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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Wallis; Walther; Wanderungen der Tiere

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Wallis - Wanderungen der Tiere.

Eocän stark differenzierten Gebiß des Zeuglodon cetoides finden wir noch bei den heute lebenden Delphinen und Potwalen Gebisse mit langen Reihen primitiver kegelförmiger, einwurzeliger, immerfort an der Wurzel weiterwachsender Zähne, wie man sie sonst nur bei den niedersten Säugern (fossilen Beutlern und Zahnarmen) anzutreffen gewohnt war.

Nach derselben Richtung deutet ein neuer Fund von Kückenthal in Jena, der vor kurzem an einem aus dem Hafen von Bombay stammenden Wal (Neomeris phocaenoides) eine Rückenpanzerung durch eine zusammenhängende Decke von Hautplatten entdeckte. Diese Panzerung beginnt an dem 1,2 m langen Körper 34 cm hinter dem Munde und erstreckt sich als allmählich schmäler werdender Streifen von 5 cm Breite 60 cm weit nach hinten. Sie wird aus einzelnen, durch Rinnen getrennten oblongen Platten von 5 mm Länge und 3-4 mm Breite gebildet, die sich mit der längern Achse in der Längsrichtung zu regelmäßigen Längs- und Querreihen anordnen. Zerstreute Schilder bedecken auch den obern Teil des Kopfes, ordnen sich regelmäßig um die Spritzlöcher und bedecken reihenweise auch einen Teil der Vorderflossen und der Schwanzflosse. Das untersuchte Tier war ein trächtiges Weibchen, und da sich an dem ca. 52 cm langen Embryo noch einige Platten mehr als an dem erwachsenen Tiere befanden, so deutet dies darauf hin, daß der Panzer in der Rückbildung begriffen ist. Von dieser Thatsache ausgehend, wandte sich Kückenthal der Untersuchung andrer W. zu, um zu sehen, ob sich dort ähnliche Spuren fänden. Es zeigte sich, daß dies in der That bei den obiger Art nächstverwandten Phocänen der Fall ist. Die Hautplatten von Neomeris sind mit Höckern versehen, und ähnliche in Reihen gestellte Höcker fand Burmeister bei Phocaena spinispinnis wieder. Auch das gemeine Meerschwein (Phocaena communis) besitzt solche regelmäßig angeordnete Höcker, wenn auch nur in einer einzelnen, an der Rückenfinne verlaufenden Reihe. Es scheinen die letzten Reste einer bei den alten Walen in größerer Ausdehnung vorhanden gewesenen Hautpanzerung zu sein, von der sich nur noch bei der ersterwähnten indischen Art reichlichere Spuren erhalten haben.

Die größte Ähnlichkeit mit diesen Bildungen findet man bei den Gürteltieren. Den äußern Hornplatten derselben entspricht jedesmal eine Verknöcherung der darunterliegenden Haut, und sie sind in ähnlicher Weise aneinander gefügt wie bei dem Panzerwal. Dazu kommt noch, daß der Zahnwachstum der Delphine und Zahnwale entschiedene Ähnlichkeit mit dem der Zahnarmen (Edentaten) aufweist. Bekanntlich bildeten die Zahnarmen in der Vorzeit ein viel reicher entwickeltes Geschlecht als heute, dem auch mächtig entwickelte Formen in amerikanischen Riesenfaul- und Gürteltieren nicht mangelten. Es wäre demnach gar nicht so unmöglich, daß ein Teil der heute lebenden Meersäugetiere auch diesem alten Zweige des Tierreichs entsprossen sein könnte, und daß diese W. und die heute lebenden Panzersäuger gemeinsame Ahnen gehabt haben könnten. Dagegen würde auch die spärliche Behaarung der W. nicht sprechen, die sich namentlich bei den Embryos derselben findet, denn die Zwischenräume der Panzerplatten sind auch bei den Gürteltieren mit Haaren besetzt, manchmal so stark, daß Euphractus villosus in seiner Heimat als »Peludo«, d. h. der Behaarte, bezeichnet wird. Auch hier ist die Haarbildung nach der Beobachtung Kerberts das ältere, und die Platten werden erst nach derselben angelegt. Freilich sind diese Ähnlichkeiten vorläufig nur Ausblicke nach einer allerdings schon früher betonten Richtung, und man kann dem entgegenhalten, daß sich in mancher Beziehung recht ähnliche Schilderbildungen bei sicher nicht näher verwandten Wassertieren, wie Schildkröten, auf dem Schwanze des Bibers und in andern Fällen finden. Bei den nackthäutigen Ichthyosauriern fand sich sogar, ganz entsprechend dem Befund bei Neomeris, am Vorderrand der Finne eine Längsreihe von Platten als mutmaßlicher Rest einer auch bei den Ahnen dieser Tiere ehedem vorhanden gewesenen allgemeinen Panzerung, worin natürlich nichts als eine Analogieerscheinung gesehen werden darf.

Wallis, A. S. C., Pseudonym, s. Opzoomer.

Walther, Eduard, Taubstummenlehrer, geb. 21. Mai 1840 zu Moschwig (Kreis Wittenberg), war Schüler des Seminars zu Weißenfels und seit 1860 Lehrer an der dortigen Taubstummenanstalt, wurde 1870 an die gleiche Anstalt in Homberg (Hessen) versetzt, deren Leitung er 1879 übernahm, wurde 1880 Direktor der Taubstummenanstalt zu Wriezen a. O. und 1885 der königlichen Taubstummen- und Taubstummenlehrer-Bildungsanstalt zu Berlin. Außer zahlreichen Aufsätzen in Fachzeitschriften etc. schrieb er: »Anleitung zur Behandlung taubstummer Kinder vor deren Eintritt in eine Taubstummenanstalt« (Berl. 1881), »Geschichte des Taubstummenbildungswesens« (Bielef. u. Leipz. 1882) und begründete mit Töpler die Zeitschrift: »Blätter für Taubstummenbildung« (das., seit 1887).

Wanderungen der Tiere. Die Erscheinung tierischer Wanderungen findet sich in fast allen größern Abteilungen des Tierreichs, abgesehen von den niedrigst stehenden tierischen Lebewesen. Im Gegensatz zu der Verschleppung verlassen die Tiere bei der Wanderung aktiv ihren Aufenthaltsort, und meist geschieht dies gleichzeitig von einer großen Zahl von Individuen. Es lassen sich dreierlei Arten von W. unterscheiden: 1) regelmäßige Wanderungen, bei welchen die Tiere innerhalb des Zeitraums eines Jahres in genau geregelter Weise periodisch ihren Aufenthaltsort zweimal wechseln, wobei die verschiedenen Wohnorte räumlich sehr weit auseinander liegen können, so daß sich die Wanderung vom einen zum andern über ausgedehnte Gebiete erstreckt; 2) außergewöhnliche Wanderungen, wobei die Tiere in meist ungeheurer Zahl ihren Wohnort gegen ihre sonstige Gewohnheit verlassen und in Gebiete einfallen, welche ihnen sonst fremd sind; in den wenigsten Fällen ist aber hiermit zugleich eine Änderung des Verbreitungsbezirks der betreffenden Tierart verbunden, indem entweder eine Rückwanderung in den ursprünglichen Wohnort erfolgt, oder die wandernden tierischen Scharen auf ihrem Zuge ihren Tod finden; 3) Wanderungen, mit welchen zugleich eine allmähliche Ausdehnung des Verbreitungsbezirks verbunden ist; sie vollziehen sich meist ziemlich unbeachtet und sind bemerkenswerter in ihren Endresultaten als in der Erscheinung der Wanderung selbst.

Die regelmäßigen Wanderungen haben ihre Ursache in der Abhängigkeit der Tiere von bestimmten klimatischen Verhältnissen sowie von ihrer Nahrung, oder sie hängen zusammen mit dem Fortpflanzungsgeschäft. Unter den Säugetieren finden sich periodische Wanderungen in größerm Maßstab nur beim Renntier in den arktischen Gebieten; im Frühjahr verlassen die Tiere in gewaltigen Herden ihren südlichsten Wohnort, den Wald, um in einem zwei Monate währenden Zuge zu ihren Weiden, den Steppen an der Küste des Eismeers, zu ziehen; im Herbst