Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Porto; Porträt

724

Porto - Porträt.

Porto. Nach einer Festsetzung vom 1. Juni 1889 wird für Drucksachen im Verkehr innerhalb Deutschlands sowie mit Österreich-Ungarn auf alle Entfernungen erhoben: bis 50 g 3 Pf., über 50-100 g 5 Pf., über 100-250 g 10 Pf., über 250-500 g 20 Pf., über 500 bis 1 kg 30 Pf.

Porträt im alten Griechenland und Rom. Die Kunst, das menschliche Antlitz in Marmor, Erzguß oder in Farben darzustellen, hatte schon im alten Griechenland eine hohe Blüte erreicht. Doch war in der ältesten Zeit das P. nicht Selbstzweck, sondern diente zu einer außer ihm liegenden Bestimmung. Es war entweder Grabmal oder Weihgeschenk an die Götter. Wir wissen jetzt durch neue Ausgrabungen in Attika, daß in der Zeit vor den Perserkriegen das kegelförmige Grab häufig die vollausgearbeite Porträtstatue des Verstorbenen, oder auch in Relief ausgeführt, als Stele trug. Priesterinnen anderseits weihten auf der Burg von Athen ihre Bildnisse der Athene, welcher sie dienten. Erst im 5. Jahrh. tritt das P. als selbständiges Kunstwerk auf und zwar meist in der Form der Herme, eines viereckigen Pfeilers, welcher oben in menschliche Schultern und Kopf endigt; doch gab es auch ganze Porträtstatuen genug, z. B. die allbekannten des Sophokles, Demosthenes u. a. Auf Münzen tritt bei den Griechen das P. erst mit Alexander d. Gr. auf und wird auch dann nur selten angewandt, während bei den Römern von der Kaiserzeit an ganze Reihen vorliegen. Die Porträtmalerei, hoch gerühmt von den Schriftstellern, ist uns in ihren Hauptwerken gänzlich verloren gegangen, nur hin und wieder taucht ein schwacher Nachklang in einem Mosaik auf, und vor kurzem erst sind in Ägypten ganze Reihen von hellenistischen Porträten entdeckt worden, welche ganz unter griechischem Einfluß von Alexandria her stehen. Diese Porträte, von denen eine große Anzahl aus der Sammlung des Wiener Kaufherrn Graf (130 Stück) in allen Hauptstädten ausgestellt waren und großes Aufsehen erregten, sind auf Sykomorenholz gemalt und stellen die verschiedensten Personen aller Altersstufen dar. Meist ist nur Kopf und Hals mit dem obern Teile der bekleideten Brust dargestellt, hin und wieder auch die Hände. Sie waren mit Asphalt, von dem häufig auf der Rückseite der Tafel noch Spuren sichtbar sind, am Kopfende der Mumien befestigt, von Binden eng umrahmt, so daß meist nur das Gesicht daraus hervorschaute. Sie wollen das wirkliche Abbild Gestorbener darstellen und vertreten also die Stelle der sonst bei den Ägyptern üblichen Totenmasken, resp. Reliefs, nur mit dem Unterschied, daß diese hellenistischen Porträte das getreue Abbild des Individuums geben wollen, während dies bei den ägyptischen Totenmasken nicht der Fall war. Sie kommen meistens aus dem Fayûm und gehören wahrscheinlich in die römische Kaiserzeit. (Eine Zusammenstellung von Abbildungen gibt Graul, Leipz. 1888; eine gute Darstellung der gesamten Frage Wilcken im »Jahrbuch des archäologischen Instituts«, 1889.).

Von weit höherm Werte sind für uns die Werke der Plastik. Eine sehr große Anzahl Porträtbüsten ist uns aus dem griechischen wie römischen Altertum überkommen, aber meist ohne erklärende Inschrift, so daß wir der großen Menge gegenüber zunächst ratlos dastehen. In der Renaissancezeit half man sich leicht, indem man nach der Vorstellung, die man aus den Schriftstellern oder der eignen Phantasie sich bildete, kurzweg die namenlosen Büsten taufte und sogar mit neuen Inschriften versah. So wurde ein schöner Bronzekopf aus Herculaneum, der später als ein bärtiger Dionysos (Bacchus) erkannt worden ist, Plato benannt. Solche falsche Benennungen haben sich dann fortgepflanzt, und es ist erst jetzt gelungen, eine Anzahl zu entlarven und die wahren Porträte aufzufinden. Hilfsmittel geben zunächst Münzen, welche griechische Städte zum Andenken an besonders berühmte Mitbürger prägten, so z. B. die Mytilenäer auf die Sappho; ferner auch Doppelhermen. Man stellte mit Vorliebe zwei geistig ver-^[folgende Seite]

^[Abb.: Fig. 1. Sappho (Rom, Villa Albani).]

^[Abb.: Fig. 2. Thukydides (Marmorbüste in Holkham Hall, England).]