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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Rußschreiber

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Russisches Reich - Rußschreiber.

ergab sich. Kurgan und Tschilek fielen, und 2. Juli 1868 wurden die letzten Truppen des Emirs auf den Serabulakschen Höhen vernichtet. Samarkand sowie überhaupt das eroberte Gebiet am Sariawschan, 12,500 QWerst, wurde dem Generalgouvernement Turkistan einverleibt. Während Bochara und Chokand mit Rußland Verträge abgeschlossen hatten und zwischen diesen Reichen freundschaftliche Beziehungen zu stande gekommen waren, stellte sich der Chan von Chiwa, Seid Mohammed Rachim Bahadur, Rußland feindlich gegenüber durch Aufwiegelung der Kirgisen. Rußland beschloß gegen Chiwa vorzugehen. England wurden bindende Erklärungen, daß es auf keine Eroberungen abgesehen sei, abgegeben, und 1873 gingen drei Kolonnen, von O. das turkistanische Detachement, 5000 Mann, von Djisak, von N. das orenburgische von gleicher Stärke vom Emba-Posten, von W., bez. von SW. das kaukasische in zwei Kolonnen von je 2000 Mann von der Kinderlibucht des Kaspischen Meeres, bez. von dem am Südende desselben gelegene Tschikischlar aus gegen Chiwa vor. Das turkistanische Detachement erreichte 11. Mai 1873 den Amu Darja, die chiwesischen Truppen wurden zurückgeworfen; die Festung Chasarasp wurde genommen. Bei Kungrad, der nördlichsten chiwesischen Stadt, hatten sich die Detachements, welche von der Kinderlibucht und vom Emba-Posten vorrückten, vereinigt und schlugen die Chiwesen bei Mangyt. Am 28. Mai rückten die vereinigten drei Detachements in Chiwa, der Hauptstadt des Chanats, ein. Nicht so glücklich war die von Tschikischlar abrückende Kolonne; die Beschwerden des Marsches waren so groß, daß sie nur bis zum Brunnen Orta-Kuju gelangte, hier umkehrte und 14. Mai wieder in Krassnowodsk am Kaspischen Meere eintraf. Am 12. Mai 1873 wurde zwischen Rußland und Chiwa der Friede geschlossen. Der Chan wurde wieder in seine Rechte eingesetzt, blieb aber Vasall von Rußland. Alle Besitzungen Chiwas am rechten Ufer des Amu Darja und das Delta dieses Flusses, etwa 260,000 QWerst groß, wurden dem russischen Generalgouvernement einverleibt.

Waren auch die Beziehungen zwischen Chokand und Rußland ganz freundschaftliche geworden, so veranlaßten doch die innern Angelegenheiten des Chanats ein Einschreiten Rußlands. Infolge der Bedrückungen des Chans Chudajar hatten sich die Chokander erhoben, den Chan vertrieben; der Kiptschake Abdurachman Awtobatschi hatte den Sohn Chudajars, Nassr ed din, zum Chan ausgerufen, welcher die mit Rußland abgeschlossenen Verträge nicht hielt. Die Russen rückten ein, schlugen die Chokander 22. Aug. 1875 bei Machran und rückten auf die Hauptstadt Chokand. Abdurachman erlag bei Margelan. Beim Friedensschluß fiel die Landstrecke auf dem rechten Ufer des Sir Darja von der russischen Grenze bis zum Naryn an Rußland. Ein von Abdurachman veranlaßter Aufstand wurde niedergeworfen und ersterer gefangen; Nassr ed din, ein Werkzeug der herrschenden Kriegspartei, machte sich von neuem zum Kampfe bereit. Infolgedessen besetzten die Russen 8. Febr. 1876 die Stadt Chokand, und das neueroberte Gebiet, etwa 60,000 QWerst, wurde als das Gebiet Ferghana dem russischen Generalgouvernement Turkistan einverleibt.

Die Turkmenen, erbitterte Feinde Rußlands, sollten durch den im März 1874 aus den sich längs der Ostküste des Kaspischen Meeres hinziehenden Länderstrecken neugebildeten transkaspischen Militärbezirk, 285,000 QWerst betragend, im Zaume gehalten werden; es gelang nicht. Nach mehrern erfolglosen Zügen 1874, 1876, 1878 brach 6. Juni 1879 von Tschikischlar, an der Mündung des Atrek, unter dem General Lazarew ein größeres Expeditionskorps auf. Lazarew starb 13. Aug., Lomakin übernahm das Kommando. Die Tekke-Turkmenen hatten sich in Gök-Tepe festgesetzt, ein Angriff der Russen scheiterte, sie mußten ohne Erfolg nach Tschikischlar zurückgehen. Glücklichern Erfolg hatte die 1880 unter General Skobelew ausgerüstete Expedition gegen die Tekke-Turkmenen, indem die umfassendsten Vorbereitungen getroffen waren, sogar eine Eisenbahn gebaut war. Die Operationen begannen von Bami aus im November. Am 27. Nov. wurde Karys und Kelat, 30. Nov. Jegnan-Batyrkul, 20. Dez. Jani-Kala genommen. Gök-Tepe fiel 13. Jan. 1881. Der General Skobelew ging weiter nach Aschabad und sandte Kolonnen bis zum Tedschent. Im Mai 1881 wurde die Achal Teke-Oase als Transkaspisches Gebiet Rußland einverleibt. In der Folge (1884) sind nun auch die Merw-Turkmenen, die Saryk-Turkmenen von Pendsch-Deh russische Unterthanen geworden. Die Russen faßten nun noch am Heri Rud, dort, wo dieser Fluß unter dem Namen Tedschent die Steppe erreicht, in Sarachs festen Fuß.

Das Vorschieben der russischen Postierung nach Sarachs veranlaßte wieder Verhandlungen mit England in Rücksicht auf die Festsetzung der Grenze zwischen Afghanistan und Turkmenien, ohne daß es zu einem einheitlichen Beschluß kam. Da besetzten die Afghanen Ende Juni 1884 Pendsch-Deh am Murchab. Die Russen schoben ein Detachement von Merw aus nach S. vor und ließen von Sarachs aus Puli-Khatun am Heri Rud besetzen. Am 25. März 1885 verlangte der General Komarow die unverzügliche Räumung des linken Kuschkufers. Die Afghanen weigerten sich, die Russen griffen an und waren Sieger. Die Afghanen gingen auf Herat zurück, die Russen nahmen Pendsch-Deh in Verwaltung. Die Grenzlinie wurde zwischen England und Rußland in der Folge festgesetzt. Danach beginnt die Grenze am Heri Rud, zwei Meilen oberhalb Sulfikar, schneidet den Murchab zwischen Pendsch-Deh und Merutschak und erreicht schließlich bei Chodsha-Sale den Amu Darja. Das ganze Gebiet von Pendsch-Deh verbleibt bei Rußland; die Wüste im W. wird den Wanderungen der Turkmenen überlassen, während die bewohnten Landstriche des afghanischen Territoriums im Besitz des Emirs von Afghanistan verbleiben.

Rußschreiber (Weißschreiber), ein von Siemens u. Halske erfundener Registrierapparat, der durch die Bewegungen einer Drahtspule in einem magnetischen Felde Zickzackschrift liefert. Das magnetische Feld wird dadurch gebildet, daß ein nordmagnetischer cylindrischer Eisenkern in ein etwas größeres Loch einer südmagnetischen Eisenplatte hineingesteckt ist; in dem cylindrischen Zwischenraum zwischen dem Kern, diesen umgebend, und den Wandungen des Loches der Platte befindet sich die Drahtspule, von einem Blechkreuz getragen, das vermittelst eines Drahtes und einer Spiralfeder an einem Gestell aufgehängt ist. Draht und Spiralfeder sind an ihren Verbindungsstellen mit einem Blechstreifen verbunden, der mit dem einen Ende an einem Ständer festgeschraubt ist, während sein andres Ende die feine Schreibspitze aus Elfenbein trägt; letztere berührt von seitwärts leise den durch eine stark blakende Petroleumlampe berußten, durch ein Uhrwerk fortbewegten Papierstreifen und zeichnet auf ihm eine weiße Linie, die gerade bleibt, solange die Drahtspule in Ruhe ist, dagegen Kurven nach unten oder