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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Wald; Waldburg-Zeil

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Wald - Waldburg-Zeil.

sondern mit dem Anblick dieser roten Kugel verbinden sich unmittelbar die Vorstellungen der Schwere, Süße, Rauheit u. dgl., so daß daraus die W. einer Apfelsine wird. Man darf hier kaum von einem »unbewußten Schlusse« sprechen, da die Mittelglieder fehlen, vielmehr handelt es sich um eine Summe von Associationen, deren Ineinandergreifen am besten als Prozeß der Verschmelzung bezeichnet wird. Die elementare Verschmelzung zwischen augenblicklichen Empfindungen und erwachenden Empfindungsresiduen wird dadurch nicht gestört, daß beider Inhalte in gewissen Punkten voneinander abweichen, denn weder brauchen alle in einer W. thatsächlich enthaltenen Empfindungen benutzt zu werden, noch die sich anheftenden Residuen früherer Eindrücke unverändert jene Eindrücke widerzuspiegeln (s. Vorstellung, S. 969), wobei die Auswahl von dem Übergewicht des einen oder des andern Faktors abhängen dürfte. Ein solches Ineinandergreifen von Gegenwärtigem und Vergangenem ermöglicht den festen Dingbegriff und die Entwickelung sogen. Allgemeinvorstellungen. 2) Durch diesen objektiven Thatbestand entsteht ganz allmählich bei dem Heranwachsenden eine W. von Objekten. Das Kind lernt durch das Zusammenprallen beabsichtigter Bewegungen mit äußern Widerständen sein Selbstbewußtsein vom Weltbewußtsein scheiden und eine in Wahrnehmungen vermittelte Macht außer sich anerkennen, deren Beziehungen zu dem eignen Leben schließlich den Kausalitätsbegriff entstehen lassen. Einen wichtigen Beitrag hierzu und zur subjektiven Theorie der W. überhaupt liefert die Raumanschauung (s. d.). Vgl. Dilthey, Glaube an die Realität der Außenwelt (Berl. 1890).

Wald. Zum Zweck der Erforschung des Einflusses des Waldes auf das Klima ging man auch in Schweden schon 1876-77 mit der Errichtung forstlicher meteorologischer Stationen vor und zwar zunächst nach dem Plane von Ebermayer in München durch Einrichtung je einer Station unter den Bäumen des Waldes und einer benachbarten Station auf waldfreiem Lande als Parallelstation. Diesen Plan änderte Hamberg 1878 dahin ab, daß außerdem noch Stationen in größern Waldlichtungen errichtet wurden. Maßgebend war die Erwägung, daß weniger das Klima unter den Bäumen als dasjenige der Lichtungen, als der Stätte der jungen Anpflanzungen oder auch des Ackerbaues, von Interesse sei, und daß zur Beurteilung einer klimatischen Fernwirkung des Waldes ganz unbedingt die Lichtungsstationen als dritte Gattung, als Zwischenglied zwischen den beiden übrigen, erforderlich seien. Eingerichtet wurden im südlichen und mittlern Schweden 13 Versuchsstationen, darunter drei Gruppen von Parallelstationen. Die Ergebnisse in Bezug auf Temperatur und Luftfeuchtigkeit liegen bereits vor in den Publikationen Hambergs: »Om skogarnes inflytande på Sveriges klimat« I. u. II. 1885, III. 1889 (schwedisch und französisch).

Für die Nadelwälder Schwedens (nur um solche handelt es sich) ergibt sich nach Hamberg kaum ein Temperaturunterschied zwischen Lichtung und Flur (dem waldfreien Gebiet), es sei denn, daß die Temperatur an klaren ruhigen Abenden in der Lichtung tiefer herabsinkt als auf der Flur, eine Folge der durch die größere Luftruhe begünstigten Erkaltung durch Ausstrahlung. Eine Fernwirkung des Waldes tritt demnach, was die Temperatur anbetrifft, kaum hervor. Bei bedecktem Himmel herrscht in der Lichtung die gleiche Temperatur wie auf der Flur, und eine Untersuchung der Temperaturverhältnisse bei verschiedenen Windrichtungen führte insbesondere zu dem Ergebnis, daß der W. die Temperatur des ihn durchwehenden Windes nicht so wesentlich ändert, daß ein Unterschied innerhalb einer größern Lichtung wahrzunehmen wäre. Auf der andern Seite hebt Hamberg aber hervor, daß der W. rein mechanisch zuweilen gegen rauhe, kalte Winde Schutz zu bieten vermöge. Er gelangt also zu dem Resultat, der W. schütze in der Nähe gegen kalte und heftige Winde, schade aber auf der andern Seite, indem er die Dauer der Einstrahlung kürze, die der Ausstrahlung verlängere und den Rauhreif begünstige; eine merkliche Fernwirkung weise der W. in Schweden nicht auf; es scheine nach allem, als ob eine Reduktion der Wälder Schwedens in Hinsicht der Temperatur der Landwirtschaft keinen Schaden zufügen werde; vorausgesetzt, daß alles sonst unverändert bleibe, insbesondere die Höhe der Wasserläufe und die Luftfeuchtigkeit, würden, falls die Wälder fortfielen, die Mitteltemperaturen sich im Sommer etwas heben, im Winter vielleicht erniedrigen, im Jahresdurchschnitt aber heben; insbesondere würden die Abende und Nächte wärmer werden; es würde eine Milderung des Klimas eintreten.

Ein gleich negatives Resultat für die Fernwirkung des Waldes ergab sich für die Luftfeuchtigkeit, indem die Unterschiede der absoluten wie der relativen Feuchtigkeit zwischen Lichtung und Flur unwesentlich sind und in ihren Vorzeichen verschiedenartig ausfallen. Hamberg gelangt auch hier zu dem Resultat, daß das Schlagen der Nadelwälder Schwedens, falls die Verteilung der Niederschläge dieselbe bleibe, kaum eine wesentliche, für die Pflanzenwelt nachteilige Änderung zur Folge haben werde.

Ein weiteres besonderes System forstlich meteorologischer Stationen ist das System der Radialstationen in Österreich, wo zwecks Erforschung einer klimatischen Fernwirkung des Waldes außer Stationen innerhalb eines größern Waldkomplexes Stationen außerhalb desselben in verschiedenen Richtungen und Entfernungen angelegt wurden. Der erste Teil der Ergebnisse dieser Stationen liegt als 12. Heft der »Mitteilungen des forstlichen Versuchswesens in Österreich« vor unter dem Titel: »Resultate forstlich-meteorologischer Beobachtungen, insbesondere in den Jahren 1885-87, von Ritter von Lorenz-Liburnau; 1. Teil: Untersuchungen über die Temperatur und die Feuchtigkeit der Luft unter, in und über den Baumkronen des Waldes sowie im Freilande« (Wien 1890). Diese Resultate stimmen mit denen anderweitiger Darstellungen, insbesondere mit denen der deutschen Parallelstationen, überein, soweit als die Abweichungen der Methode und Anordnung der Versuche sowie eine Rücksichtnahme auf den durch die Individualität der Stationen bedingten verschiedenen Charakter sekundärer Einwirkungen solches erwarten lassen. Die Ergebnisse über die eigentliche Fernwirkung des Waldes, also seinen Einfluß auf das Klima, liegen noch nicht vor.

Waldburg-Zeil (nach seinem letzten Wohnsitz auch Waldburg-Syrgenburg genannt), Karl, Graf, Nordpolfahrer, geb. 18. Dez. 1841 zu Neutrauchburg in Württemberg als dritter Sohn des Fürsten Konstantin W. und Trauchburg, studierte auf den Akademien zu Hohenheim und Tharant Forstkunde und trat 1866 in die württembergische Armee ein, welcher er längere Zeit als aktiver Offizier angehörte. Mit Theodor v. Heuglin unternahm er Anfang Juli 1870 von Tromsö aus eine Forschungsreise nach dem noch wenig bekannten Ostspitzbergen, deren Ergebnisse: die