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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Bayern

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Bayern (Statistisches)

(Berichte über diese Reisen in den »Mitteilungen der K. K. geographischen Gesellschaft«, 1884 und 1890), ging er 1890 im Auftrage der Deutschostafrikanischen Gesellschaft nach Ostafrika zur Erforschung Usambaras und seiner Nebenländer. Als Frucht dieser Reise veröffentlichte er »Usambara und seine Nachbargebiete« (Berl. 1891). Gegenwärtig unternimmt B. eine dritte Forschungsreise nach Ostafrika.

Bayern. Die Bevölkerung betrug nach der Volkszählung vom 1. Dez. 1890: 5,594,982 Seelen (gegen 5,420,199 im J. 1885). Auf die 8 Regierungsbezirke verteilt sich die Bevölkerung wie folgt:

Regierungsbezirke Einwohner 1890 Zunahme (- Abnahme) Einwohner in Proz.

Oberbayern 1 103 160 96 399 9,6

Niederbayern 664 798 3996 0,6

Rheinpfalz 728 339 31 964 4,6

Oberpfalz 537 954 - 36 -

Oberfranken 573 320 - 3383 - 0,6

Mittelfranken 760 606 28 640 4,2

Unterfranken 618 489 - 947 - 0,2

Schwaben 668 316 18 150 2,8

Zusammen: 5 594 982 174 783 3,2

Die Zunahme der Bevölkerung ist im Zeitraum 1885-90 mit jährlich 0,63 Proz. stärker gewesen als in den Jahren 1880-85 (0,51 Proz.), aber erheblich geringer als in den beiden vorhergehenden Perioden (1875-80: 1,02 Proz. und 1871-75: 0,80 Proz.). Das Wachstum der Gesamtbevölkerung ist gegenüber 1885 lediglich durch die Zunahme der Bevölkerung in den elf größern Städten der Rheinpfalz und den unmittelbaren Städten des übrigen Landes hervorgerufen; ihre Bevölkerung stieg um 15,5 Proz., während die in den kleinern Städten und auf dem Lande sogar um 0,02 Proz. sich verminderte. Unter den Städten zeigen die größte Zunahme: Pirmasens (40,9 Proz.), Ludwigshafen (36,5 Proz.), München (24,2 Proz.) und Nürnberg (23,2 Proz.). 1890 zählte man 2,731,120 Personen männlichen und 2,863,862 weiblichen Geschlechts, so daß auf 100 Männer 104,8 Frauen entfallen. Abweichend von der Periode 1880-85, in welcher die weibliche Bevölkerung erheblich stärker als die männliche zunahm, beträgt im Zeitraum 1885-90 die Zunahme beim männlichen Geschlecht 3,4, beim weiblichen nur 2,9 Proz. Wie 1885 gab es zwei Städte mit mehr als 100,000 Einw.: München (348,317) u. Nürnberg (142,403), aber zehn mit mehr als 20,000: Augsburg (75,523), Würzburg (60,844), Fürth (42,659), Regensburg (37,567), Kaiserslautern (37,041), Bamberg (35,248), Ludwigshafen (28,716), Hof (24,548), Baireuth (24,364) und Pirmasens (21,045), das 1885 erst 14,938 Einw. besaß. Unter ihnen ist Regensburg von Fürth, Bamberg von Kaiserslautern, Hof von Ludwigshafen überflügelt worden.

Die Finanzen Bayerns haben in der letzten Rechnungsperiode 1888/89 den namhaften Überschuß von mehr als 68 Mill. Mk. aufzuweisen, der zum überwiegenden Teil durch unvorhergesehene höhere Einnahmen und wirtschaftlichen Aufschwung hervorgerufen wurde. Von den Überschüssen treffen allein 25,4 Mill. auf Mehreinnahmen der Verkehrsanstalten, 12,7 Mill. bei den Zöllen (insbesondere Getreidezölle), 6,2 Mill. im Etat der Ökonomien und Staatsgewerbe, 5 Mill. bei der Forst-, Jagd- und Triftverwaltung. Einen erheblichen Überschuß lieferten ferner die Gebühren; so stieg z. B. der Wert der umgesetzten Immobilien in der Stadt München von 52 Mill. (1883) auf 192 Mill. im J. 1889. Die Reichsstempelabgaben lieferten ein Mehr von 13 Mill. Diese erheblichen Überschüsse erlaubten anstatt des im J. 1889 bewilligten Staatsanlehens zum Ausbau der Staatseisenbahnen und des Fahrmaterials im Betrage von 42,6 Mill., diesen aus den Einnahmen zu decken; weitere 14 Mill. wurden auf Bauten in den verschiedenen Ressorts verwendet. Angesichts der bedeutenden Mehreinnahmen tritt übrigens die Frage der zu lange hinausgeschobenen Aufbesserung der im Vergleich zu andern Staaten sehr niedrigen Gehalte der Beamten sowie eine Ermäßigung verschiedener Gebühren und Steuern in den Vordergrund. Der Budgetvoranschlag für ein Jahr der Finanzperiode 1892 und 1893 bilanziert mit 300,8 Mill. Mk. und im einzelnen wie folgt:

Voranschlag der Einnahmen: Mark

Übertrag aus 1890,91 8039

Direkte Steuern (Grund- 11,5, Kapital- 4,0, Einkommensteuer 2,0, Gebühren 15,5 Mill.) 29 301 000

Erbschaftssteuern, Gebühren und Strafen 21 150 700

Zölle und indirekte Steuern (Malzaufschlag 35,6, Branntweinsteuer 12,7, Zölle und Tabak 20, Hundesteuer 1,2 Mill.) 73 093 950

Bergwerke, Hütten und Salinen 7 391 497

Münzanstalt und königliche Bank 934 901

Staatseisenbahnen 109 182 626

Post und Telegraph 22 010 409

Bodensee-Dampfschiffahrt 468 275

Kanäle 107 855

Forst-, Jagd- und Triftgefälle 25 908 800

Gesetz- und Verordnungsblatt 62 400

Hofbrauhaus München 1 698 970

übrige Staatsgewerbe und Ökonomien 585 744

Grundgefälle 7 268 011

Zinsen, Renten, besondere Abgaben u. a. 1 690 100

Zusammen: 300 863 337

Voranschlag der Ausgaben: Mark

Etat des königlichen Hauses und Hofes (Zivilliste des Königs 4,2, des Reichsuerwesers 0,4 Mill.) 5 403 986

Etat der Staatsschuld (allgemeine Staatsschuld 10,3, Eisenbahnschuld 38,9 Mill.) 49 787 500

Etat des Staatsrates und Landtages 454 947

Etat des Ministeriums des königlichen Hauses und des Äußern 615 555

Etat des Ministeriums der Justiz 13 709 215

Etat des Ministeriums des Innern (Verwaltung 4,8, Staatsbau 7,9, Sicherheit 4,7, Industrie und Kultur 1,6 Mill.) 21 960 463

Etat des Kultusministeriums (katholischer Kultus 3,9, protestantischer Kultus 2,1, Erziehung und Bildung 16,3 Mill.) 23 408 565

Etat des Finanzministeriums 3 903 077

Ausgaben auf Reichszwecke 42 238 920

Pensionen und Sustentationen 8 972 661

Unterstützungen 631 213

Reserve für unvorhergesehene Ausgaben 733 153

Zusammen, Staats -Ausgaben 171 549 268

Für Erhebung, Verwaltung und Betrieb 129 314 069

Gesamtsumme der Ausgaben: 300 863 337

Von den Ausgaben auf Erhebung, Verwaltung und Betrieb treffen auf direkte Steuern 0,97 Mill. Mk., Erbschaftssteuern, Gebühren, Stempel und Strafen 0,7, Zölle und indirekte Steuern 11,95, Bergwerke, Hütten und Salinen 6,75, Staatseisenbahnen 71,9, Posten und Telegraphen 19,9, Bodensee-Dampfschifffahrt 0,45, Kanäle 0,2, Forst-, Jagd- und Triftverwaltung 14,3, königliches Hofbrauhaus 1,2 Mill. Mk. - Der Stand der Staatsschulden Bayerns im August 1891 ist folgender: Allgemeine Staatsschuld 212,5 Mill., Eisenbahnschuld 967,5, Grundrentenschuld 151,6 Mill. mit einer Verzinsung von 8,5, bez. 38,7 und 6,1 Mill. Mk. - Die Sparthätigkeit der Bevölkerung steigt fortwährend; 10 Proz. dieser sind Einleger. Im J. 1889 wurden 39 Mill. Mk. eingelegt, 30 Mill. zurückgenommen und 3,5 Mill.