertung der Zahlen und Zahlverhältnisse oder im weitern Sinne als wissenschaftlich geordnete Darstellung des für einen bestimmten Zeitpunkt ermittelten, allgemeinen Zustandes des Schulwesens auffassen. Für die preußische Schulstatistik im engern Sinne, soweit sie das höhere Schulwesen im amtlich anerkannten Umfang betrifft, ist seit 1884 ein eignes amtliches Organ geschaffen worden, betitelt: »Statistische Mitteilungen über das höhere Unterrichtswesen im Königreich Preußen«, Beilage zum Zentralblatt der gesamten Unterrichtsverwaltung. Die bis 1881 indem letztgenannten Blatte verstreut gegebenen statistischen Angaben wurden im ersten Hefte dieser Beilagen für das dazwischenliegende Triennium zusammengefaßt. Sie erscheinen seitdem in wohlgeordneter Übersicht alljährlich. Diese umfaßt drei Hauptteile: 1) Hochschulen und Akademien; 2) wissenschaftliche Prüfungskommissionen, Probekandidaten und Lehrer der höhern Lehranstalten; 3) Gymnasial- und Realanstalten. Eine höchst dankenswerte Gabe, die nur bedauern läßt, daß sie nicht, nach analogen Gesichtspunkten geordnet, das ganze Unterrichtswesen, und zwar nicht das preußische allein, sondern das deutsche umfaßt. Ein Gesamtbericht nach Art des berühmten jährlichen »Report of the commissioner of the United States-board of education« muß bei aller Selbständigkeit der einzelnen Bundesstaaten möglich und würde hoch erwünscht sein. An Stoff dazu fehlt es schon jetzt nicht. Nicht nur geben die größern deutschen Staaten, wie Bayern, Sachsen, Württemberg, Baden, Hessen, schon jetzt von Zeit zu Zeit statistische Übersichten über ihr Schulwesen heraus, sondern auch private Unternehmen, wie für die Universitäten Aschersons »Deutscher Universitätskalender« (Berl., jährlich seit 1873), für die höhern Lehranstalten das »Statistische Jahrbuch der höhern Schulen Deutschlands, Luxemburgs und der Schweiz« (neue Folge von Mushackes »Schulkinder II«; Leipz., seit 1880), zeigen, daß ohne übermäßigen Aufwand an Arbeitskraft etc. das Nötige aus dem ganzen Reiche wohl zu beschaffen ist. Inzwischen ist die Volksschulstatistik in Preußen nicht etwa hintangestellt. Sie fand nur nicht in fortlaufenden periodische Veröffentlichungen, sondern in zwei umfangreichen Arbeiten von musterhafter Vollständigkeit und Gründlichkeit Ausdruck, die unter der Leitung eines Rates aus dem Kultusministerium, des hochverdienten K. Schneider, und eines Mitgliedes des Statistischen Amtes, A. Petersilie, entstanden: »Die öffentlichen Volksschulen im preußischen Staate« (13. Ergänzungsheft zur »Zeitschrift des königlich preuß. Statist. Büreaus«, Berl. 1883) und »Das gesamte Volksschulwesen im preußischen Staate im Jahre 1886« (Heft 101 der »Preußischen Statistik«, 1889). Der reiche Inhalt dieser epochemachenden Werke kann hier nicht einmal gestreift werden. Aus dem weitern Umfang der Schulstatistik ist zunächst zu erwähnen, daß L. Wieses bewährte »Sammlung der Verordnungen und Gesetze für die höhern Schulen in Preußen« durch O. Kübler eine neue Auflage (3. Aufl., Berl. 1886-88, 2 Bde.) erfahren hat, die an der Hand des amtlichen »Zentralblatts für die gesamte Unterrichtsverwaltung in Preußen« (seit 1859) die geltenden Vorschriften in ihrem gegenwärtigen Bestand darstellt. Die Herrschaft des Buches ist damit auf seinem Gebiet für lange Zeit wieder gesichert. Auch Bayern und das Königreich Sachsen haben neuerdings ähnliche Werke erhalten, jenes: Füger, »Schulordnungen der Studienanstalten, Realgymnasien und Realschulen in Bayern« (Bamb. 1889); dieses: Philipp, »Das höhere Schulwesen im Königreich Sachsen« (Dresd. 1889). Gleichzeitig ist der preußische Wiese ergänzt und, was Reichhaltigkeit (auch in geschichtlicher und eigentlich statistischer Hinsicht) wie Übersichtlichkeit betrifft, überflügelt durch das verdienstliche Sammelwerk zweier Räte des Kultusministeriums, K. Schneider und E. v. Bremen: »Das Volksschulwesen im preußischen Staate in systematischer Zusammenstellung der auf seine innere Einrichtung und seine Rechtsverhältnisse sowie auf seine Leitung und Beaufsichtigung bezüglichen Gesetze und Verordnungen« (Berl. 1886-87, 3 Bde.). Wer mit diesen amtlichen und halbamtlichen Quellen die schon in anderm Zusammenhang hervorgehobenen statistischen Artikel der 2. Auflage der Schmid-Schraderschen Encyklopädie und die jährlichen Übersichten im »Pädagogischen Jahresbericht« (jetzt hrsg. von A. Richter, der Bericht über Deutschland von A. Kleinschmidt) zusammennimmt, kann sich ein durchaus treues und fast bis in die kleinsten Züge genaues Bild des preußischen Schulwesens und im ganzen auch des deutschen Schulwesens überhaupt zusammensetzen; was den Wunsch jedoch nicht ausschließt, sondern vielmehr gerade nahelegt, ein solches möchte von amtlicher Stelle (Reichsschulkommission) amtlich aufgestellt werden. Bezüglich des Auslandes ist in erster Reihe auf die große Schmid-Schradersche Encyklopädie zu verweisen; namentlich für die Länder und Staaten, die durch Gunst der alphabetischen Ordnung in den letzten Bänden behandelt worden. Ihnen darf für Österreich-Ungarn (Fr. Frisch und M. Lövy) und die Schweiz (Archivbüreau der schweizerischen permanenten Schulausstellung zu Zürich) ebenfalls der »Pädagogische Jahresbericht« als fortlaufende Ergänzung zur Seite gestellt werden. Doch fehlt es auch nicht an Monographien über das Schulwesen der Nachbarländer, die beweisen, daß die deutsche Lehrerwelt keineswegs selbstzufrieden die Augen gegen das, was rings um uns zur Pflege des Unterrichts- und Erziehungswesens geschieht, verschließt. Von den zahlreichen hierher gehörigen Aufsätzen in pädagogischen Zeitschriften kann in dieser Übersicht nicht die Rede sein. Als Proben selbständig erschienener Arbeiten aus diesem Gebiet seien genannt: Lauer, »Entwickelung und Gestaltung des belgischen Volksschulwesens« (Berl. 1885) und »des niederländischen Volksschulwesens« (das. 1885); Schröder, »Das Volksschulwesen in Frankreich« (Köln 1884-87, 2 Bde.); Jolly, »Die französische Volksschule unter der dritten Republik« (Tübing. 1884); Wychgram, »Das weibliche Unterrichtswesen in Frankreich« (Leipz. 1886); Kemény, »Beiträge zur Kenntnis des modernen Schulwesens von Frankreich, mit Berücksichtigung der übrigen auf der Pariser Weltausstellung vertretenen Länder« (Gotha 1890); Hauffe, »Die Volksschule und die Lehrerbildung in Österreich« (das. 1887); Klinghardt, »Das höhere Schulwesen Schwedens« (Leipz. 1887). Mit besonderm Anteil wird überall in Deutschland das