Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Rauhreif; Raumanschauung

759

Rauhreif - Raumanschauung.

in Glogau und Generalleutnant und 1879 Chef der Landgendarmerie. R. genoß das besondere Vertrauen des Kaisers Wilhelm I. Nachdem er 1887 als General der Kavallerie seinen Abschied erhalten hatte, starb er 7. Mai 1890 in Berlin. - Der General der Infanterie u. Chef der Landgendarmerie v. Rauch I. und der Oberstallmeister F. v. Rauch sind seine Brüder, der Präses der Generalordenskommission, General der Kavallerie v. Rauch II., sein Vetter.

2) Otto Jegorowitsch von, russ. General, geb. 1834 als Sohn eines Arztes, ward 1851 Offizier in einem Gardeinfanterieregiment, gelangte wegen seiner hohen Begabung früh in den Generalstab, zeichnete sich schon im Krimkrieg aus und wurde bereits 1868 General. 1877 im türkischen Kriege befehligte er die Vorhut des Generals Gurko beim ersten Vordringen über den Balkan und schlug die siegreichen Gefechte bei Jeni-Sagra und Eski-Sagra, erhielt im Winter das Kommando der 1. Gardeinfanteriedivision, mit welcher er zum zweitenmal den Balkan überschritt, und ward 1889 kommandierender General des 15. Armeekorps in Warschau; hier starb er 13. Aug. 1890.

Rauhreif, s. Eis, S. 217.

Raumanschauung. In der Psychologie die Bewußtseinsthatsache, daß wir gewisse Empfindungen und die ihnen zu Grunde liegenden Objekte in einem Auseinander (Neben- und Hintereinander) anordnen. Obwohl die Psychologie die erkenntnistheoretisch-metaphysische Frage nach der Realität des Raumes nicht berührt, so weicht doch auch sie insofern von der natürlichen Auffassung ab, als sie den Raum nicht als ein Gefäß für unsre Empfindungen, als etwa außer uns sich Erstreckendes, sondern als eine Bewußtseinsthatsache betrachtet. Über die Entstehung dieser Thatsache liegen die Theorien des Nativismus und Empirismus vor. Wer die gesamte R. für schlechthin angeboren erklärt, gerät mit Erfahrungen an Neugebornen, operierten Blindgebornen und bei Sinnestäuschungen in Widerspruch; wer die gesamte R. für schlechthin anerworben, erlernt erklärt, scheitert an der Schwierigkeit, aus Qualitäten und deren Verhältnis das Auseinander abzuleiten. Um zu begreifen, wie Empfindungen in einer kontinuierlichen Ausdehnung gruppiert werden, müssen daher ursprüngliche Raumelemente in der Seele vorausgesetzt werden: »Der Mensch kommt mit einer, wenn auch dunkeln Vorstellung eines äußern Etwas, mit einer gewissen R. zur Welt.« (Kußmaul.) Von diesem Standpunkt eines gemäßigten Nativismus oder beschränkten Empirismus aus sollen die einzelnen Stufen der psychologischen Entwickelung dargestellt werden.

Flächenanschauung wird durch Tastsinn und Gesichtssinn gewonnen und zwar zunächst durch beide als unabhängige Faktoren, die sich aber freilich aus praktischen Bedürfnissen der normalen Lebensentwickelung vollständig miteinander verkoppeln. Die einfachsten Distanzvergleichungen mit Hand und Auge beweisen, daß die Raumvorstellungen beider Sinne selbständige Bedeutung besitzen. A. Tastfläche. Dadurch, daß die Tastorgane ausgedehnt sind, können gleichzeitig verschiedene Reize auf dasselbe Glied einwirken oder auch ein und derselbe Reiz gleichzeitig auf verschiedene Partien des Gliedes. Die räumliche Ausbreitung der nervösen Endfasern in der Haut ist angeboren und die natürliche Vorbedingung aller R. Ebenso verhält es sich mit dem Auge, und es ist kein Zufall, daß Hand (Fuß) und Auge zugleich diejenigen Organe sind, welche immer willkürlich bewegt werden können. Denn die Möglichkeit, den Reiz durch Bewegung der Finger zu wechseln, bez. dasselbe Objekt mit verschiedenen Punkten der tastenden Oberfläche zu berühren, verleiht der Bewegung die räumliche Bedeutung, während sie sonst bloß eine Kraftanstrengung wäre; der Blinde geht, indem er die Wand entlang tastet. B. Sehfläche. Verschiedene Lichtstrahlen, die von mehreren Gegenständen ausgehen, erregen verschiedene Punkte der Netzhaut und verschiedene Fasern des Sehnervs. Auch bis zum Gehirn hin, wo doch erst die Empfindung zu stande kommt, verlaufen die Erregungen des sensorischen Nervs unverschmolzen nebeneinander (Gesetz der isolierten Nervenleitung). Aber aus diesem physiologischen Thatbestand erklärt sich noch nicht die vom Sehzentrum nunmehr vorgenommene räumliche Verteilung der Empfindungen, denn die ebenfalls isoliert zugeleiteten Tonempfindungen werden nicht zu einer Flächenanschauung kombiniert. Diese besondere Leistung der Seele für den Gesichts- (und Tast-) Sinn soll vielmehr ihren Grund darin haben, daß bei jeder Wahrnehmung von örtlichen Verhältnissen größere oder kleinere Augenbewegungen gemacht werden, die als Lokalzeichen (Lotze) uns die Vorstellung des Nebeneinander verschaffen. Die Lokalzeichentheorie meint, daß, wenn ich erst Punkt A und dann Punkt B sehe, mein Auge also eine Bewegung macht, diese die Vorstellung eines flächendimensionalen Abstandes hervorruft. Nun zeigen jedoch Reaktionsexperimente, daß man weniger Zeit braucht, um Raumentfernungen zu perzipieren, als um Farben zu unterscheiden, die gerade etwas Ursprüngliches, Unvermitteltes sein sollen. Das Distanzsehen in der Fläche kann demnach nicht komplizierter sein als das Farbensehen, sondern muß als eine angeborne Begleitempfindung gewisser Sinnesempfindungen aufgefaßt werden. In der so gegebenen Anschauung einer ausgedehnten, farbigen Fläche findet sich keine Beziehung zu einer Tiefendimension und zur Entfernung von Objekten; diese Beziehung entwickelt sich allmählich aus gewissen Fähigkeiten des Auges. Tiefenanschauung. A. Monokulare Sehtiefe. 1) Das einzelne Auge stellt sich mittels seines Akkommodationsapparats auf jeden Gegenstand besonders ein; wir halten ein Objekt für desto näher, je stärker die Muskelempfindungen der Akkommodation bei deutlicher Wahrnehmung des Objekts sind. 2) Die Größe eines Netzhautbildes (die scheinbare Größe eines Objekts) und der Gesichtswinkel sind um so kleiner, je weiter entfernt der gesehene Gegenstand ist. An sich werden beide Umstände dem einzelnen Auge nicht zum Tiefensehen verhelfen. Bewege ich z. B. meine Hand vom Auge fort nach vorn, so sieht das Auge nur ein Kleinerwerden der Hand; indem sich aber mit solcher Wahrnehmung eine ausgiebige Bewegung verbindet, verwandelt sich die Wahrnehmung des Kleinerwerdens in die Anschauung der Tiefe. Ferner belehrt mich der Gesichtswinkel über die Entfernung eines Gegenstandes, dessen Größe ich bereits durch Abtasten kenne, denn dann weiß ich, ob die gesehene Größe der thatsächlichen nahe kommt oder mehr oder weniger hinter ihr zurückbleibt. 3) Infolge der Lichtabsorption und Lichtbrechung in der Atmosphäre wächst mit zunehmender Entfernung die Undeutlichkeit der Umrisse und Farben eines Objekts. 4) Die Anzahl der zwischen dem Beobachter und einem Gegenstand gelegenen. Objekte vermittelt die Vorstellung und Abschätzung einer Entfernung. 5) Die Verteilung von Licht und Schatten unterstützt das