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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Portugiesische Litteratur

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Portugiesische Litteratur (seit 1880).

nahm die englische Regierung den modus vivendi an und trat in neue Verhandlungen ein, um bis zum Ablauf desselben (Ende Mai 1891) zu einer definitiven Verständigung zu gelangen. Einstweilen schickte die Regierung einige Truppen nach Afrika; auch ein Bataillon portugiesischer Freiwilliger aus Brasilien wurde dahin gesandt. Dies teilte der König 2. Jan. 1891 den Cortes bei der Eröffnung ihrer Sitzungen in der Thronrede mit, nach deren Verlesung die Cortes sofort bis zum März vertagt wurden.

Die Erschütterung des Ansehens des Königtums und der Behörden kam 31. Jan. 1891 zu Tage, indem in Oporto ein Militäraufstand ausbrach, der die Errichtung einer Republik zum Ziele hatte. Doch schlossen sich nur wenige Bürger der Erhebung an, und sie wurde daher von den treu gebliebenen Truppen in wenigen Stunden unterdrückt. Einer Verbreitung des Aufstandes über andre Städte wurde dadurch vorgebeugt. Die Regierung nahm aber den Vorfall zum Anlaß, um gegen die republikanischen Zeitungen mit Strenge einzuschreiten und einige der schlimmsten Hetzblätter zu unterdrücken. Die Cortes wurden 4. März wieder zusammenberufen, um eine Anleihe zur Konsolidierung der schwebenden Schuld und die Einführung des Tabaksmonopols zu genehmigen. Nachdem dies geschehen, wurden die Cortes 21. März wieder geschaffen.

Portugiesische Litteratur. Die Gesamterscheinungen der portugiesischen Litteratur der letzten Jahrzehnte tragen den allgemeinen Charakter, welcher dieselbe zu allen Perioden kennzeichnet. Der Einfluß frankreichs wirkt übermächtig auf das Schriftentum Portugals, seine poetischen und wissenschaftlichen Erzeugnisse ein. Neben der abgöttischen Verehrung des monarchischen Prinzips erschüttern radikale Lehren Thron und Staat; der überschwenglichen religiösen Richtung steht schroffer als irgendwo der Atheismus gegenüber. Nirgends fand Comtes und Littrés Positivismus unter den Gebildeten eifrigere Verteidiger und unter den Massen gläubigere Schüler. Eine Übersetzung von Prosper Pichards Katechismus »Doutrina do Real-Catecismo para uso dos que não se contentam com palavras«, die bereits 1876 zu Porto erschien und ein Vorwort E. Littrés hat, beabsichtigte, die positivistischen Grundsätze weiter zu verbreiten, was Theophilo Bragas Zeitschrift »O Positivismo« nicht völlig gelang.

Die Dichter früherer Jahrzehnte, wie João de Deus, Luiz A. de Palmeirim, Mendes Leal und zahlreiche andre, blühen heute noch, ihre Werke werden neu aufgelegt, obwohl einer der bedeutendsten, Anthero de Quental, in einem ursprünglich im »Jornal do Commercio« vom 7. Juli 1881 erschienenen Artikel: »Die Poesie in der Gegenwart« den Grundsatz ausspricht, die poetische Phase der Menschheit sei im Absterben begriffen; dieses Jahrhundert werde die letzten Dichter wie die letzten Gläubigen gesehen haben, da der menschliche Geist in das ausschließliche Gebiet des Rationalismus, der Analyse und Kritik angelangt sei, die Poesie keine soziale Mission mehr habe und die wenigen lebenden Dichter nur noch die verstümmelten Überreste eines Geschlechts von andern, eben im Aussterben begriffenen Ideen vorstellten. Und doch ist Anthero de Quental selbst einer der liebenswürdigsten Dichter der Gegenwart, dessen »Odes modernas«, »Sonetos« und »Thesouro poetico da infancia« weit verbreitet sind trotz des pessimistischen Geistes, der in seinen »Considerações sobre a philosophia da historia litteraria portugueza« atmet. Zu den rasch emporgekommenen Dichtern, bei deren Auftreten eben Quental der Poesie diese wenig günstige Aussicht stellt, ist der formgewandte Joaquim de Araujo in Porto zu zählen. Sein Gedichtenbuch »A lira intima« (Lissab. 1881) will nicht die Kämpfe des Zeitalters, sondern den lieblichen Duft der Jugendträume in sich fassen. Schon 1878 hatte Araujo die Zeitschrift »A Renascença« begründet, ein »Organ für die Arbeiten der neuern Generation« mit Beiträgen der bedeutendsten Schriftsteller und Dichter Portugals. Leider hat das treffliche Unternehmen sich nicht lange halten können und ist nur zu wünschen, daß Araujos neueste Publikation, die Monatsrevue »Circulo Camoniano«, welche speziell der Camões-Forschung gewidmet ist, ein längeres Leben habe. Augusto Luso da Silva zeigt in seinen »Impressões da Natureza« lebhaften Sinn für die Natur und ihre Schönheiten; João Minimo findet in seinen »Lyricas« frische Klänge, ebenso Alfredo Campos in seinem »Um livro intimo«. Theophilo Braga wendet die geringe freie Zeit, die ihm seine litterarhistorischen, sozialen und philosophischen Studien gewähren, auch noch wie früher der Dichtung zu (»Torrentes«, »Floresta de varios romances« u. a.). Vielfach thätig ist Thomaz Ribeiro, dessen Gedichte: »Vesperas, poesias dispersas«, »D. Jayme«, »A Delfina do mal«, »Sons que passam«, mehrere Auflagen erlebt haben, und dessen Einakter in Versen: »A Indiana«, viel Beifall fand. Faustino Xavier de Novaes hat nach seinen »Poesies« auch noch »Novas Poesias«, durch Camillo Castello Branco empfohlen, herausgegeben, denen die »Poesias posthumas« folgten. Der »Cancioneiro« (»Impressões e recordações«) sowie die »Serões d'Aldeia« des schon im J. 1848 mit seinem »Trovador« bekannt gewordenen João de Lemos haben viele Leser begeistert, sowie neben den »Poesias« des Luiz Augusto Palmeirim seine »Galeria de figuras portuguezas«, eine Darstellung der volkstümlichen Dichtung (»a poesia popular nos campos«), mit Recht Anerkennung fand. Die »Musa velha« des Francisco Palha, desgleichen die »Flores agrestes« des Bulhão Pato enthalten hübsche Dichtungen, sowie sich auch in der Sammlung des João Diniz »Thesouro do Trovador«, »Selecção de canções e recitativos« zierliche Verse finden. Die Centenarfeier des Camões (10. Juni 1880) hat selbstverständlich eine Reihe von Dichtungen größern und kleinern Umfangs hervorgerufen; besonders nennenswert sind die hierher bezüglichen Gedichte von Francisco Gomes de Amorim.

Zu den gefeiertsten Schriftstellern der neuern Zeit gehörte indessen Camillo Castello-Branco. Ein überaus frischer Stil, sprudelnder Humor neben tiefer Leidenschaft, historische Kenntnis seines Landes und eine reiche litterarische Thätigkeit zeichnen ihn vor allen andern aus und machen die hohe Achtung, welche ihm während seines Lebens zu teil wurde, begreiflich. Seine Werke erscheinen gesammelt als »Collecção Ernesto Chardron«, »Amor de Salvação«; der »Cancioneiro alegre de poetas portuguezes e brasileiros«, »A Brazileira de Prazins«, »Echos humoristicos«, »A Espada de Alexandre«, »Luiz de Camões«, der historische Roman »A Freira no subterraneo«, »No bom Jesus do Monte«, »O carrasco de Victor Hugo José Alves«, »Noites de insomnia«, »Mata-a ou ella te matará«, »Os amores do diabo«, »O vinho do Porto«, »O olho de vidro«, »Maria da Fonte«, »Amor de perdição«, »O bem e o mal«, »Caryota Angela«, »Duas épocas na vida«, »Volcões de lama«, »O judeu« und zahlreiche andre kürzere